Nicole Schulze Prostituierte Straßenstrich
Foto: Schulze/Privat/dpa

Die Corona-Krise mit dem derzeitigen Berufsverbot für Prostituierte hat laut dem Berufsverband für die Sexarbeiterinnen „katastrophale Folgen“.

„Die Frauen auf dem Straßenstrich trifft es am allerschlimmsten“, sagte Nicole Schulze vom Vorstand des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen der Deutschen Presse-Agentur.

Sie fielen durch alle Soforthilfen durch, da sie häufig gar nicht registriert seien. Auch Hartz IV könnten viele nicht beantragen, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllten.

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Schulze, im Berufsverband für den Straßenstrich zuständig, sagte, sie bekomme jeden Tag zig Anrufe von Frauen, die kein Geld mehr für Lebensmittel hätten. Oft handele es sich um Migrantinnen, die nicht in ihre Heimatländer zurück könnten, weil Grenzen dicht seien. Nach Angaben von Schulze, die selbst seit 16 Jahren auf dem Straßenstrich arbeitet, sind Hunderte Frauen derzeit in einer kritischen Lage, weil Einnahmen weggebrochen sind.

Daher hat Schulze einen Spendenaufruf auf der Plattform Leetchi im Internet gestartet. Rund 4500 Euro kamen bisher zusammen (Stand: 2. April, 14 Uhr). Zudem habe sie die Beratungsstelle Ara in Trier (Rheinland-Pfalz) mit ins Boot geholt, an die auch gespendet werden könne. „Die Frauen brauchen schnell Hilfe“, sagte Schulze. Ihnen drohe neben Hunger die Obdachlosigkeit.

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Schulze, die im Raum Trier in einem Wohnmobil als Sexarbeiterin tätig ist, hat Hartz IV beantragen können. Auch sie überlegt, wie sie Geld verdienen kann, wenn die Krise noch lange anhalte.

Auf Telefonsex oder Dienstleistungen über Webcam will sie nicht umsteigen. „Da geht es mir wie allen auf der Straße: Ich kenne mich mit Computertechnik nicht aus.“ Sie könne sich aber vorstellen, als Sexualassistentin für Behinderte zu arbeiten.

Bundesweit sind laut Schulze rund 38.000 Prostituierte angemeldet. Die tatsächliche Zahl liege aber deutlich höher.

Quelle: dpa