Kraftklub, Major Lazer, Dua Lipa und mehr!

Reingehört: Neue Alben vom 2. Juni 2017

Kraftklub, Major Lazer, Dua Lipa und mehr!: Reingehört: Neue Alben vom 2. Juni 2017 Kraftklub, Major Lazer, Dua Lipa und mehr!: Reingehört: Neue Alben vom 2. Juni 2017 Foto: Cover

Neue Alben braucht das Land: Wir haben für euch querbeet reingehört und verraten euch, was sich für die Beschallung des Trommelfells am besten eignet.

Die letzten Ausgaben von "Reingehört" findet ihr hier:

Reingehört: Neue Alben vom 26. Mai 2017, u.a. mit Marteria und Shakira
Reingehört: Neue Alben vom 19. Mai 2017
, u.a. mit Linkin Park und Snoop Dogg
Reingehört: Neue Alben vom 12. Mai 2017
, u.a. mit Harry Styles und Paramore
Reingehört: Neue Alben vom 5. Mai 2017, u.a. mit Die Toten Hosen und Apecrime

Und das sind die interessantesten Neuerscheinungen am 26. Mai 2017:

Kraftklub - Keine Nacht für Niemand

2014 rockte sich Kraftklub mit "In Schwarz" quer durch die Republik: Titel wie "Unsere Fans" und "Schüsse in die Luft" klingen bis heute nach. Ein Live-Album und drei Jahre später wird es Zeit für "Keine Nacht für Niemand". Laut ihrem Label verneigen sich die Jungs aus Chemnitz darauf vor den musikalischen Helden ihrer Jugend, Bands wie Ol’ Dirty Bastard, den Beatles, Deichkind und den Ärzten. Der Titel vom Album selbst imitiert die Scheibe von "Ton Steine Scherben" namens "Keine Macht für Niemand".

Und wer jetzt denkt "Was 'ne strange Mischung von Vorbildern!", der wird sich auch im neuen Album öfters mal den Kopf kratzen: Der Opener "Band mit dem K" öffnet noch recht klassich für Kraftklub - und positioniert sich als lyrisches Spiegelbild zu "Unsere Fans". Danach geht's quer durch alle Genres: "Leben ruinieren" ist mehr Rap als Rock, "Chemie Chemie Ya" (alias "Schimmi Schimmi jaaa!") süßer Surf-Rock und "Am Ende" geht's mit 'nem derben Synthie zurück in die 80er.

Unsere Highlights: Der aktuelle Radio-Song "Fenster", das textlich mutige Anti-Radio-Lied "Venus" und das wunderbar rockige "Hausverbot". Ihr merkt schon: Da ist viel drin und viel dran an der neuen Kraftklub-Scheibe. Das mag insgesamt nicht ganz so ausgewogen sein wie noch auf dem Vorgängeralbum, erfreut uns aber mit viel kreativer Energie und dem steten Drang nach Vorne. 4 von 5 Sterne leuchten dafür in unserer Nacht. Tolles Teil!

Major Lazer - Know No Better (EP)

Oha, scheinbar hat Major Lazer jemand geflüstert, dass sich spanische Songs in diesem Sommer ganz hervorragend verkaufen lassen - wie auch unsere Sommerhits 2017 bereits zeigen. Da muss also fix ein neues Album her! Passt nicht? Na, dann reicht halt auch eine EP. Verkauft sich eh wie geschnitten Brot!

Doch nicht verzagen und den Ironie-Modus mal beiseite gestellt: Ganze sechs neue Songs finden sich auf "Know No Better", inklusive einem wahren Promi-Arsenal an Features: Bereits den Opener und die neue Single "Know No Better" begleiten Travis Scott, Camila Cabello und Quavo, während sich in den folgenden Tracks unter anderem Sean Paul und J Balvin ("Buscando Huellas") und Annita und Pabllo Vittar ("Sua Cara") austoben dürfen.

