Am Tag nach dem tragischen Unglück bei der Loveparade wirken die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz in Duisburg hilflos. Fragen von Journalisten werden gar nicht oder nur teils beantwortet. Immer wieder verweisen die Verantwortlichen auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Duisburg.
12 Uhr im Duisburger Rathaus: Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der Leiter des Krisenstabs Wolfgang Rabe, der Polizeipräsident von Duisburg Detlef von Schmeling und Loveparade-Geschäftsführer Rainer Schaller kommen in den Saal. Es ist die zweite Pressekonferenz zur Loveparade-Tragödie. Kurz zuvor hat es eine Razzia im Rathaus gegeben. Inzwischen gibt es heftige Kritik am Sicherheitskonzept. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen. Bislang sind bei den Behörden zwei Strafanzeigen eingegangen.
Zunächst zeigen sich die Veranstwortlichen bei der Pressekonferenz gefasst. Im Mittelpunkt ihrer Erklärungen stehen Kondolenzbekundungen: Bürgermeister Sauerland brachte seine Erschütterung und sein Mitgefühl zum Ausdruck. "Dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht fassen kann", sagt er.
Die Zahl der Toten ist inzwischen auf 19 angestiegen. "Und wir beklagen 340 Verletzte", sagt Sauerland. Zu der Frage nach den Verantwortlichen bittet der Bürgermeister um Geduld. Er kündigte eine lückenlose Aufklärung der Unglücksursache an. "Wir haben heute morgen den Behörden freiwillig unsere Akten übergeben. Ich bitte um Verständnis, dass ich auch zum Schutze meiner Mitarbeiter nicht mehr sagen kann." Immer wieder werden im Laufe der Pressekonferenz die Verantwortlichen auf die laufenden Ermittlungen verweisen - und schweigen.
Menschen starben nicht im Tunnel
Ausgangspunkt der Tragödie war ein rund 300 Meter langer Tunnel, in dessen Mitte sich ein gepflasterter Aufgang zum Festivalgelände, dem alten Duisburger Güterbahnhof, befindet. Augenzeugen berichteten, dass an dieser Stelle dichtes Gedränge und Geschubse geherrscht habe. Nach Polizeiangaben wollten einige Menschen eine Mauer und Treppe hinaufklettern. Als sie abstürzten, brach laut Polizei Panik aus. Augenzeugen sagten indes, dass niemand abgestürzt sei. Der Tunnel sei vielmehr so voll gewesen, dass Menschen zu Tode getrampelt worden seien. Ein Polizeisprecher dementierte auf der Pressekonferenz am Sonntagmittag in Duisburg all dies.
Neue Erkenntnisse über den Unglücksort wurden bei der Pressekonferenz bekanntgegeben. Anders als bisher vermutet, ist von den getöteten Besuchern keiner im Tunnel zum Veranstaltungsgelände ums Leben gekommen. 14 seien von einer Metalltreppe an der westlichen Seite des Zugangs gestürzt, zwei seien an einer Plakatwand am Aufgang zum Gelände ums Leben gekommen, sagte Schmeling weiter. Drei weitere Menschen erlagen im laufen des Nacht im Krankenhaus ihren Verletzungen.
Polizeipräsident spricht von 105.000 bestätigten Besuchern
Der westliche Tunnel zum Gelände war nach Angaben des stellvertretenden Polizeipräsidenten von Duisburg, Detlef von Schmeling, bis zum Unglück der einzige Zu- und Abgang zur Loveparade. Nach Bekanntwerden der Todesfälle sei der südliche Tunnel geöffnet worden. Die bisher genannte Zahl von 1,4 Millionen Besucher bei der Loveparade konnte Schmeling nicht bestätigen.
"Es wird in den Medien von 1,4 Millionen berichtet. Eine solche Zahl kann ich nicht bestätigen." Die einzige belastbare Zahl sei die Zuführung durch die Bundesbahn. Demnach seien zwischen 9 und 14 Uhr von der Bundesbahn 105.000 Personen zugeführt worden. "Das ist die einzige belastbare Zahl, die wir haben", sagte Schmeling. Der Platz sei zu keinen Zeitpunkt gefüllt, fügte Rabe hinzu.
Nach Angaben des Leiters des Krisenstabs, Wolfgang Rabe, ist das Loveparade-Gelände "sehr groß" und größer als 2008 in Dortmund gewesen. Für die Parade-Wagen und das eigentliche Festgelände hätten 120.000 Quadratmeter zur Verfügung gestanden. Das gesamte Areal sei 200.000 bis 240.000 Quadratmeter groß gewesen.
Kritik am Sicherheitskonzept
Unterdessen wurde heftige Kritik am Sicherheitskonzept laut. Sicherheitskräfte hatten nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft bereits vor der diesjährigen Loveparade massive Vorbehalte geäußert. Polizei-Chef Schmeling wies die Vorwürfe zurück. Teilnehmern sei zu keinem Zeitpunkt der Zugang zum Gelände versperrt gewesen.
Nach Angaben von Schmeling wurden bislang 16 der 19 Toten identifiziert. Alle seien im Alter zwischen knapp über 20 und 40 Jahren. Unter den Opfern seien zudem vier Ausländer. Sie stammen aus den Niederlanden, Italien, Australien und China.
Loveparade-Geschäftsführer Rainer Schaller zeigte sich tief betroffen und sagte: "Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären." Die Loveparade sei immer eine fröhliche und friedliche Veranstaltung gewesen. Sie wäre in Zukunft stets von den tragischen Ereignissen in Duisburg überschattet worden.
Eins könne Schaller am Sonntag mit Bestimmtheit sagen: Nach dem tragischen Unglück bei der Loveparade wird es keine Neuauflage der Veranstaltung geben. "Das bedeutet das Aus der Loveparade."
Mit Agenturmaterial
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Quelle: rpo


