Der Fall aus dem Sauerland hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Ein damals 14-Jähriger soll seinen zwei Jahre älteren Mitschüler erwürgt haben, weil dieser keine Beziehung gewollt habe. Nun beginnt der Totschlagsprozess.

Er soll seinen älteren Mitschüler erwürgt haben, weil dieser keine Beziehung mit ihm wollte und ihn abwies: Gegen einen Teenager aus dem sauerländischen Wenden beginnt an diesem Donnerstag (18.4.) ein Totschlagsprozess. Der zur Tatzeit 14-Jährige steht vor dem Siegener Landgericht. Er hatte gestanden, den zwei Jahre älteren Jugendlichen nach einem Streit so lange gewürgt zu haben, bis dieser gestorben sei. Der Beschuldigte sitzt in Untersuchungshaft.

Der Jüngere soll laut Anklage in den Älteren verliebt gewesen sein, der 16-Jährige soll dessen Annäherungsversuche aber zurückgewiesen haben. Der dramatische Fall, der bundesweit Entsetzen ausgelöst hatte, ereignete sich demnach am 30. Oktober 2018 während der Unterrichtszeit, beide Gesamtschüler schwänzten. In einem an das Schulgelände angrenzenden Waldgrundstück sei es zu der Gewalttat gekommen.

Der Vater des Opfers meldete seinen Sohn am Abend als vermisst, wie ein Gerichtssprecher schilderte. Bei einer Suchaktion wurde der Leichnam am nächsten Tag gefunden. Etwas entfernt vom Tatort, aber ebenfalls in Schulnähe. Der Beschuldigte soll die Leiche dorthin geschleppt haben. Sein Verteidiger Martin Kretschmer sagte auf Anfrage, sein Mandant habe die Tat eingeräumt.

Das Verfahren findet vor der Jugendkammer des Siegener Landgerichts unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ob sich der inzwischen 15-Jährige am kommenden Donnerstag selbst äußert, sei noch nicht entschieden. Womöglich werde er für seinen Mandaten eine Erklärung verlesen, sagte Kretschmer. Das Verfahren sei komplex, das Gericht habe viele Zeugen geladen.

Die Eltern des getöteten 16-Jährigen treten als Nebenkläger auf. Ihr Vertreter wollte sich vor Prozessbeginn nicht äußern. Das sei mit den Eltern des Getöteten vereinbart, die zunächst um Stillschweigen gebeten hätten, erläuterte der Anwalt.

Für das Verfahren sind rund 30 Zeugen geladen, darunter viele Schüler, auch Lehrer und Polizisten. Weitere fünf Verhandlungstermine seien bereits festgelegt, ein Urteil werde für Mitte Juni angestrebt, sagte Gerichtssprecher Sebastian Merk.

Keine News mehr verpassen: Folgt uns jetzt bei Facebook!

(dpa)