Foto: Daniel Karmann/dpa
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Er gilt als Paradiesvogel unter den Metzgermeistern: Seit Jahren stemmt sich Claus Böbel aus Bayern mit schrillen Ideen gegen die Supermarkt-Konkurrenz. Jetzt hat er noch eins drauf gesetzt: Mit einem eigenen Hotel huldigt er der Bratwurst.

Es dürfte der Albtraum eines jeden Vegetariers sein: Schon den Weg zum Hotelzimmer weisen beschriftete blanke Fleischermesser. Im Zimmer selbst empfängt den Gast eine Pop-Art-Tapete mit schrill-bunten Bratwurst-Abbildungen. Und wer sich nach stressiger Anreise auf das Bett fallen lässt, dem dürfte kaum die über dem Bett baumelnde Bratwurst entgehen. Klar, dass auch die Nackenrolle einer Riesen-Bratwurst gleicht.

„Polarisierung ist mein Geschäftsmodell“

„Träumen unter dem Bratwurst-Himmel“ – dazu lädt seit diesem Herbst das wohl erste Bratwursthotel Deutschlands in Georgensgmünd in der Nähe von Nürnberg ein. Eröffnet hat es der fränkische Metzgermeister Claus Böbel. Und dem ist klar, dass sein Haus nicht gerade zur bevorzugten Herberge von Anhängern fleischloser Kost werden dürfte. „Polarisierung ist mein Geschäftsmodell. Entweder die Gäste finden das cool oder sie sagen: „Nie wieder““, stellt der 48-jährige Metzgermeister klar.

Das Hotel mit sieben Zimmern steht direkt neben Böbels hip gestyltem Metzgerladen, den er in dritter Generation führt. In dem Sandsteingebäude im Ortszentrum hatte die Großmutter noch das Dorfgasthaus betrieben. Der Sanierungsbedarf hat den verheirateten Vater zweier erwachsener Töchter schließlich im vergangenen Jahr dazu bewogen, aus dem früheren Gasthof ein Bratwursthotel zu machen. 700.000 Euro hat er in das Gebäude investiert.

Hinter der Marketingstrategie steckt Böbels kühle Einschätzung: Um sich von Supermärkten zu unterscheiden, müsse er „Erlebnisse“ schaffen.

Letztlich geht es um das Überleben der Betriebe: So war im Jahr 2016 die Zahl der selbstständigen Metzgereien in Deutschland nach Zahlen des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV) um 361 zurückgegangen – im Schnitt gab damit fast täglich ein Metzgereibetrieb auf. Insgesamt gab es am Jahresende 2016 bundesweit noch knapp 12.800 Metzgereibetriebe mit mehr als 21.300 Verkaufsstellen. Am stärksten betroffen vom Metzgereiensterben war demnach Bayern.

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(dpa)