Coronavirus Italien Giuseppe Conte
Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte. Foto: Mauro Scrobogna/LaPresse/AP/dpa

Im Kampf gegen wieder steigende Corona-Infektionszahlen hat Italiens Regierung am Mittwoch eine landesweite Maskenpflicht im Freien beschlossen. Ausnahmen gebe es nur für Kinder im Alter unter sechs Jahren und für Menschen mit Krankheiten oder Einschränkungen, die mit dem Tragen einer Gesichtsmaske nicht zu vereinbaren seien, sagte die stellvertretende Gesundheitsministerin Sandra Zampa dem TV-Sender RAI.

Auch in bestimmten Situationen, in denen man alleine sei – etwa in einem Park –, gelte die Pflicht nicht. Unklar blieb zunächst, ab wann genau diese neue Maßnahme in Kraft treten soll. Beobachter sagten, sie werde wahrscheinlich schon von Donnerstag an gelten.

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Das Tragen von Gesichtsmasken im Freien war bisher bereits in einigen italienischen Regionen Pflicht, darunter auch in Kampanien und Latium, die Neapel und Italiens Hauptstadt Rom einschließen. Bisher müssen die Schutzmasken national hauptsächlich in geschlossenen Räumen wie Läden und Büros sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgesetzt werden.

Die Regierung beschloss am Mittwoch ferner, den wegen der Corona-Pandemie ausgerufenen Notzustand über den 15. Oktober hinaus bis zum 31. Januar zu verlängern, wie ein Sprecher sagte. Der Notstand wird in Italien oft nach Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen ausgerufen, um eine besondere Koordinierung der Einsatzkräfte zu gewährleisten und Bürokratie zu vermeiden.

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Die Behörden verzeichneten in den jüngsten Wochen einen erheblichen Anstieg der Infektionszahlen. Obwohl die Pandemie bisher als unter Kontrolle gilt, wuchs die Angst vor einer zweiten Welle deutlich. Nach den jüngsten, bislang vorliegenden Zahlen gab es am Dienstag 2677 neu registrierte Corona-Ansteckungen in 24 Stunden, 28 Menschen starben mit oder an der Viruskrankheit. Die Zahl der Toten in Italien übersprang damit die Marke von 36.000. Mehr als 330.000 Menschen infizierten sich bisher mit dem Virus Sars-CoV-2.

Conte wirbt für Italien als Urlaubsziel

Ungeachtet dieser Tatsachen hält der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte sein Land für ein geeignetes Urlaubsziel. „Gerade die angemessen strengen Maßnahmen, die wir soeben beschlossenen haben, zeigen, dass wir im Umgang mit dem Virus nicht nachlässig werden“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (F.A.Z.) auf die Frage, ob Italien für Touristen aus Deutschland ein sicheres Reiseland sei. Einreisende aus Risikogebieten würden an den Flughäfen einem Schnelltest unterzogen, dessen Ergebnis nach 15 Minuten vorliege. Das Interview in Rom führten neben der „F.A.Z.“ auch mehrere internationale Zeitungen.

Conte sagte darüber hinaus, der mitunter als „italienisches Wunder“ bezeichnete Umstand, dass die zweite Welle der Infektionen in seinem Land bisher flacher verlaufen sei als etwa in Spanien oder Frankreich, sei das Ergebnis der „Opferbereitschaft der gesamten Nation“. „In der Erinnerung an die schlimme Frühphase der Pandemie stellen wir uns jetzt im Geist der Verantwortlichkeit und der Vorsicht der aktuellen Phase.“

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Mit dem Ende Juli beschlossenen EU-Wiederaufbauplan im Umfang von 750 Milliarden Euro, von dem Italien und andere stark von der Pandemie betroffene Länder besonders profitieren werden, hätten die 27 EU-Staaten gezeigt, dass man eine Herausforderung wie die Überwindung der Pandemie-Folgen nur gemeinsam bewältigen könne, sagte Conte. Die umfassende Hilfe für Italien sei nicht nur ein „Zeichen konkreter Solidarität“ gewesen, sondern auch „ein großer Vertrauensvorschuss“ für sein Land.

Quelle: dpa