Foto: Shutterstock/JFs Pic S. Thielemann
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Ein Mann soll seine Arbeitskollegen heimlich vergiftet haben. Nun beginnt der Prozess wegen versuchten Mordes. Doch die ganze Dimension des mutmaßlichen Verbrechens lässt sich nur schwer ermitteln.

Mit Gift auf ihren Pausenbroten soll ein 57-Jähriger einige seiner Kollegen gesundheitlich schwer geschädigt haben. Am Donnerstag beginnt am Landgericht Bielefeld der Prozess gegen ihn. Die Anklage lautet auf versuchten Mord in mehreren Fällen.

Nachdem es einen ersten Verdacht gegen den Mann gab, installierte die Geschäftsleitung des Anlagenbauers im ostwestfälischen Schloß Holte-Stukenbrock in Absprache mit dem Betriebsrat eine Videoüberwachung. Die dokumentierte, was Klaus O. laut Anklage bereits jahrelang immer mal wieder getan hatte.

Er wollte den körperlichen Verfall der Kollegen beobachten

In unbeobachteten Momenten soll er hochgiftige Substanzen auf das Essen von Mitarbeitern des Unternehmens gestreut haben. Die Ermittler werfen dem Deutschen vor, von März 2015 bis Mai 2018 mehrere Menschen vergiftet zu haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ging es ihm darum, seine Kollegen beim körperlichen Verfall zu beobachten. Selbst geäußert hat sich der 57-Jährige zu den Vorwürfen bislang nicht. Sein Motiv ist offen.

Die Polizei hatte gezielt Krankheits- und Todesfälle in dem Unternehmen der vergangenen Jahrzehnte unter die Lupe genommen und 21 Verdachtsfälle gefunden. Einer der kranken Kollegen hat schwere Nierenschäden und ist von der Dialyse abhängig, ein anderer liegt seit Jahren im Koma.

Der Personalchef der Firma bezeichnete Klaus O. nach der Festnahme als „auffällig unauffällig“. 38 Jahre war der Angeklagte bei der Firma. Anfangs sei man von einem schlechten Scherz unter Kollegen ausgegangen, nicht von einem Mordversuch. Einen Zusammenhang zu den Krankheitsfällen habe niemand gesehen.

Bis Januar hat das Landgericht fünf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Zum Auftakt am Donnerstag wird nur die Anklage verlesen.

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(dpa)