Konzert in der Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf

Alligatoah fährt in Oberbilk auf dem Streitwagen ein

Konzert in der Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf: Alligatoah fährt in Oberbilk auf dem Streitwagen ein Konzert in der Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf: Alligatoah fährt in Oberbilk auf dem Streitwagen ein Foto: Veranstalter
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Tausende Feuerzeuge und Handys bringen die Halle zum Leuchten, dazu erklingen die kitschig-schönen Töne des Titanic-Songs "My Heart Will Go On". Dann setzt der Gesang ein, dramatisch langgezogen, so wie bei Céline Dion. Nur dass es der Rapper Alligatoah ist, der da singt, und das nicht etwa am Bug eines Schiffes, wie in Dions Musikvideo von 1997, sondern auf einem Streitwagen stehend.

Denn als der Vorhang aufgeht, thront der Rapper auf einem solchen Wagen. Er trägt eine goldene Rüstung und in der einen Hand ein Mikrofon, in der anderen eine Peitsche. Seine Begleitmusiker sind als Engel verkleidet und an den Wagen angeleint. "Himmelfahrtskommando" haben sie die Tournee genannt, mit der Alligatoah nun in der Mitsubishi Electric Halle gastierte.

Das ist sein Markenzeichen: das Übertriebene und Überzogene und auch die Provokationen. Seine Texte sind streitbar, bisweilen albern und mitunter pubertär, doch Lukas Strobel, wie Alligatoah mit bürgerlichem Namen heißt, hat eine Marktlücke gefunden: Seine Musik ist eine willkommene Abwechslung zum sonst meist von harten Jungs und Gangster-Rappern dominierten Genre. Seit zehn Jahren macht der 27-Jährige Musik, doch erst 2013 schaffte er den Durchbruch. Sein Album "Triebwerke" erreichte Platz eins der deutschen Charts und wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet, ebenso wie seine aktuelle Veröffentlichung "Musik ist keine Lösung".

Seine Lieder bestehen aus schnellem Rap genauso wie aus eingängigen Refrains mit melodischem Gesang. Mal lässt er es in Oberbilk zur Rockmusik krachen, mal liefert er sich ein Rap-Battle, einen Wettstreit der Reime oder spielt ein Medley mit Songs seiner Band "Trailerpark". Das ist sein zweites, ebenfalls erfolgreiches Standbein.

So oder so: Die Halle tobt. Wortgewandt moderiert er von Lied zu Lied und macht das zweistündige Konzert so zum großen Erlebnis.

Mehr als 7000 Menschen sind zu dem Konzert gekommen, um Alligatoah zu sehen, unterschiedlicher als an diesem Abend können Konzertbesucher nicht sein. Das Publikum besteht vor allem aus Jugendlichen und Mittzwanzigern, doch auch Zuschauer über 40 Jahre sind dabei. Typen, die lange Haare und T-Shirts des Festivals "Rock am Ring" tragen, stehen in der vollen Halle, Jungs mit Schirmmützen und tief hängenden Hosen daneben

Die Zugabe "Willst du" ist sein größter Hit und wird zur Hymne. Im Refrain geht es so weiter: ". . . mit mir Drogen nehmen?"

Quelle: RP