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Katastrophe in Duisburg

Loveparade: 19 Tote bei Massenpanik

erstellt am: 25.07.2010

Die große Party führte in eine Katastrophe. Auf der Loveparade sind bei einem Unglück 19 Menschen getötet und über 340 verletzt worden. Bei einer Massenpanik am Tunnel der Karl-Lehr-Straße waren mehrere Besucher über eine Absperrung geklettert und abgestürzt. Im Durchgang selbst gab es ebenfalls Verletzte. Bei der Massenpanik vor dem Gelände der Loveparade in Duisburg sind mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. Das bestätigte die Polizei am Samstag. Darunter seien neun Frauen und sechs Männer, sagte Polizeihauptkommissar Jürgen Kieskemper. Nach seinen Angaben gab es auch eine nicht zu beziffende Zahl von Schwerverletzten. Die Feuerwehr sprach von mehr als 340 Verletzten.

Zu dem exakten Hergang des Unglücks gibt es zwei Versionen, die wahrscheinlich beide zutreffen. Nach Angaben von Stadt und Polizei hat sich die Panik nicht nur in dem Tunnel nahe des alten Güterbahnhofs ereignet. Dort warteten Menschen darauf, auf das Partygelände vorgelassen zu werden. Scheinbar handelte es sich bei dem Tunnel um ein Nadelöhr. Gegen 17 Uhr, als die Abschlusskundgebung beginnen sollte, stieg der Andrang. Im Verlauf der Panik seien "Menschen überrannt" worden, wie ein Polizeisprecher erklärte.

Die Massenpanik ist nach Angaben des städtischen Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe offenbar durch Besucher ausgelöst worden, die sich beim Zugang zum Veranstaltungsgelände vordrängeln wollten. Dabei war eine Gruppe von mehreren Personen im Bereich des Tunnelaufgangs über eine Absperrung geklettert und abgestürzt, wie Rabe auf der Pressekonferenz sagte. Dadurch sei offenbar eine "Kettenreaktion" ausgelöst worden.

Diese Version deckt sich mit dem Bericht einer Augenzeugin. Sie erzählte im "WDR", dass Menschen auf eine Wartungstreppe am Tunneleingang drängten. Von dort aus wollten sie auf das Dach des Durchgangs, wo sich Gleise befinden, um von dort aus auf das Gelände zu gelangen. "Die sind alle zusammen da hoch und dann ist die (Treppe) zusammengebrochen", sagte die Frau.

Einem Augenzeuge zufolge, der im Tunnel selbst war, sind die Menschen im dichten Gedränge nicht mehr vor oder zurück gekommen. Dadurch sollen einige in Panik geraten sein und geschrien haben, was sich dann zu einer Massenpanik ausgewachsen habe. In dem nachfolgenden Gedränge seien dann die Menschen zu Schaden gekommen. Dies berichtete der "WDR" in einer Live-Schaltung von der Veranstaltung.

Ein anderer Beteiligter berichtete dem TV-Sender "n-tv", er sei, obwohl das Gelände schon voll gewesen sei, noch hineingekommen. Dann sei er selbst in den Tunnel geraten, der sich für viele als tödliche Falle erwiesen habe. "Da lagen schon einige Menschen am Boden, andere kletterten die Wände hoch und versuchten, über die Seiten in das Gelände hinein zu kommen. Und die Menschenmenge, die nachrückte, die liefen einfach über die am Boden liegenden drüber. Also eine richtige Massenpanik."

Polizei überfordert

Weiter berichtete der Augenzeuge: "Die Polizei hat versucht, hinein zu gehen in die Menge und die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen." Auch seien zunächst keine Rettungskräfte vor Ort gewesen. Der Augenzeuge sagte: "Hilfskräfte waren erstmal gar nicht vorhanden, vielleicht drei, vier vom Malteser Hilfsdienst. Die konnten aber in der Masse der Menschen auch nichts machen."

Mit Lautsprecherdurchsagen würden die nachfolgenden Besucher aufgefordert, umzukehren, sagte die Polizei. Viele Menschen sind offensichtlich konsterniert und machen sich teilweise auf den Rückweg. Polizeihauptkommissar Jürgen Kieskemper sagte, die Situation sei "sehr chaotisch". "Wir müssen noch aufklären, was da war."

Die Ursache der Panik sei noch unklar, sagte Kieskemper. Inzwischen hat die Polizei einen Krisenstab eingerichtet. Für besorgte Angehörige von Loveparade-Besuchern haben die Behörden unter 0203 / 94000 eine Notrufnummer eingerichtet.

Gelände abgesperrt

Augenzeugen berichteten, die Polizisten hätten Tausende Menschen davon abgehalten, auf das Gelände der Loveparade zu strömen. Viele Besucher seien bei dem Andrang umgekippt. Einige hätten wiederbelebt werden müssen. Rettungskräfte seien kaum durchgekommen. Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, der Verantaltungsort sei wegen Überfüllung geschlossen worden. An der Loveparade nahmen nach Angaben der Organisatoren über den gesamten Tag verteilt 1,4 Millionen Menschen teil. Mitarbeitern der Feuerwehr zufolge waren neun Rettungshubschrauber und dutzende Ambulanzen im Einsatz. Die Einsatzkräfte hätten wegen der Menschenmassen auf den Straßen Probleme, an den Unglücksort zu kommen, sagte ein Feuerwehrmann.

Nach der Massenpanik auf dem Gelände vor der Loveparade hat die Stadt Duisburg die Musikparty zunächst weiterlaufen lassen. Frank Kopatschek, Pressesprecher der Stadt Duisburg, sagte am Samstag, alle Notausgänge seien geöffnet. "Der Krisenstab hat entschieden, die Veranstaltung noch nicht zu beenden, weil im Moment zu viele Menschen auf dem Gelände sind", sagte Kopatschek. Eine weitere Panik müsse verhindert werden. Die Notausgänge des Geländes wurden geöffnet.

Friedlicher Start

Die dritte Loveparade im Ruhrgebiet war am Nachmittag friedlich gestartet. Ab 14.00 Uhr rollten 15 sogenannten Floats über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Ruhrgebietsstadt. Erstmals fuhren die Paradewagen nicht wie in früheren Jahren durch die Innenstadt, sondern auf einem abgesperrten Gelände im Kreis.

Schon zwei Stunden vor dem Startschuss herrschte in der Duisburger Innenstadt am Mittag eine Art Ausnahmezustand, als sich Zehntausende Elektro- und Technofans ihren Weg dorthin bahnten. Die Polizei hatte die Innenstadt weiträumig abgesperrt, um des Ansturms Herr zu werden.

Die Loveparade, die bis 2006 in Berlin stattfand und danach in wechselnden Städten des Ruhrgebiets, steht in diesem Jahr unter dem Motto "The Art of Love" (die Kunst der Liebe). Insgesamt kamen zur Loveparade nach Angaben des Veranstalters 1,4 Millionen Besucher.

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Quelle: rpo

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