Coronavirus Tönnies Protest
Foto: Friso Gentsch/dpa

Der Kreis Gütersloh hat Hinweise, dass Beschäftigte vor Verhängung der Quarantäne für sämtliche Tönnies-Mitarbeiter am Standort Rheda-Wiedenbrück abgereist sind.

„Wir haben vermehrte Mobilität wahrgenommen“, sagte eine Kreissprecherin. Das sei dem Kreis von Bürgern zugetragen worden. „Eine Handhabe, das zu unterbinden, hatten wir zu der Zeit nicht.“ Der Kreis hatte die Quarantäne am Freitag angeordnet. Sie gilt auch für alle Haushaltsangehörigen der Beschäftigten.

Am Standort Rheda-Wiedenbrück, dem größten Schlachtereibetrieb Deutschlands, sind nach Unternehmensangaben rund 6500 Menschen tätig. Rund die Hälfte aller Beschäftigten in der gesamten Tönnies-Unternehmensgruppe arbeiten nach Angaben eines Sprechers über Subunternehmen für Tönnies. Insgesamt seien Menschen aus 87 Nationen für Tönnies tätig. Die mit Abstand größten Gruppen kämen aus Rumänien und Polen. Rund ein Drittel der Beschäftigten mit ausländischer Nationalität lebe mit ihren Familien in Deutschland.

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Nach Angaben der Kreissprecherin hat der Leiter des Krisenstabs, Thomas Kuhlbusch, im Zusammenhang mit den Abreisen bereits Kontakt zu den Botschaften der Herkunftsländer aufgenommen und sie darüber informiert. Einige Botschaften hätten sich auch selbst gemeldet. Botschaftsvertreter nahmen auch an der Sitzung des Krisenstabs am Sonntag in Gütersloh teil. Zuvor hatte die „Bild“ berichtet, dass Arbeiter nach Rumänien und Bulgarien abgereist seien.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik von Tönnies hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zusätzliche Hilfe für den betroffenen Kreis Gütersloh angeboten. Das Land sei über die schon entsandten Kräfte hinaus bereit, „jegliches Personal zu organisieren, das gebraucht wird“, sagte Laschet nach Angaben aus Teilnehmerkreisen am Sonntag bei einem Treffen mit dem Krisenstab in Gütersloh.

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Das Wichtigste sei nun die Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten und die strikte Einhaltung der Quarantäne. Sowohl Gesundheitsbehörden im Land als auch die Polizei würden verstärkt Kräfte bereitstellen.

Laschet dankte im Krisenstab allen Einsatzkräften vor Ort. Alle Beteiligten von Kommunen über Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr bis hin zu medizinischen Diensten leisteten „großartige Arbeit“, um „das in dieser Form bisher einzigartige Infektionsgeschehen“ rund um die Firma Tönnies unter Kontrolle zu halten.

1331 Corona-Infizierte – 5 Beschäftigte auf Intensivstation

Die Zahl der Corona-Infizierten in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück ist auf 1331 gestiegen. Dies teilte der Kreis Gütersloh am Sonntag mit. Die Reihentestungen auf dem Gelände der Firma seien am Samstag abgeschlossen worden, hieß es. Insgesamt 6139 Tests seien gemacht worden, 5899 Befunde lägen bereits vor.

Bei 4568 Beschäftigten konnte demnach das Virus nicht nachgewiesen werden. „Bei den Testungen zeigte sich, dass die Zahl der positiven Befunde außerhalb der Zerlegung deutlich niedriger sind als in diesem Betriebsteil“, hieß es weiter.

In den vier Krankenhäusern im Landkreis werden derzeit 21 Covid-19-Patienten stationär behandelt. Davon liegen 6 Personen auf der Intensivstation, zwei von ihnen müssen beatmet werden. Fünf der sechs sind nach Angaben des Kreises Tönnies-Beschäftigte.

Quelle: dpa