Wir würden lügen, wenn wir sagen würden, dass da ein Highlight auf das nächste folgt: Insbesondere "Know No Better" ist arg nach Schema "Lazer" und vorausschaubar wie ein Lineal. "Particula" dagegen ist regelrecht langweilig und einschläfernd - die immer gleiche Mischung aus karibischen Sounds, einer Prise Dancehall und Reggaeton stumpft uns ab. Kennt man, hört man, vergisst man.

Das von J Balvin und Sean Paul getragene "Buscando Huellas" geht da schon 'ne Spur besser ins Ohr: Da lässt man im Sommer den Popo zu wackeln und die Cocktailgläser klirren. Und die letzten drei Songs sind auch nicht von schlechten Eltern: "Jump" ist schnell, laut und treibt diesen Sommer garantiert zig treue Fans zum Ausflippen auf den Dancefloor.

Unser persönliches Highlight: "Sua Cara" lässt dank Anitta die weißen Raphaelo-Kugeln durchs Trommelfell kugeln. Herrlich! Da wundert es uns kaum, dass genau dieser Song auf YouTube gerade steil geht.

Fazit: Großzügige 4 von 5 Sterne mit dickem Minus dahinter.

Dua Lipa - Dua Lipa

Stolze 17 Tracks finden sich auf Dua Lipas selbstbetiteltem Album. Aber wer jetzt denkt "Wow, das ist mal 'ne amtliche Anzahl an Songs", wird leider ebenso schnell enttäuscht: Einen ganzen Haufen davon kennen treue Dua Lipa Fans bereits in und auswendig! Beispielsweise das bereits 2015 veröffentlichte "New Love", ihre erste Single. Da könnt ihr euch bereits ausmalen, dass sich auch viele weitere Hits hier wiederfinden: "Be The One"? Check! "Hotter Than Hell"? Check! "Blow Your Mind (Mwah)"? Check!

Die Anwesenheit dieser - ohne Frage durchaus ansprechenden und tanzbaren - Songs kann man Dua Lipa natürlich kaum vorwerfen: Immerhin ist das hier auch ihr erstes, richtiges Album, abseits vom steten Single-Charts-Stress. Und dass die Stimme der heute 21-jährigen Pop-Queen aus London mit albanischen Eltern ziemlich sexy ist, wollen wir auch nicht abstreiten.

Ihr seht es kommen, wie einen D-Zug: ABER! Leider müssen wir hier ein "aber" schreiben, denn zu viele Songs auf dieser Platte sind ödes Füllmaterial, triviale und weichgekochte Balladen wie etwa "Homesick" oder "Garden", sowie jede Menge Lieder die im Radio vorbeirauschen, ohne dass man sich später an irgendetwas erinnern könnte ("Lost in Your Light"). 

Kurz: Wir hoffen, dass Dua Lipa in Zukunft nicht mehr von ihren Produzenten als Superstar an die Wand genagelt wird und sich als ihr eigener Star selbst verwirklichen kann. Für das erste Album gibt es von uns leider nur 3 von 5 Sterne.

Flogging Molly - Life Is Good

Hach wat schön: Schüttet euch schonmal 'nen Whiskey ein, oder gönnt euch ein tief-schwarzes Guiness, es geht in den nächsten irischen Pub um die Ecke um das neue Album von Flogging Molly zu hören! Und auf das mussten wir lange warten: Stolze sechs Jahre sind seit dem letzten Streich der siebenköpfigen Celtic-Punk-Band aus Los Angeles vergangen, sechs ziemlich traurige Jahre ohne die fantastische Stimme von Dave King.

Und was sollen wir sagen: Die Wartezeit hat sich gelohnt! "Life Is Good" ist herrliche Gute-Laune-Musik, etwas, was wir in der heutigen Zeit gerne mal vermissen. Grundsätzlich gilt hier übrigens immer weniger Punk, immer mehr Folk. Aber das passt schon - die guten Herren werden auch nicht jünger. Dafür gefallen uns die Ska-Einflüsse in "Welcome To Adamstown" umso besser - und "Reptiles" ist einfach eine 1A-Hymne, die wir gerne über die nächsten Jahren in jedem Irish Pub der Welt zum Mond (oder war's doch nur die Deckenlampe auf dem Klo?) heulen werden.

