Die deutsche Nationalmannschaft kann sich berechtigte Hoffnungen auf Platz drei bei der Fußball-WM in Südafrika machen. Der Krake Paul sagte vor TV-Teams aus aller Welt voraus, dass die Löw-Elf gegen Uruguay gewinnt. Sein Weltmeistertipp lautete Spanien.
Am Freitagvormittag hat sich der Krake Paul ungewöhnlich viel Zeit gelassen. Erst nach mehreren Minuten entschied sich das WM-Orakel für den Futterkasten mit der deutschen Flagge, öffnete ihn und verspeiste eine Muschel, die sich darin befand. Die Nationalmannschaft wird seiner Ansicht nach im Spiel um Platz drei gegen Uruguay gewinnen. Immerhin hat Paul bereits bei allen bisherigen Partien dieser WM richtig gelegen.
Nach einer kleinen Verdauungspause orakelte Paul weiter. Beim Final-Tipp war der Tintenfisch deutlich schneller: Seiner Ansicht nach wird Spanien Weltmeister. Bei den anwesenden spanischen Fans brach daraufhin Jubel aus, während sich die Niederländer niedergeschlagen gaben: "Wir glauben an Paul und denken, dass er auch dieses Mal richtig liegt."
Der Spanien-Tipp dürfte Pauls ohnehin immense Popularität auf der iberischen Halbinsel noch weiter steigern. Auf seiner inoffiziellen Facebook-Seite, die offenbar von begeisterten spanischen Fans ins Lebens gerufen wurde, hatte er bereits am Mittag rund 86.000 Fans.
Tintenfisch wird Weltstar
Seitdem Paul bei dem Ausgang des Halbfinales zwischen Deutschland und Spanien richtig gelegen hatte, ist das Medieninteresse sprunghaft angestiegen, wie Pressesprecherin Tanja Munzig bestätigte: "Mit diesem Ansturm haben wir nicht gerechnet. Das sprengt alle Dimensionen." Bei Pauls Orakel quetschten sich über 100 Journalisten auf den geschätzten 20 Quadratmetern vor dem Aquarium im Oberhausener Sea Life. Die deutschen Nachrichtensender "N24" und "n-tv" sowie das spanische Fernsehen RTVE strahlte die Bilder live aus.
Fest steht: Der Oktopus hat es binnen kürzester Zeit auf die Weltbühne geschafft. Bei dem Mikroblogging-Dienst Twitter ist "Pulpo Paul" (spanisch für Tintenfisch) eines der meistgesuchten Wörter. Doch nicht nur die Großen begeistern sich für den Oktopus. Ari Peixoto vom brasilianischen Sender "Globo TV" war bei Pauls Tipp zugegen: "Er ist in Brasilien ein Star. Besonders die Kinder lieben ihn. Vielleicht werden wir uns auch einen Kraken für die WM 2014 anschaffen."
Kein Stress für Paul
Das Orakeln und die neugewonnene Aufmerksamkeit scheint Paul nicht zu schaffen zu machen. "Es macht im Spaß", erklärte seine Pflegerin Maria. "Er ist auf keinen Fall gestresst. Paul schaut sogar neugierig, ob Kameras da sind." Doch Ruhm kann auch süchtig machen: "Ich habe fast den Eindruck, dass er traurig ist, wenn keine Kameras da sind."
Über Besuch mangelnden kann der Krake derzeit aber nicht klagen: Vor dem Sea Life habe sich lange Schlangen mit Grundschulklassen gebildet, die Paul-Gummipuppe im Souvenirladen ist ein Renner.
Deutsche Fans wollen Rache
Trotz der Sympathiewelle gibt es Befürchtungen, deutsche Fans könnten sich an Paul für sein Halbfinal-Orakel rächen. Ganz unberechtigt ist diese Sorge nicht, auch wenn das Sea Life keine konkrete Bedrohungslage sieht. Trotzdem ließ man einen Ordner ein besonderes Augenmerk auf Pauls Aquarium nehmen.
Auf Facebook gibt es neben Gruppen wie "Tintenfisch Paul for President" schließlich auch "Wir machen Calamari aus Tintenfisch Paul" und "Rezept-Ideen für Tintenfisch Paul". Damit lagen diese aber rezepttechnisch daneben. Tintenfischringe werden aus Kalmare gemacht - der aus Großbritannien stammende Paul ist dagegen ein Octopus vulgaris. Allerdings gibt es auch dafür schmackhafte Rezepte.
Asyl-Angebot aus Spanien
Auch im Ausland sorgt man sich um Paul. Alexander Levit von der russischen Sportzeitung "Sovetsky", der ebenfalls zu Pauls letztem WM-Orakel gekommen war, befürchtet das Schlimmste: "Auch in Russland ist Paul ein Star. Allerdings hatten wir in den letzten zwei Tagen Angst um sein Leben. Wir fürchteten, deutsche Fans könnten ihn lynchen." Spanische Fans boten Paul angesichts der Verspeisungspläne sogar Asyl an. "Ich mache mir Sorgen. Ich glaube, ich werde ihm ein Leibwächterteam schicken", sagte der spanische Ministerpräsident Jose Luis Zapatero.
Doch jetzt dürfte es erst einmal ruhig werden um den berühmtesten Tintenfisch der Welt. Immerhin ist Paul mit zweieinhalb Jahren bereits ein Kraken-Methusalem und damit reif fürs Altenteil.
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Quelle: rpo


