Um sich gut auf Social Media darzustellen, weiß man sich eigentlich im Zeitalter von Instagram und Snapchat mit Filtern oder Photoshop zu helfen – inzwischen reicht das den Usern aber immer seltener. Viele legen sich für das perfekte Selfie sogar unters Messe. Dafür gibt es mittlerweile einen eigenen Begriff.

Hier das Foto etwas matter wirken lassen, dort die krumme Nase durch die Perspektive kaschieren oder schnell den Teil des Selfies herausschneiden, in dem die Problemzonen liegen. Mittlerweile ist das schon mit wenigen Handgriffen und innerhalb von wenigen Sekunden getan – dann ab mit dem Bild auf Snapchat oder Instagram und Daumen drücken, dass die Like-Zahl stimmt.

„Selfinissmus“, ein Begriff, den ein Düsseldorfer Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie vorantreibt, beschreibt das Phänomen, wenn die Verbesserungsmöglichkeiten im Smartphone nicht mehr reichen, sondern eine Schönheits-OP helfen soll.

Dr. Murat Dagdelen hat die Wörter „Selfie“ und „Narzissmus“ verbunden, um diese beunruhigende Entwicklung zu erklären. Die körperlichen Ideale geben Stars oder Influencer mit Millionen Followern, teuren Werbeverträgen und einem kompletten PR-Team vor – besonders für junge Leute ist schwer nachzuvollziehen, was echt ist und inwieweit Makel auch schön sind.

Das perfekte „Body-Image“ wird immer verrückter – die Sehnsucht nach einem makellosen Gesicht, großen Brüsten, einem kurvigen Hintern oder einem Sixpack ist größer denn je. Für die Anerkennung ist eigentlich jedes Mittel recht.

Da sind Chirurgen besonders in der Verantwortung: Operationen tun den Patienten nicht nur im Geldbeutel weh, sondern können auch unter Umständen gesundheitliche Schäden provozieren. Nicht nur das schnelle Geld, sondern auch Risiken und der psychische Aspekt bei jedem OP-Kandidaten sollten da zu beachten sein. Trotzdem ist das letztlich in den meisten Fällen die Wahrheit: „Wer sich wirklich operieren lassen will, findet immer einen Arzt, der seine Wünsche auch umsetzt“, sagt Dagdelen gegenüber der Saarbrücker Zeitung.