Prostituierte fordern Öffnung der Bordelle
Foto: Markus Scholz/dpa

Ein halbes Jahr waren Prostituierte im berühmten Hamburger Kiez St. Pauli wegen Corona mit Berufsverbot belegt. Andere körpernahe Dienstleistungen sind längst wieder zugelassen. Nun soll auch das Rotlicht wieder angehen.

Mit einer Kunstaktion und einem Fest in der Herbertstraße will die Gruppe Sexy Aufstand Reeperbahn am Dienstag (15.9.) nach monatelangem Corona-Shutdown die Wiederzulassung der Prostitution in Hamburg feiern. „Wir sind wirklich happy“, sagt Hanna, die Sprecherin der Gruppe aus Sexarbeiterinnen und Bordellbetreibern, die sich seit Monaten dafür einsetzt, dass das Rotlicht auf St. Pauli wieder angeht. „Nichtsdestotrotz ist es ja so, dass wir nicht wissen, wie sich das Geschäft entwickelt.“

Gleich zu Beginn der Corona-Einschränkungen im März war auch die Prostitution verboten worden. Während andere sogenannte körpernahe Dienstleistungen längst wieder in Tattoo-, Piercing-, Waxing- oder Massagestudios angeboten werden, kommt das „älteste Gewerbe der Welt“ spät aus dem Lockdown. Und nicht spurenlos. „Wir haben alle einen hohen Schuldenberg, den wir noch abarbeiten müssen. Und der Sommer, in dem unser Hauptgeschäft läuft, ist vorbei“, sagt Hanna.

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Auch für die Betreiber der behördlich genehmigten Bordelle sei es eine schlimme Zeit gewesen: monatelang ohne Einkünfte. „Die kriechen wirklich auf dem Zahnfleisch“, sagt Andy, Gastronom auf St. Pauli und nach eigenen Angaben einziger Mann beim Sexy Aufstand Reeperbahn. Das Geschäft mit dem Sex sei derweil illegal in privaten Wohnungen und in Parks gelaufen. Ab Dienstag solle es nun auch für die genehmigten Prostitutionsstätten wieder besser werden. Und das wolle man feiern.

„Wir erwarten viele Leute, die uns in den letzten Monaten unterstützt haben.“ Auch Frauen, die nicht in der Herbertstraße arbeiten und die ansonsten von ihren dort in Schaufenstern sitzenden Geschlechtsgenossinnen nicht gern hinter den eisernen Toren gesehen werden, seien willkommen. „Das ist die letzte Gelegenheit, wo die Tore der Herbertstraße geöffnet werden“, sagt Andy. „Das wird ein kleines Eröffnungsfest.“ Als Höhepunkt soll ein Gemälde der Malerin Maaike Dirkx enthüllt werden, die sich mit dem Kiez auseinandersetzt.

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Die Damen vom Sexy Aufstand Reeperbahn haben schon Mitte Juli einen eigenen Hygieneplan vorgelegt, mit dem sie zeigen wollten, wie das Sexgeschäft auch in Corona-Zeiten unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes stattfinden kann: nur Sexstellungen, die einen gewissen Abstand zwischen den Köpfen der Prostituierten und ihren Kunden garantieren, kein Austausch von Körperflüssigkeiten, ständiges Lüften und vieles mehr. Doch die Behörden hielten an dem Verbot fest.

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Vor gut einer Woche reichten die Anwälte zweier Sexarbeiterinnen und zweier Bordellbetreiber aus der Herbertstraße dagegen einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Hamburg ein – stellvertretend für die ganze Branche. Der dürfte nun mit der Wiederzulassung der Prostitution eigentlich erledigt sein. Zurückgezogen habe man ihn aber bislang nicht, sagt Rechtsanwältin Kerstin Gröhn. „Wir wollen warten, bis die Verordnung in Kraft tritt.“

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In dieser Verordnung ist geregelt, wie die Prostitution ab Dienstag unter strengen Auflagen wieder stattfinden kann. Um mögliche Infektionen nachverfolgen zu können, seien die Prostituierten verpflichtet, Kontaktlisten zu führen und nach Terminabsprache zu arbeiten, sagt die auch für Gesundheit zuständige Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). „Nicht zulässig sind weiterhin Prostitutionsveranstaltungen und Prostitution in Fahrzeugen.“

Die Verordnung stimme fast vollständig mit dem Hygienekonzept der Sexarbeiterinnen überein, sagt Gröhn. Einzige Ausnahme: Oralsex, für den die Prostituierten den Mund-Nase-Schutz gern hätten abnehmen wollen. „Das erlaubt die Verordnung so aber nicht.“

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Ausschlaggebend für die Wiederzulassung sei gewesen, dass sie im Einklang mit den benachbarten Bundesländern erfolge, sagt Senatorin Leonhard. Auch in Schleswig-Holstein und Bermen ist Prostitution ab Dienstag unter strengen Auflagen wieder erlaubt – streng offiziell auch erst dann wieder in Niedersachsen. Allerdings setzte dort bereits Ende August das Oberverwaltungsgericht die von der Landesregierung angeordnete Schließung von Bordellen und ähnlichen Einrichtungen außer Vollzug.

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Quelle: dpa