Geimpfter Impfpass-Fälscher packt aus: „100.000 Euro verdient“

Tagtäglich decken Polizisten in ganz Deutschland Impfpassfälschungen auf. Ein professioneller Fälscher packt auf YouTube über sein Business aus.

Der erst 20 Jahre alte Sandro aus Nürnberg wächst behütet auf, macht seinen Realschulabschluss und beginnt eine Ausbildung als Fliesenleger. Doch nach zwei Jahren harter Arbeit mit wenig Lohn kommt er auf eine andere Idee: er macht sich mit dem Business von „Online-Shops“ vertraut, gründet eine Firma, mietet sogar ein eigenes Büro an und verdient schnelleres Geld mit niedrigerem Aufwand. Am Wochenende geht er gerne feiern. Im Frühjahr 2021 lässt er sich impfen. Doch einige seiner Freunde sind skeptisch und verweigern den Corona-Piks. Schon im Sommer werden sie von Partys und anderen Veranstaltungen ausgeschlossen. Eine Lösung muss her. Da kommen die jungen Bayern auf die Idee, ihre Impfausweise zu fälschen.

Disclaimer: Folgender Inhalt soll nicht dazu aufrufen, das Prozedere nachzumachen. Das Fälschen von Impfausweisen ist in Deutschland mittlerweile strafbar und wird mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet. Zu dem Zeitpunkt, an dem Protagonist Sandro die Ausweise gefälscht hat, gab es eine Gesetzeslücke, die das Fälschen im privaten Bereich (nicht von einem Arzt) als nicht strafbar betrachtete. Der Protagonist nutzte diese Gesetzeslücke aus, die heute aber längst geschlossen wurde. 

Impfpass fälschen: Krimineller erklärt Prozedere von A bis Z

Sandro erklärt das Prozedere: „Blanko-Impfausweise kann man auf Amazon bestellen und die sind in der Apotheke frei verkäuflich.“ Die Clique bestellt sich einen Etikettendrucker, entwirft die Covid-Impf-Sticker samt Chargennummer und druckt sie in großen Mengen aus. „Anfangs dachte ich, dass jede Impfung eine individuelle Chargennummer hat, aber das stimmt nicht. Tausende Impfungen haben die gleiche Nummer, weil die dann alle zu einer Charge, also Lieferung, gehören.“

Auch einen Datumsstempel besorgen sie sich online. Der Stempel eines Impfzentrums macht den Pass komplett. Wie er an diesen herangekommen ist, darüber schweigt Sandro. „Dazu kann ich keine Aussage machen“, sagt er im Interview mit YouTube-Reporter Leeroy („Leeroy will’s wissen“). Die Möglichkeiten: Er hat ihn aus dem Impfzentrum geklaut, kennt einen Mitarbeiter, der kooperiert oder hat den Stempel nachgemacht. Unterschrieben haben die Banden-Mitglieder die Impfpässe selbst.

Der 20-Jährige: „Ein Kumpel hat das dann ausprobiert und konnte seinen Impfnachweis problemlos in der Apotheke digitalisieren, also hat diesen QR-Code bekommen. Dann haben wir uns gedacht, dass das eigentlich eine gute Geschäftsidee ist.“ Zunächst läuft das Business jedoch nicht richtig. „Anfangs hatten wir nur fünf Abnehmer pro Woche“, so Sandro. Dann wendet er sich an einen „Großhändler“, verkauft ihm mehrere Impfausweise für je nur 100 Euro statt 200. Der wiederum bringt die Dokumente an Mann und Frau in Impfgegner-Gruppen auf Telegram.

Impfgegnerin auf Telegram entpuppt sich als Polizistin – Festnahme!

Das Geschäft läuft immer besser und die Clique um Sandro wird immer unvorsichtiger. Schließlich verabreden sie sich selbst mit einer vermeintlichen Telegram-Kundin, die 15 Pässe angefordert hat. Doch die Frau stellt sich als Lockvogel der Polizei heraus. Mehrere Einsatzkräfte überwältigen Sandro, seinen Fahrer und seinen „Läufer“ – U-Haft! Seine Kollegen kommen schnell wieder frei, doch Sandro muss bleiben, weil er die Pässe ausgestellt hat, somit als Haupttäter gilt.

18 Tage sitzt er in Untersuchungshaft, bis er freikommt. Das endgültige Urteil ist noch nicht gefallen, aber sein Anwalt macht ihm Hoffnung: „Das ist offiziell keine Urkundenfälschung, weil ich die Pässe ohne Namen ausgestellt habe. Die konnten die Kunden selbst eintragen. Ohne Namen ist das Dokument aber keine Urkunde, sondern nur ein Gesundheitszeugnis.“ Das Strafmaß für das Fälschen von Gesundheitszeugnissen falle deutlich milder aus als das für Urkundenfälschungen, erklärt der Kleinkriminelle. „Für Urkundenfälschung hätte ich fünf Jahre Haft bekommen“, resümiert er. Nun aber sei er hoffnungsvoll, dass ihm ein „Knast“-Aufenthalt erspart bleibe. Insgesamt hatte die Bande rund 100.000 Euro mit gefälschten Impfpässen verdient.

Impfpass gefälscht: Welche Strafe droht Nutzern?

Während Händler gefälschter Impfausweise mittlerweile härter bestraft werden, kommen auch Nutzer gefälschter Covid-19-Dokumente nicht mehr glimpflich davon. Wer einen Coronatest, einen Genesenenstatus oder ein Impfzertifikat fälscht und dieses etwa in der Apotheke oder auch im privaten Freizeitbereich vorlegt, dem droht eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr. Alternativ kann auch eine Geldstrafe drohen. Der Paragraph 279 des Strafgesetzbuches besagt: „Wer zur Täuschung im Rechtsverkehr von einem Gesundheitszeugnis der in den §§ 277 und 278 bezeichneten Art Gebrauch macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

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