Boris Palmer
Foto: Tom Weller/dpa

Sie würden beiseite gedrängt und teilweise auch diffamiert: Der prominente Grünen-Politiker und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat erneut den Umgang mit Kritikern der einschneidenden Alltagsbeschränkungen in der Corona-Krise beklagt.

Das erinnere ihn an die Flüchtlingskrise 2015, als Debatten über die Einreise Hunderttausender Migranten mit „moralisierender Alternativlosigkeit“ abgewürgt worden seien, sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Und außerdem: „Jetzt sind die Maßnahmen zu hart und kosten zu viele Leben.“

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Palmer hatte jüngst viel Kritik auf sich gezogen, als er in einem Fernsehinterview sagte: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.“

Er erklärte seine Aussage mit der Sorge um armutsbedrohte Kinder vor allem in Entwicklungsländern, deren Leben durch die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns bedroht sei. Am Donnerstag entschuldigte er sich bei Illner dafür. „Ein dummer Satz“, betonte Palmer.

Doch dann legte er nach: „Die Johns-Hopkins-Universität, die weltweit Infektionszahlen sammelt, sagt voraus: Unsere Shutdown-Maßnahmen werden weltweit 1,2 Millionen Kinder das Leben kosten. Das können wir doch nicht einfach hinnehmen.“

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Zu den jüngsten Protesten Tausender Bürger gegen die Corona-Beschränkungen in verschiedenen Städten sagte er, dies sei auch eine Folge der zu kurz gekommenen Diskussion über die Zielgenauigkeit und die Verhältnismäßigkeit der staatlichen Maßnahmen.

Es habe schon eine „Gegenöffentlichkeit“ in der harten Shutdown-Phase gegeben, doch sei diese von den großen Medien überwiegend ignoriert worden.

Quelle: dpa