Bandenkämpfe! Mehr als 60 Tote bei Gefängnisunruhen in Ecuador

Rund acht Stunden lang liefern sich rivalisierende Banden in einem Gefängnis in Ecuador blutige Gefechte – schon wieder. Erst im September waren dort mehr als 100 Menschen bei solchen Kämpfen gestorben.
Mindestens 68 Tote bei erneuten Kämpfen in Gefängnis in Ecuador
Foto: Jose Sanchez/AP/dpa

Neue Bandenkämpfe in einem Gefängnis in Ecuador haben mindestens 68 Insassen das Leben gekostet. 25 weitere seien verletzt worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Laut der Polizei lieferten sich die Häftlinge am Samstag im Gefängnis Litoral in der Stadt Guayaquil rund acht Stunden lang Feuergefechte. Am Nachmittag wurden aus einem Teil des Gefängnisse neue Gefechte gemeldet. Im Internet machten Videos die Runde, auf denen teils verkohlte Leichen am Gefängnisboden zu sehen waren.

Nach Einbruch der Dunkelheit gab Präsidentensprecher Carlos Jijón bekannt, dass die Lage in der gesamten Anstalt unter Kontrolle sei. Dazu seien etwa 900 Polizisten im Einsatz gewesen.

Ende September starben dort schon 119 Menschen

Erst Ende September waren bei Kämpfen zwischen Mitgliedern verschiedener Verbrecherbanden in der gleichen Haftanstalt 119 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Es war damit das vermutlich opferreichste Massaker jemals in einem Gefängnis in Südamerika. Hintergrund sind Revierkämpfe international tätiger Drogenkartelle. Präsident Guillermo Lasso verhängte im Oktober den Ausnahmezustand, um der Polizei im Kampf gegen die Drogenkriminalität mehr Freiheiten zu geben.

Pablo Arosemena, Gouverneur der Provinz Guayas, in der Guayaquil liegt, sagte, einige der Häftlinge hätten versucht, sich in einen anderen Teil des Gefängnisses zu sprengen, um dort ein Massaker zu verüben. Sie hätten auch ihre Matratzen in Brand gesteckt, um ihren Gegnern Luft und Sicht zu nehmen. Polizeichefin Tanya Varela sagte, der Anführer der Häftlinge in dem angegriffenen Gefängnisgebäude sei vergangene Woche entlassen worden.

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Präsident Lasso kritisierte am Samstag, dass das Militär trotz des Ausnahmezustandes nicht in den Gefängnissen für Sicherheit sorgen könne. Das hatte das Verfassungsgericht kürzlich untersagt. Soldaten sind derzeit nur außerhalb des Gefängnisses stationiert.

„Das ist ein Gefängnis und kein Schlachthaus“

„Genug. Wann wird das Morden aufhören? Das ist ein Gefängnis und kein Schlachthaus“, sagte Francisca Chancay, deren Bruder seit acht Monaten dort inhaftiert ist. Gemeinsam mit anderen Angehörigen wartete sie am Samstag vor dem Gefängnis auf Nachricht, ob ihre Familienmitglieder unter den Toten waren.

40.000 Häftlinge sitzen in Ecuadors überfüllten Gefängnissen, 8500 davon im Litoral. Auch im Februar hatte es bei Unruhen in mehreren Gefängnissen 79 Tote gegeben. Insgesamt kamen damit in diesem Jahr schon mehr als 300 Häftlinge ums Leben.

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Gouverneur Arosemena sagte, um der Überfüllung zu begegnen, würden Häftlinge begnadigt oder in andere Anstalten verlegt, manche ausländischen Gefangenen würden in ihre Heimat überstellt. Ecuador werde auch internationale Unterstützung aus Ländern wie Kolumbien, den USA, Israel und Spanien erhalten, um die Lage in den Gefängnissen zu verbessern. Allein die Installierung eines Frachtscanners im Gefängnis von Guayaquil, mit dem das Einschmuggeln von Waffen verhindert werden soll, koste vier Millionen Dollar (3,5 Millionen Euro), sagte Arosemena.

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AP