Coronavirus Impfung
Foto: Andreas Arnold/dpa pool/dpa

Abermillionen Menschen würden sich gern sofort gegen Corona impfen lassen. Aber das vorhandene Angebot an Stoffen kann die derzeitige Nachfrage bei weitem nicht befriedigen. Woran liegt das, und wann kommt mehr?

Die weltweite Nachfrage ist riesig, das Angebot klein: Die Auslieferung von Corona-Impfstoffen ist zu einem Geduldspiel geworden. Der Frust wächst, Bürger wie auch Politiker wollen wissen: Warum dauert es so lange, wie können wir an mehr herankommen, an eine Menge mehr – und das so schnell wie möglich?

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„Es ist nicht so (einfach), wie man einer Suppe Wasser hinzufügt“, beschreibt Maria Elena Bottazzi vom texanischen Baylor College of Medicine das Problem. Was sie damit meint: Die Hersteller von Covid-19-Impfstoffen können sich keine Fehler erlauben, bei der komplexen Prozedur muss alles haargenau stimmen – sonst drohen Verzögerungen. Einige Zutaten zu den Vakzinen sind niemals in dem enormen Umfang produziert worden, der jetzt nötig ist.

Auch lässt es sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen, dass andere Fabriken bei der Herstellung, dem Abfüllen und Verpacken von Vakzinen mithelfen, um Engpässe auszugleichen. Dazu bedarf es einer Reihe von Vorbereitungen. „Wir denken, o.k., es ist wie bei Herrenhemden, nicht wahr, ich werde einfach einen anderen Platz haben, um sie herzustellen“, sagt Dr. Paul Offit vom Childrens Hospital in Philadelphia, ein Vakzin-Berater der US-Regierung. „(Aber) es ist schlicht nicht so einfach.“ Das ist die aktuelle Lage rund um die Corona-Impfstoffe:

Verschiedene Impfstoffe, verschiedene Rezepte

Derzeit werden mehrere Arten von Covid-19-Vakzinen in verschiedenen Ländern eingesetzt. Sie alle trainieren den Körper, das Coronavirus zu identifizieren, zumeist das sogenannte Spike-Protein in der Virushülle. Aber sie erfordern unterschiedliche Technologien, Rohmaterialien und Ausrüstung, um das zu erreichen.

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Die Vakzine von Pfizer/BionTech und Moderna etwa basieren auf mRNA (Messenger-Ribonukleinsäure): Dem Menschen werden bestimmte Teile des Coronavirus-Genoms in Form einer Boten-RNA eingespritzt. Dadurch bilden sich im Körper die für das Coronavirus typischen Eiweiße, gegen die der Körper sofort Antikörper bildet. Er produziert also praktisch seinen eigenen Impfstoff.

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Die Herstellung kleiner Mengen von mRNA in einem Forschungslabor sei leicht, „aber niemand hat zuvor eine Milliarde oder 100 Millionen oder auch nur eine Million Dosen von mRNA produziert“, sagt Dr. Drew Weissman von der University of Pennsylvania, der zu den Pionieren der mRNA-Technologie zählt. Mehr zu produzieren bedeutet demnach nicht einfach, die Zutaten zu vervielfältigen, um einen größeren Bottich zu füllen. Das Erzeugen von mRNA involviert eine chemische Reaktion zwischen genetischen Bausteinen und Enzymen, und die Enzyme arbeiten Weissman zufolge in größeren Volumen nicht so wirksam.

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Der unter anderem in Großbritannien verwendete Impfstoff von AstraZeneca basiert auf Grippeviren, die das Spike-Protein-Gen in den Körper schmuggeln. Die Viren werden anhand von Lebendzellen in gigantischen Bioreaktoren gezüchtet und dann herausgezogen. „Wenn die Zellen alt oder müde werden oder anfangen, sich zu verändern, könntest du weniger erhalten“, erläutert Weissman.

Eine Totimpfstoff-Variante mit inaktivierten Coronaviren wie die vom chinesischen Unternehmen Sinovac erfordert Experten zufolge sogar noch mehr Schritte und striktere Biosicherheitsmaßnahmen.

Was ist mit der Versorgungskette?

Die Produktion hängt davon ab, ob es genügend Rohmaterialien gibt. Pfizer und Moderna sagen, dass sie verlässliche Lieferanten hätten. Moderna-Chef Stéphane Bancel räumt Herausforderungen ein. Es würden Schichten rund um die Uhr gefahren, und sollte an irgendeinem Tag ein Rohmaterial fehlen, könne man nicht mit der Produktion beginnen – und das lasse sich nicht wiederaufholen, sagte er kürzlich vor Investoren.

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Pfizer hat vorübergehend Auslieferungen in Europa verlangsamt, um seine Fabrik in Belgien für eine beschleunigte Produktion aufzumöbeln. Und manchmal läuft schlicht weniger vom Band. So teilte AstraZeneca der EU mit, dass es anfangs weniger Dosen als versprochen ausliefern werde. Der Grund: Geringerer Output in einigen europäischen Fabriken. Beim Zusammenbrauen biologischer Zutaten könne es leichter als in anderen Industrien passieren, dass Dinge schiefliefen, sagt Norman Baylor, der früher bei der US-Arzneimittel-Kontrollbehörde FDA für Impfstoffe zuständig war.

Wie viel Corona-Impfstoff ist unterwegs?

Das ist von Land zu Land verschieden. Moderna und Pfizer sind beispielsweise auf Kurs, bis Ende März 100 Millionen Dosen an die USA auszuliefern und weitere 100 Millionen im zweiten Jahresquartal. Und Pfizer zufolge werden zusätzliche Impfungen dadurch möglich sein, dass es medizinischen Fachkräften nunmehr gestattet ist, aus jedem Fläschchen eine Extra-Dosis herauszuquetschen. Aber um statt fünf sechs Dosen zu gewinnen, sind spezielle Injektionsspritzen nötig, und die Versorgung damit rund um den Globus ist unklar.

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Insgesamt will Pfizer seine weltweite Produktion dieses Jahr von zunächst erwarteten 1,3 Milliarden auf zwei Milliarden Dosen erhöhen. Moderna wird nach eigenen Angaben 2021 statt 500 mindestens 600 Millionen Dosen liefern können – und vielleicht sogar bis zu einer Milliarde.

Große Hoffnungen knüpfen sich an einen von Johnson & Johnson entwickelten Impfstoff, der nur eine Dosis erfordert. Abschließende Testdaten werden in Kürze erwartet. Ein Impfstoff der Firma Novavax befindet sich ebenfalls in der letzten Testphase – erste Ergebnisse von Studie in Großbritannien und Südafrika deuten auf eine hohe Wirksamkeit hin, wenngleich sie bei Mutanten offenbar geringer ist.

Andere Optionen

Die Haupterzeuger sind bemüht, „Vertragshersteller“ anzuheuern, die helfen, ihre Vakzine zu produzieren und abzufüllen. So arbeitet Moderna etwa mit dem Schweizer Unternehmen Lonza zusammen. Indiens Serum Institute hat eine Vereinbarung mit AstraZeneca zur Herstellung von einer Milliarde Dosen – ein Lichtblick für Entwicklungsländer.

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Experte Weissman ruft derweil zu Geduld auf. Mit zunehmender Erfahrung werde jeder Impfstoff-Hersteller in der Lage sein, „jeden Monat mehr Vakzine zu produzieren als im Monat davor.“

Quelle: dpa