Diamond Princess Kreuzfahrtschiff
Foto: Kazuhiro Nogi/AFP

Keine Kritik, keine Skandale. Die Kreuzfahrtindustrie hatte jahrelang gut lachen. Durch die Corona-Krise kam auch die Branche in eine Krise. Gibt es ein Comeback?

14 Tage hatte die Kreuzfahrt andauern sollen, für viele wurde es jedoch ein Horrortrip, der einen Monat andauerte. Keiner rechnete mit einer so langen Quarantäne, als die Diamond Princess am 20. Januar mit 2666 Gästen und 1045 Crew-Mitgliedern in Yokohama ablegte.

Das Coronavirus galt damals noch als Problem in China, doch dann kam die Schocknachricht am 4. Februar: Die Seuche ist an Bord, zehn Reisende positiv.

„Das Schiff wird mindestens 14 Tage in Quarantäne bleiben“, erklärte der Kreuzfahrtveranstalter Princess Cruises.

Börsenwerte eingebrochen, Anleger skeptisch

700 Infizierte, zehn Tote: die Diamond Princess wurde zum Hotspot. Die Aktien gingen bei Marktführer Carnival, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line runter. Die Kurse fielen seit Jahresbeginn um 65 bis 75 Prozent gefallen.

Anleger sind Skeptisch, Carnival schrieb im zweiten Quartal einen Verlust von umgerechnet 3,9 Milliarden Euro. Das komplette Geschäft der Branche kam zum Erliegen, hohe Fixkosten sorgen nun für Probleme. Hinzu kratzten die Virusausbrüche an Bord der Diamond Princess und anderer Schiffe, die wochenlang im Meer herumirrten, am Image der sowieso schon umstrittenen Kreuzfahrtbranche.

Krasses Fehlverhalten bei Tourismusriese Carnival?

Ein mögliches Fehlverhalten von Carnival wird nun vom US-Kongressausschuss geprüft. Trotz des Ausbruches starteten auch Wochen nach dem Desaster mit der Diamond Princess noch Fahrten. Weil viele ältere Personen mit den Kreuzfahrschiffen fahren, sind die Gesundheitsrisiken hoch.

Vorwürfe gibt es viele: Steuer- und Umweltsünden, Ausbeutung von Niedriglohnarbeiter oder mangelnde Sicherheit. Hinzu kommt der kritisierte Übertourismus.

Corona-Zahlen in den USA bremsen Zuversicht

Wie geht es jetzt weiter? In Teilen der USA steigen die Infektionszahlen wieder, das hat Pläne eines schrittweisen Neustarts zurückgeworfen. Die pandemiebedingte Pause soll nun bis zum 15. September andauern, teilte die CLIA jüngst mit.

Wegen der „anhaltenden Situation im Zusammenhang mit Covid-19 innerhalb der USA“ sei die Entscheidung getroffen worden, begründete die CLIA, in der alle großen Kreuzfahrt-Anbieter vertreten sind.

Analyst Brandt Montour von der Großbank JPMorgan meint jedoch, dass die Kreuzfahrtindustrie nicht abgeschrieben werden sollte. Die Nachfrage nach Kreuzfahrten sei weiter groß, die US-Kundschaft sei überraschend risikobereit.