Aale könnten zukünftig Probleme mit ihrer Fortpflanzung bekommen – weil sie dauerhaft auf Koks sind. Chemische Drogen, die über das menschliche Urin in Gewässer geleitet werden, bereiten Forschern Sorgen.

Der Konsum illegaler Drogen stellt die menschliche Gesellschaft vor Probleme, die mehr oder weniger bekannt sind. Weitestgehend unergründet sind jedoch die Auswirkungen, die Rauschgifte auf andere Spezien haben. Besonders gefährdet sind Aale, weil diese reich an Fett sind und daher besonders viele Giftstoffe aufnehmen.

Um die Auswirkungen der Droge genauer zu untersuchten, setzten Wissenschaftler der Universität Neapel eine Gruppe von Aalen 50 Tage lang unter Laborbedingungen in ein Gewässer ein, das mit Kokain versehen wurde. Die Konzentration des Rauschgifts entsprach dabei Messwerten, die bereits in natura gemessen wurden. Besonders hoch waren die Kokain-Werte unter anderem in der Themse nahe des britischen Parlaments sowie unlängst des schiefen Turm von Pisas im Fluss Arno.

Das Ergebnis der Studie: Die Aale wurden hyperaktiv. Zudem stellten die Forscher fest, dass sich das Kokain in Gehirn, Muskeln, Kiemen und Haut anreicherte. Muskelzellen schwollen an oder zerfielen gar. Die Auswirkungen gingen auch nach einem zehntätigen Entzug nicht zurück. „Alle Grundfunktionen dieser Tiere wurden verändert“, sagte Anna Capaldo, Biologin an der Universität in Neapel und leitende Wissenschaftlerin der Studie.

Zudem wurden Stresshormone aktiviert, die Fett abbauen. Das Problem: Aale brauchen ihre Fettreserven und Muskelkraft, bevor sie sich auf die Reise machen, um sich fortzupflanzen. Aale müssen nämlich tausende von Kilometern wandern, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Auch ihre sexuelle Reife könnten Aale möglicherweise gar nicht erst entwickeln, wenn sie schon in jungen Jahren Kokainkonsum ausgesetzt werden. 

Während gezüchtete Aale davon kaum betroffen sind, machen sich Forscher vor allem um die wilde Population Sorgen, die vor dem Aussterben stehen könnte – und die von Menschen verursachte Verschmutzung der Gewässer hat daran einen großen Anteil.

Da die Forschergruppe im Capaldo nicht mit einem Rückgang des Drogenkonsums rechnet, fordert sie, dass Kläranlägen so ausgerüstet werden sollten, dass Drogenrückstände besser aus dem Abwasser gefiltert werden.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen die Kontaminierung der Aale wiederum auf Menschen hat, die den Fisch verspeisen, ist noch nicht erforscht.