Marlenas Erasmussemester in Tschechien

Pilsen, Prag und die Sache mit dem Bier

Marlenas Erasmussemester in Tschechien: Pilsen, Prag und die Sache mit dem Bier Marlenas Erasmussemester in Tschechien: Pilsen, Prag und die Sache mit dem Bier Foto: Marlena Schönfeld

Im Osten geht die Sonne auf! Unsere Kollegin Marlena hat deshalb kurzerhand Altbier gegen Staropramen getauscht und ist für ein halbes Jahr für ein Auslandssemester nach Prag gezogen. Für TONIGHT.de berichtet sie von dort aus regelmäßig über das Studentenleben und die tschechischen "Eigenarten".

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Die Tschechen und ihr Bier: Fun Fact-Time!

Bier ist so eine Sache, die wir Deutschen ja gerne ganz selbstverständlich für uns beanspruchen. 107 Liter davon trinkt schließlich jeder von uns durchschnittlich im Jahr! Außerdem ist die lokale Bierkultur oft geradezu identitätsstiftend für die zugehörige Region (man denke an die Kölner. Was haben die denn sonst?) und auf das internationale Klischee des fröhlich schunkelnd den Bierkrug hebenden Deutschen sind wir doch irgendwie auch fast ein bisschen stolz.

Experiment in Düsseldorf: Alt und Kölsch schmecken zum Verwechseln ähnlich Experiment in Düsseldorf Alt und Kölsch schmecken zum Verwechseln ähnlich Zum Artikel » Doch in Wahrheit – und das mag zart besaiteten Gemütern jetzt glatt das Radler aus der Hand fegen – gibt es eine Nation, die ihr Bier noch mehr liebt, als wir! Und glücklicherweise habe ich mir eben diese Nation als temporären Wohnort ausgesucht – alles andere wäre schließlich ein Rückschritt gewesen. Stattliche 144 Liter Bier trinkt der Durchschnitts-Tscheche in einem Jahr. Im Vergleich sind wir Deutschen also quasi das europäische Äquivalent zu dem Typen, der einen auf jeder Party auslacht, wenn man zwischendurch mal ein Glas Wasser trinkt, dann aber selbst um 1 Uhr neben das Klo kotzt. Tschechien sitzt auch um 6 Uhr morgens noch an der Theke und trinkt Vodka Shots.

Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils *lol*

Tschechien ist außerdem das Mutterland der weltweit wohl beliebtesten Bierart: dem Pils. Das verdankt seinen Namen nämlich der böhmischen Stadt Pilsen (tschechisch: Plzeň), wo seit ca. 150 Jahren das Pilsner Urquell hergestellt wird. Jedes andere Pils, das du Abend für Abend gedankenlos in dich reinschüttest, ist nichts weiter als ein billiges Imitat dieses gülden glänzenden Originals (aber seien wir ehrlich, schmeckt ja doch alles irgendwie gleich).

Da ich als links-grün versiffter Mensch gerne weiß, woher meine Lebensmittel stammen und wie sie hergestellt werden, habe ich mir Pilsen und die Urquell Brauerei dann auch direkt mal aus der Nähe angeschaut. Nach einer von Prag aus ca. einstündigen Busfahrt stand ich also eines Sonntagmorgens um 9 Uhr vor den Pforten der in gruseligen Nebel getauchten Brauerei und wartete auf meine Tour. Zwischen einem verlassenen Souvenir-Shop, einer im Wind quietschenden Schaukel und ein paar panisch Selfies machenden Asiaten.

IMG_20161016_091237 - image/jpeg Die Pilsner Urquell Brauerei und Marlenas zukünftige Hochzeits-Location.

Pilsen, Prag und die Pivovars

Abgesehen von dieser post-apokalyptischen Atmosphäre und einem äußerst mies gelaunten Guide war die Tour dann aber doch recht interessant. So wird zum Beispiel jedes Pilsner Urquell weltweit in eben dieser Brauerei hergestellt und dann international exportiert. Und heiraten kann man dort auch. Romantisch! Auch abgesehen von der Brauerei ist Pilsen ein sehr süßes Städtchen mit vielen bunten Häusern, netten Cafés und viel Grün. Wer zu Besuch in Prag ist und nicht in der Urquell Brauerei heiraten möchte, kann sich diesen Abstecher allerdings auch sparen.

Denn auch in Prag gibt es an Bier und den zugehörigen Brauereien keinen Mangel. Neben kommerziellen Großbetrieben wie der Staropramen-Brauerei gibt es zahleiche Mikrobrauereien, die an einen Pub oder ein Restaurant angeschlossen sind. Schlaufüchse achten dafür einfach auf ein pivovar im Namen – das bedeutet Brauerei. Dabei solltet ihr euch auf keinen Fall von weinerlichen Tripadvisor-Bewertungen abhalten lassen, die den unfreundlichen Service beklagen. Tschechischer Service ist immer unfreundlich. Dafür kostet der halbe Liter aber auch fast nie mehr als 2 Euro und ihr seid schließlich zum Saufen da, und nicht zum Freunde finden. Darauf ein glücklich gelalltes na zdraví!

IMG_20161016_142307 - image/jpeg Böhmische Szenekids chillen in Pilsen-Downtown.