Eine weitere Meinung zum Interview mit Angela Merkel

LeFloid - zur falschen Zeit im falschen Format

Eine weitere Meinung zum Interview mit Angela Merkel: LeFloid - zur falschen Zeit im falschen Format Eine weitere Meinung zum Interview mit Angela Merkel: LeFloid - zur falschen Zeit im falschen Format Foto: YouTube/LeFloid

LeFloid traf auf Angela Merkel und es prallten zwei Welten aufeinander. Genau wie beim Echo des Interviews, das die Meinungen spaltet. Die eine Seite der Medien findet, dass es der 27-jährige Psychologie-Student und YouTuber Florian Mundt ganz gut gemacht hat - immerhin sei er kein Journalist. Die andere Seite ist enttäuscht und sieht in seinem Interview keinen kritischen Journalismus. Auch die Meinungen der jungen YouTube-Gucker driften auseinander. Hardcore-Fans himmeln ihr Idol an und bewundern, dass er die mächtigste Frau Europas interviewen durfte. Andere junge Zuschauer sind wiederum enttäuscht, weil er fast allem, was Angela Merkel sagte, zugestimmt hat und nicht näher auf Themen wie Legalisierung von Cannabis oder dem transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP eingegangen ist.

Man muss momentan einfach nur „lefloid“ in der Suche von Google-News eingeben und die Kommentare direkt unter dem Video lesen und bekommt nach wenigen Minuten die gesamte Bandbreite an Meinungen zu lesen – und nun folgt noch eine von unserem Autor Vassilios Katsogridakis:

#NetzFragtMerkel ist vielleicht nicht ein ganz so erfolgreicher Hashtag gewesen wie #ThisIsACoup oder #grexit, aber immerhin hat es der YouTuber LeFloid am Montagabend und Dienstag kurzzeitig geschafft, die Griechenland-Meldungen auf meiner Facebook-Timeline verschwinden zu lassen.

LeFloid und Angela Merkel Die Fragen und Antworten des Interviews 7 Fotos

Ich bin kein großer Fan von LeFloid-Videos und finde die Art und Weise, wie er moderiert nervig. Dennoch bereitet LeFloid seine Inhalte gut und verständlich auf – vor allem für seine junge Zuschauergemeinde, die ihn größtenteils nicht so nervig findet wie ich.

Kein Wunder also, dass die teils hohen Erwartungen meiner Altersgruppe enttäuscht wurden und sich manch älterer Zuschauer wie bei „logo!“ im Kinderkanal KiKA fühlte. Doch für uns wurde die Sendung ja auch nicht gemacht. Sonst hätte nicht LeFloid die Kanzlerin interviewt, sondern ein „ernst zu nehmender“ Journalist. Oder zumindest ein Moderator wie Stefan Raab, der sich 2013 im „Kanzler-Duell“ achtbar geschlagen hat. Raab meisterte den Ausflug ins politische Metier – allerdings ohne sein Medium zu verlassen.

Und genau da liegt das Problem! Denn LeFloid wirkte im Interview mit Angela Merkel, als wäre er zur falschen Zeit am falschen Ort. Bis auf die ersten 16 Sekunden war es kein typisches LeFloid-Video. Schnitte und Setting wirken wie bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern. Es sah so aus, als hätte man das Video eigentlich fürs Fernsehen gedreht. Hier wurde also TV für YouTube gemacht und das wird dann auch mit den gängigen Regeln des Fernsehens bewertet. Das kann so nicht funktionieren… oder doch?

Tipps vom YouTube-Star LeFloid: So wird man im Netz erfolgreich So wird man im Netz erfolgreich Tipps vom YouTube-Star LeFloid: So wird man im Netz erfolgreich "LeFloid" & Co.: Meinungsmacher auf Youtube "LeFloid" & Co. Meinungsmacher auf Youtube Zum Artikel » Deutsche YouTube-Charts: Y-Titty, Gronkh, LeFloid & Co.: Die zehn erfolgreichsten YouTube-Channels Deutsche YouTube-Charts Y-Titty, Gronkh, LeFloid & Co.: Die zehn erfolgreichsten YouTube-Channels Zum Artikel »

Zumindest für die Zielgruppe scheint es funktioniert zu haben und am Ende haben sogar beide „gewonnen“! Angela Merkel, weil sie sich jungen Zuschauern und zukünftigen Wählern eine halbe Stunde lang präsentieren konnte und LeFloid, weil er wohl zum ersten Mal so viele Zuschauer aus einer anderen Altersgruppe hatte. Sein Name tauchte mehr als 24 Stunden lang gefühlt etwa genauso oft in Artikeln etablierter Medien auf, wie der von Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras.

Was ich mir für die Zukunft wünsche: Sollte LeFloid oder ein anderer YouTuber erneut solch einen Ausflug in die politische „Erwachsenenwelt“ wagen, dann sollte er versuchen sich nicht in ein anderes Format pressen zu lassen. Auch wenn die Haupt-Zielgruppe dann erneut bei den 13- bis 19-Jährigen liegen sollte und es auch dann wieder Kritik hageln wird. Was mir am meisten gefehlt hat, war die Echtheit aka realness des ganzen Interviews. Vielleicht war auch LeFloid einfach der falsche YouTuber für solch ein Interview.

Hier geht’s zum Video: