Foto: Shutterstock/Photo Works
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Es passierte am 25. August 2018 im letzten Inning, als Linda Goldbloom das Heimspiel der Los Angeles Dodgers gegen die San Diego Padres in der US-Baseball-Profiliga MLB besuchte. Es sollte ihr letzter sein. Vier Tage später erlag die 79-Jährige ihrer Kopfverletzung. Ein Baseball, ein so genannter „Foulball“, war Richtung Tribüne geflogen und hatte sie hart getroffen. Sie saß in Section 106, Reihe C, Sitz 5 – wenige Meter vom Spielfeldrand entfernt.

Ihre Tochter, Jana Brody, vergleicht den Ball heute noch mit einer Patrone, die aus einer Feuerwaffe abgefeuert wurde. Und sie mahnt: „Ich würde mir höhere Netze wünschen!“ Weiter sagte sie der „New York Times„: Wenn sich der Ball schon im Sinkflug befindet, kann man das als Zuschauer noch verkraften oder sogar ausweichen. Aber dort, wo meine Mutter saß, gab es keine Chance zu reagieren. Es war ein Schuss.“

Foulball nicht im TV zu sehen

Brody war gegen die Padres nicht dabei. Auch bei den folgenden Spielen besuchte sie nicht mehr das Stadion. Der Schmerz über den verlust der mutter war einfach zu groß, Baseball nicht wichtig genug. Doch als die Wochen und Monate nach dem Tod der geliebten Mutter verstrichen, wunderte sie sich, dass niemand über den Vorfall berichtete. Kein TV-Bild hatte den fatalen Foulball eingefangen, der Klub hatte den Unfall nicht öffentlich gemacht. Auch die Liga schwieg sich aus, kein Medienvertreter verfolgte das Schicksal von Linda Goldbloom. Die Familie selbst ging indes auch nicht an die Presse.

Doch als Brody zu Fan-Verletzungen im Baseball recherchierte, fand sie einen Artikel, in dem stand, dass es bislang im Baseball erst einen Todesfall nach einem Foulball gegeben hätte. 1970 starb ein 14-jähriger Junge – ebenfalls im Dodger Stadium. Sie kontaktierte den Autor, ESPN-Journalist Willie Weinbaum, um diesen zu informieren, dass es einen zweiten Fall gegeben hat. „Erst dann habe ich realisiert, dass es unsere Verantwortung ist, der Öffentlichkeit die ganze Geschichte zu erzählen.“

Es ging ihr darum, dass es nicht nochmal passiert. Und deshalb kontaktierte sie auch die Dodgers. Ihr Wunsch: ein Ausbau der Netze. Joe Jareck, der Pressesprecher des Klubs, kommentierte de Anfrage damit, dass das Problem gelöst sei. Der Klub würde grundsätzlich keine Statements zu Unfällen im Dodger Stadium abgeben, um die Privatsphäre der Familie zu schützen.

MLB will Stadien fan-freundlich halten

Auch die MLB hält sich bedeckt. Man sei traurig über den Tod von Goldbloom. Ziel sei es stets, die Sicherheit für die Zuschauer zu verbessern. Man wolle die Stadien aber „fan-freundlich“ halten.

Immer wieder werden Zuschauer im US-Baseball durch fliegende Bälle verletzt. Seit Goldblooms Tod sind die Sicherheitsnetze in allen amerikanischen Baseball-Stadien vergrößert worden. Dennoch ist Brody nicht zufrieden. Die Netze seien zwar verbreitert worden, aber eben nicht erhöht.

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