nachtresidenz club außenansicht
Foto: Tonight

Der Tanztempel nahe der Düsseldorfer Königsallee gehört seit 20 Jahren zu den angesagtesten Ausgeh-Adressen der Stadt: In normalen Zeiten feiern in der Nachtresidenz am Wochenende Tausende von Nachtschwärmern. Doch seit zwölf Monaten ist aufgrund der Corona-Pandemie Schluss damit – und ein Ende nicht in Sicht. Wie viele andere Gastronomen ist Betreiber Marcel Oelbracht frustriert. „Die versprochenen Hilfen bleiben aus oder kommen einfach viel zu spät. Und was die Zukunft angeht: Uns fehlt die Perspektive!“

Er rechnet damit, dass es in der Nachtresidenz erst 2022 mit dem Betrieb weitergehen wird. „Aktuell sinken die Inzidenz-Werte zwar in vielen Regionen, aber es wird wohl noch Wochen dauern, bis Restaurants wieder öffnen dürfen!“, so der Geschäftsführer. Und fügt resigniert hinzu: „„Für die Clubs dürfte sich das Ganze noch lange hinziehen.“

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Ein vier-Stufen-Plan der DEHOGA sieht vor, dass als letztes bei einer Inzidenz von 20 auch Clubs und Discotheken wieder öffnen sollten. „Doch was ist, wenn nach kurzer Zeit die Werte in die Höhe gehen? Dann ist sofort wieder alles dicht – und die wirtschaftliche Katastrophe noch größer“, so der Clubbetreiber. „Wir reden hier über eine sechsstellige Summe, um den Resi-Betrieb anzuschmeißen.“

„Damit schießen wir uns am Ende selbst ins Bein“

Gleichzeitig befürchtet er, dass sich wie im vergangen Sommer einige Restaurants zwecks mangelnder Alternative wieder zu erweiterten Tanzflächen entwickeln könnten: „Und damit schießen wir uns als Gastronomen am Ende selbst ins Bein!“

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Und natürlich macht sich der Düsseldorfer auch Gedanken um das Ausgehverhalten an für sich. „Werden wir wieder rauschende Feste wie vor Corona feiern? Wollen die Menschen das überhaupt – oder werden sie zurückhaltender sein? Ich hoffe darauf, dass es eines Tages wieder so sein wird, aber ich weiß es nicht“, zeigt sich der Geschäftsmann nachdenklich.

Nachtresidenz Kuppelsaal Party 2018
Wummernde Bässe, eine volle Tanzfläche: Wann wird in der Nachtresidenz wieder so gefeiert? Foto: Nachtresidenz

Denn schon vor der Pandemie war der „fehlende Nachwuchs“ ein Thema. „Festivals, „Umsonst und draußen“-Aktivitäten und Social Media-Angebote haben bei den Jüngeren einen höheren Stellenwert bekommen, der Club-Besuch dafür an Bedeutung verloren.“

Trotzdem möchte Marcel Oelbracht nicht den Kopf in den Sand stecken – und hat mit der Bitte um ein persönliches Gespräch dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) einen eigenen zehn-Stufen-Plan geschickt. „Bislang gab es noch keine Reaktion, aber ich bleibe dran. Eine Stadt wie Düsseldorf braucht ein vielseitiges Nachtleben mit Clubs, Bars und Restaurants – und dafür müssen wir alle kämpfen!“

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