Kurz: Ganz großes Kino für alle grünen Kobolde da draußen! 5 von 5 Sterne!

Bonaparte - The Return of Stravinsky Wellington

Mal traurig ("Melody X"), mal beschwingt groovy ("White Noize"), aber immer mit cleveren Lyrics unterlegt und von der großartigen, schrägen Stimme des Schweizer Songwriters und Produzenten Tobias Jundt geleitet: "The Return of Stravinsky Wellington" ist ein tolles, nein, ein bewundernswertes Album geworden.

2008 hatte Bonaparte seinen wohl größten Hit namens "Anti, Anti", ein rockiges Stück gegen das Establishment. Mittlerweile ist Bonaparte etwas entspannter geworden, anstelle von düsteren Clubs kann man die neuen Stücke nun durchaus auch abends auf der Gartenterrasse hören, während auf dem Grill das Fleisch brutzelt.

Anteil an diesem lockeren Ansatz dürfte auch die Familie von Jundt gehabt haben: Zusammen mit seiner Frau entstand das Stück "Fuck Your Accent" (ja, ja, die armen Schweizer ^^), seine süße Tochter spendet ihre Stimme dem letzten Stück "High Five In Your Face" und sogar seine verdammten Katzen kommen nicht umher als lustiger Sound-Effekt in "Hey (Is For Horses)" aufzu-"miauen".

Kurz: Großartige, kreative und spaßige Songs, die ihr euch durchaus mal geben solltet. 4 von 5 Sterne mit dickem Plus dahinter! Starkes Teil!

Roger Waters - Is This The Life We Really Want?

Lange hat man nichts von Pink Floyd Frontmann Roger Waters, heute 73 Jahre alt, gehört. 25 Jahre, um genau zu sein. Mittlerweile scheint dem Guten die politische Situation in den USA aber so sehr auf den Senkel zu gehen, dass er nicht anders kann, als erneut zum Mikro zu Greifen. 

"Is This The Life We Really Want?" ist demnach weniger kalkuliertes Comeback, als musikalisch-lyrischer Aufstand - allen voran natürlich gegen Donald Trump, den er erst kürzlich in einem Interview einen "Vollidioten" nannte. Während der 12 Songs wettert Waters gegen Idiotie, gefährliche Arroganz und falsch geleiteten Nationalismus, kurzum das "System Trump".

Dass dabei immer wieder eine gehörige Prise "Pink Floyd" aufkommt, nehmen wir mit einem wohligen Grinsen im Gesicht und freudig aufgestellten Härchen im Trommelfell wahr: Bereits das Intro "When We Were Young" beginnt mit dem Ticken einer Uhr, den düsteren Worten von Waters und einer genuschelten Diskussionsrunde im Hintergrund - bis zum ersten Akkord, der sich leise über das Ticken der Uhr legt. "If I Were God..." fängt es an - Gänsehaut! "Déja Vu" ist ein großartiges Stück geworden!

Und damit ist noch lange nicht Schluss! Egal ob "The Last Refugee", das herrlich zerschrobene und teils komplett verrückte "Bird In A Gale", das epische und ziemlich 80s-mäßige "Picture That" - Roger Waters liefert voll ab! 5 von 5 Sterne!

Dan Auerbach – Waiting on a Song

Who The F*ck Is Dan Auerbach? Wir müssen uns regelrecht schämen, aber am Namen haben wir den Kopf der Black Keys tatsächlich nicht erkannt - wohl aber an seiner Stimme, welche sofort durch Mark und Bein geht.

Ihr solltet jedoch nicht den Fehler machen in diesem Solo-Album etwas im Stil der Black Keys zu erwarten: Auerbach liefert zehn ziemlich erwachsene und schnörkellose Songs ab, irgendwo zwischen Country, Streicher-Surfer-Pop-Songs ("Malibu Man") und einer gar nicht mal allzu kleinen Prise "Glam".

