Coronavirus Maske
Foto: Frank Molter/dpa

Die Bereitschaft der Deutschen zur Selbstisolation nimmt ab. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov würden sich derzeit (Stand Mitte Juni) 70 Prozent der Befragten selbst isolieren, wenn ihnen das von Gesundheitsbehörden empfohlen wird.

Im März lag der Anteil noch bei 82 Prozent. In Deutschland ist die Bereitschaft zur Selbstisolation damit niedriger als in anderen Ländern: Durchschnittlich gaben 81 Prozent der Befragten in 29 Ländern an, dass sie auf Empfehlung von Behörden zuhause bleiben würden. Das sind sechs Prozentpunkte weniger als im März.

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Rund drei von fünf Deutschen (58 Prozent) würden sich freiwillig isolieren, wenn sie für Covid-19 typische Symptome wie trockenen Husten, Fieber oder den Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns bei sich feststellten. Der Anteil ist damit um 15 Prozentpunkte im Vergleich zum März gesunken. 27 Prozent sagten, dass sie sich auch bei Symptomen nicht selbst isolieren würden.

Laut der Befragung sind die Briten beim Auftreten von Symptomen am häufigsten zur Selbstisolation bereit (85 Prozent). In Brasilien (83 Prozent) und Mexiko (81 Prozent) ist der Anteil ebenfalls hoch. Kurz vor dem erneuten Corona-Ausbruch in Peking gaben in China laut YouGov nur 21 Prozent der Menschen an, dass sie bei Krankheitssymptomen zuhause bleiben würden.

580 Neuinfektionen – Ausbrüche noch nicht enthalten

Innerhalb von 24 Stunden haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) 580 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 187.764 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am Donnerstagmorgen meldete (Datenstand 18.6., 0 Uhr).

Noch nicht enthalten sind die Nachweise bei Ausbrüchen wie im westfälischen Kreis Gütersloh – diese dürften die Gesamtzahlen in den kommenden Tagen deutlich erhöhen. Hunderte Infektionen gehen allein auf Mitarbeiter einer Fleischfabrik im Kreis Gütersloh zurück.

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Tausende Menschen wurden unter Quarantäne gestellt. Auch im Berliner Bezirk Neukölln stieg die Zahl der Infizierten in inzwischen unter Quarantäne stehenden Wohnblöcken. Neu hinzu kam ein Ausbruch in einem Hochhaus in Göttingen. Zunächst wurden dort etwa 100 Neuinfektionen nachgewiesen, knapp 700 Bewohner standen unter Quarantäne.

Weitere Landkreise mit hohen Infektionszahlen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen sind Verden, Greiz, Magdeburg und Warendorf. 145 von 412 Landkreisen registrierten nach RKI-Daten in den vergangenen sieben Tagen keine Neuinfektionen. 8856 mit dem Virus infizierte Menschen starben nach RKI-Angaben in Deutschland – das bedeutet ein Plus von 26 im Vergleich zum Vortag. Etwa 174.100 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Das sind 400 mehr als noch einen Tag zuvor.

R-Wert fällt auf 0,86

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, sank nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 17.6., 0.00 Uhr, unter die kritische Marke von 1,0 auf 0,86. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Am Vortag hatte er bei 1,0 gelegen.

Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 17.6., 0 Uhr, bei 0,89 (Vortag: 0,86). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Quelle: dpa