Virginia Giuffre Interview Prinz Andrew
Foto: BBC Panorama/AP

In einem Interview der BBC erneuert ein Opfer des US-Geschäftsmannes Epstein die Vorwürfe gegen Prinz Andrew. Virginia Giuffre sei nach London geflogen worden, um dort Sex mit ihm zu haben. Die Briten fordert sie auf, die Vorwürfe ernst zu nehmen.

Im Missbrauchsskandal um den US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein hat eines der Opfer erneut schwere Vorwürfe gegen den britischen Prinzen Andrew erhoben. Sie sei im Alter von 17 Jahren drei Mal von dem mittlerweile verstorbenen Epstein zum Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden, sagte Virginia Roberts Giuffre in einem Interview mit der BBC, das am Montagabend ausgestrahlt wurde.

Sie forderte die Briten darin auf, „dass sie das nicht als OK akzeptieren sollten.“ Es handele sich nicht um eine schmutzige Sexgeschichte, sondern um eine Geschichte des Menschenhandels, des Missbrauchs und um die Royals.

In Giuffres erstem Fernsehinterview beschrieb sie, wie sie 2001 von Epstein verschleppt und zum Sex gezwungen wurde. Giuffre äußerte sich in dem BBC-Interview unter anderem zu einem Abend in London. Sie gab an, mit Andrew in einem Nachtclub getanzt zu haben, bevor sie Sex mit ihm hatte.

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„Es war einfach schrecklich. Dieser Typ hat mich von oben bis unten vollgeschwitzt. Als ob sein Schweiß auf mich regnen würde“, sagte Giuffre. Sie habe sich geekelt, aber gewusst, dass sie ihn bei Laune halten müsse, weil Epstein und dessen Freundin, Ghislaine Maxwell, das von ihr erwartet hätten.

Der Dokumentarfilm der BBC zeigt ein detailliertes Bild, wie Epstein Dutzende junge Frauen in seinen Luxusanwesen in der Karibik und New York missbrauchte. Die heute 35-jährige Giuffre beschrieb, wie sie von Maxwell rekrutiert wurde, um Epstein zu massieren, als sie als Assistentin im Umkleideraum von US-Präsident Donald Trumps Resort Mar-a-Lago in Palm Beach in Florida gearbeitet habe. Maxwell streitet die Vorwürfe ab.

In einem kürzlich ausgestrahlten TV-Interview sagte der 59-jährige Prinz Andrew, er habe Giuffre noch nie gesehen. Er bestreitet zudem kategorisch, Sex mit ihr gehabt zu haben. Auch sei er aufgrund einer medizinischen Kondition nicht in der Lage, zu schwitzen.

Der Skandal ist einer der schlimmsten, der das britische Königshaus in den vergangenen Jahrzehnten erfasst hat. Andrews Ruf hat stark darunter gelitten. Er ist eines der vier Kinder von Queen Elizabeth II. Wegen der Vorwürfe gab Andrew seine öffentlichen Aufgaben für das Königshaus bis auf Weiteres ab. Er sagte, wenn es nötig sei, sei er Willens, mit den Behörden zusammen zu arbeiten.

US-Strafverfolgungsbehörden haben nicht mitgeteilt, ob gegen Andrew ermittelt wird. Britische Behörden untersuchten Giuffres Vorwürfe, für den Sexhandel nach England gebracht worden zu sein, haben jedoch noch keine umfassende Ermittlungen begonnen.

Das Video, in dem Andrew sich zu dem Thema äußerte und um Schadensbegrenzung bemühte, ging nach hinten los, da Andrew kein Mitgefühl für Epsteins Opfer zeigte, und seine Freundschaft mit diesem als „ehrenhaft“ beschrieb.

Der Millionär Epstein hatte sich im Sommer in US-Untersuchungshaft das Leben genommen. Er wurde des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung beschuldigt.

Quelle: dpa