Fest steht: Beinahe jeder der Songs sitzt perfekt! Und das muss uns nicht wirklich wundern, schließlich arbeitete Auerbach inmitten von Nashville mit Größen wie Pat McLaughlin, John Prine, Jerry Douglas, Duane Eddy, Gene Chrisman und Bobby Wood (The Memphis Boys) zusammen an der Scheibe. Großes Kino im kleinen Format, sozusagen. Und 32 Minuten, welche sich sowohl am Strand, als auch beim Chillen im Garten immer wieder hervorragend rauf- und runternudeln lassen. 4 von 5 Sterne!

Halsey - Hopeless Fountain Kingdom

Süße 22 Jährchen hat die amerikanische Pop-Sängerin Ashley Nicolette Frangipane, alias "Halsey", jetzt auf dem Tacho: Und wenn es so weitergeht, werden wir in Zukunft noch einiges von ihr hören dürfen! Bereits ihr erstes Album "Badlands" ging 2015 durch die Decke, zusammen mit den "Chainsmokers" wurde sie mit dem Titel "Closer" weltberühmt.

Jetzt steht mit "Hopeless Fountain Kingdom" Album Numero Zwo auf dem Plan, eine wunderbare Aneinanderreihung meist düsterer, mal nachdenklicher, teils epischer Synthie-Pop-Songs. Und als großer "Romeo und Julia"-Fan - ja, sie hat sich den Satz "These violent delights have violent ends" auf den Arm tätowieren lassen - startet sie ihren lyrischen Sci-Fi-Romance-Ausflug gleich mal mit dem Prolog aus der wohl populärsten Shakespear-Geschichte.

Was folgt sind knapp 45 Minuten zwischen Sci-Fi, coolen Beats und interessanten Features, etwa von Quavo ("Lie"), Lauren Jauregui ("Strangers") und Cashmere Cat ("Hopeless"). Da zücken wir liebend gerne 4 von 5 Sterne!

Bleachers - Gone Now 

Mittlerweile schwirren da draußen so viele 80s Synthies durch die Gegend, dass man glatt glauben könnte einen Zauberwürfel gefuttert zu haben. Auch auf "Gone Now" findet ihr eine gehörige Prise 80s, hier aber im großen Stil und durchaus hörenswert aufbereitet.

Das zweite Album von Jack Antonoffs Solo-Projekt wurde stark vom Tod seiner eigenen Schwester durch einen Gehirntumor beeinflusst und wird von einigen charmanten Gast-Auftritten begleitet, darunter Sam Dew, Carly Rae Jepsen, Lorde und Julia Michaels.

Dabei herausgekommen sind einige wirklich starke Tracks, wie beispielsweise "Don't Take The Money", das fast "Boyband"-mäßige "Hate That You Know Me", das süße "Let's Get Married" und das fantastische "I Miss Those Days". Wer auch nur eine Spur auf den Stil und Style der 80er steht, sollte hier ganz dringend mal probelauschen! 4 von 5 Sterne!

Marnie - Strange Words and Weird Wars 

Eine Prise Synth-Pop, eine dicke Schippe Elektro, fein abgeschmeckt mit 10 Litern New Wave, fertig sind die "Strange Words and Weird Wars" von Helen Marnie, der süßen, aus Schottland stammenden Sängerin der Electro-Band "Ladytron". Nach "Crystal World" aus dem Jahr 2013 ist dies nun ihr zweites Solo-Album - und auf diesem zeigt sie, dass sie den Begriff "Pop" lange nicht mehr als Schimpfwort auffasst. Nach ihr waren auch "Prince" und "David Bowie" in ihrem Herzen Pop.

Es sind Aussagen wie diese, welche sich auch in den Songs ihres neuen Albums wiederspiegeln. Immer selbstsicher, auch mal mit dem Mut zu düsteren Texten ("A Girl Walks Home Alone at Night") und garniert mit ihrer tollen Stimme. Das hätte so auch ganz hervorragend als alternativer Soundtrack zur Netflix-Serie "Stranger Things" gepasst. Kann man sich durchaus mal geben! Unsere Highlights: "Electric Youth" und "Bloom". 3 von 5 Sterne!