Hendrik Streeck, Coronavirus, Direktor des Instituts Virologie der Uniklinik Bonn
Foto: Federico Gambarini/dpa

Virologen aus aller Welt beschäftigen sich derzeit mit dem sich immer weiter ausbreitenden Coronavirus. In Deutschland ist das Robert-Koch-Institut führend – was hier gesagt wird, ist die Grundlage des Handelns der Bundesregierung. Doch wird dort alles richtig gemacht? In Hendrick Streeck hat das nun ein anerkannter Experte öffentlich in Frage gestellt.

Am Dienstagabend stellte sich der Direktor des Instituts für Virologie der Universität Bonn den Fragen von Markus Lanz. Der 42-Jährige forscht derzeit im Auftrag der NRW-Landesregierung mit seinem Team in Heinsberg, einem der deutschen Corona-Hotspots. Von dort breitete sich das Virus mit am schnellsten aus.

Hier ist ein Ausschnitt seines Auftritts bei Lanz:

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Bereits im Vorfeld hatte Streeck sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur verwundert darüber gezeigt, dass das Robert-Koch-Institut dies nicht auch tue – das Interesse an einer Eindämmung des Virus sei ja schließlich „ein bundesweites“.

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So möchte nun er Erkenntnisse aus den Geschehnissen im Kreis Heinsberg gewinnen. Mit Hilfe des Einwohnermeldeamtes sollen zunächst 500 Familien repräsentativ ausgesucht werden. Es folgen Blutuntersuchungen, Rachenabstriche und umfassende Fragebögen. Die Familiengröße variiert, am Ende sollen ungefähr 1000 Leute in der Stichprobe landen. So soll ein relativ gutes Bild entstehen, wer mit dem neuartigen Coronavirus infiziert wurde und wer nicht – und warum. Dies könnte dann als Grundlage für Entscheidungen auf dem Weg zurück in die Normalität führen.

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Interessant ist, dass Streeck scheinbar mit den bisherigen Regeln zur Eindämmung nicht komplett einverstanden zu sein scheint. „Es gibt keine Gefahr, jemand anderem beim Einkaufen zu infizieren“, erklärte er bei Markus Lanz. Viel mehr sei es bei großen Menschenansammlungen wie dem Après-Ski in Ischgl oder dem Fußballspiel in Mailand zu den folgenschweren Infektionen gekommen. „Das kam aus keinem Supermarkt, keiner Fleischerei oder Restaurant.“

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Die Karnevalsveranstaltung in Gangelt, die als Ausbruchsstelle des Coronavirus in Heinsberg gilt, wolle Streeck daher noch einmal ganz genau untersuchen. Erste Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen präsentiert werden. Sein Ziel sei es, eine „Exit-Strategie“ zu entwickeln. Und in diesem Zuge kam er um eine weitere Breitseite in Richtung des Robert-Koch-Instituts nicht aus. Ihm fehle die Zielsetzung: „Sind 100 Infektionen pro Tag zu viel? Oder 1000?“

Keine Frage: Der Auftritt von Hendrick Streeck lässt aufhorchen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob es womöglich zu einer Wachablösung in Sachen Corona-Forschung in Deutschland kommt.

Quelle: mit Agenturmaterial (dpa)