Familiendrama in Rot am See: Mann tötet Eltern und vier weitere Verwandte

Bei einem Familiendrama in Baden-Württemberg soll am Freitag ein 26-jähriger Mann sechs Menschen, darunter Mutter und Vater, erschossen haben.
Polizei Rot am See
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bei einem Zusammentreffen von Familienmitgliedern in Rot am See im Nordosten des Bundeslands (Kreis Schwäbisch Hall) soll ein 26-Jähriger am Freitag seine ganze nähere Verwandtschaft getötet haben.

Er erschoss mit einer halbautomatischen Waffe Vater und Mutter, Onkel, Tante und zwei Stiefgeschwister. Zwei weitere Verwandte verletzte er schwer, ein 68-Jähriger schwebte am Samstag noch in Lebensgefahr.

Die Mutter des Tatverdächtigen, die nach dpa-Informationen vom Vater getrennt lebte, hatte auf dem Weg aus dem Raum Freiburg nach Leipzig Zwischenstopp gemacht. Dort war für Samstag die Beerdigung ihrer Mutter, der Großmutter des mutmaßlichen Täters, geplant.

Mit ihr waren zwei Stiefgeschwister des Verdächtigen ebenfalls aus der Gegend um Freiburg gekommen. Als auf diese drei Angehörigen und den Vater geschossen wurde, eilten die in der Nachbarschaft lebende Tante des Opfers und ihr Mann zum Tatort. Dort wurden beide Opfer des Sportschützen.

Zwei Jungen im Alter von 12 und 14 Jahren, Söhne der Stiefschwester des mutmaßlichen Täters, konnten sich bei Nachbarn in Sicherheit bringen. Zuvor hatte der Mittzwanziger sie mit seiner Waffe bedroht.

Am Samstagnachmittag erließ der zuständige Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen den 26-jährigen Deutschen. Grund: Verdacht des sechsfachen Mordes und des zweifachen versuchten Mordes, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Samstag mitteilten. Der Beschuldigte war nach dpa-Informationen arbeitslos, absolvierte gerade ein Fernstudium und lebte mit seinem Vater seit vier Jahren in einer Wohnung über einem Lokal, das der Vater betrieb. In dem Gebäude und in der Umgebung fielen die tödlichen Schüsse. Die Beweggründe liegen im Dunkeln.

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Das Motiv war noch unklar: „Zu dem Motiv können wir bisher nichts sagen, wir gehen aber von einem Familiendrama aus“, sagte Polizeipräsident Möller. Der mutmaßliche Täter sollte noch am Freitag von der Polizei vernommen werden. Der 26-Jährige soll mit einer Pistole geschossen haben, für die er als Sportschütze einen Waffenschein besaß. Strafrechtlich sei er bislang noch nicht in Erscheinung getreten.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot von rund hundert Einsatzkräften vor Ort, hinzu kamen rund 30 Rettungskräfte. Die Tat ereignete sich in und vor einer Gaststätte in Rot am See. Nach den Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei wohnte der 26-Jährige im „Tatobjekt“.

Am Samstagvormittag ein neuer Schreck für die 6000 Einwohner von Rot am See: Ein Hubschrauber brachte ein Spezialeinsatzkommando in den Ort, nachdem Anwohner der Polizei Schüsse gemeldet hatten. Die Polizei umstellte das Gebäude, in dem der Verdächtige sich verschanzt hatte. Die Spezialkräfte nahmen den 38-Jährigen unverletzt in seiner Wohnung fest.

Er hatte eine Schreckschusswaffe benutzt, weitere wurden bei einer Durchsuchung der Wohnung gefunden. Hintergrund der Tat könnte nach dpa-Informationen der drohende Verlust der Wohnung des polizeibekannten Mannes sein. Eine Verbindung mit der Tat vom Vortag schloss die Polizei aus.

Weil der mutmaßliche Täter von Rot am See, ein Sportschütze, eine Waffenbesitzkarte hatte, befürchtet der Deutsche Schützenbund (DSB) in Wiesbaden eine Debatte um ein schärferes Waffenrecht. „Wenn mit einer legalen Waffe so etwas passiert, ist immer die Diskussion da, wie man die Schraube noch weiter anziehen kann“, sagte Walter Wolpert, DSB-Vizepräsident für den Bereich Recht, am Samstag.

Dabei habe Deutschland schon eines der strengsten Waffengesetze der Welt, das zudem gerade verschärft worden sei. Darauf verwies auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU): „Man muss sich jetzt ganz genau, sorgfältig und sorgsam anschauen, ob und wie man hier möglicherweise noch nacharbeiten muss.“

AFP