Rudelgucken EM 2016

Public Viewing kann ganz schön anstrengend sein

Rudelgucken EM 2016: Public Viewing kann ganz schön anstrengend sein Rudelgucken EM 2016: Public Viewing kann ganz schön anstrengend sein Foto: Tonight.de/Jessy

Früher war EM so schön. Eine gemütliche Couch, eine liebevoll drapierte Snack-Box, ein Kühlschrankfach voll mit günstigem Supermarkt-Bier und ein sorgfältig ausgewählter Kreis an Freunden. So wurden Fußballspiele fröhlich am heimischen Fernseher verfolgt, dabei ein wenig geschwatzt und bei Toren glücklich applaudiert. Und dann wurde das Public Viewing erfunden...

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Auf geht’s, Deutschland…

Ein Tor ist gefallen, daran kann man sich noch erinnern. Dann wurde plötzlich alles dunkel. Ein fetter Typ im Deutschland-Trikot springt einem wieder und wieder auf den Fuß, während man von hinten mit einer hölzernen Fahnenstange verprügelt wird. Wie benommen schaut man sich um, auf der Suche nach bekannten Gesichtern oder auch nur einem Stück Himmel, doch alles was man in dem bunten Strudel erkennen kann, sind die verklebten Achselhaare des Fußspringers, die vor lauter Aufregung ganz frech aus dem Ärmelchen hervorgekrochen sind.

Auf der Stirn spürt man etwas Feuchtes. Ist das Schweiß? Oder Bier? Vogelkacke? Mayo? Ein Stück halb zerkaute Salzstange? Man weiß es nicht und bevor man dazu kommt, sich mit zitternden Händen an die Stirn zu fassen und den Ursprung des Schmodders zu ermitteln, spürt man hinter sich eine Bierbank umfallen, den auf ihr hockenden Junggesellenabschied weitläufig auf dem Boden verteilend.

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…schießt ein Tor?

Dabei hatte alles so schön angefangen! Nur eine halbe Stunde hatte es gedauert, einen Platz zu finden, an dem man bequem stehen UND sogar ab und zu einen Blick auf die Leinwand erhaschen konnte. Am Bierstand hatte man zuvor noch schnell ein leckeres warmes Bier zum fairen Preis von 5,30€ erworben und auch der Toilettengang lief einfach wie am Schnürchen: In der 20. Minute losgelaufen und passend zur zweiten Halbzeit zurückgekehrt, das ist doch mal ein Timing!

Doch mit der Zeit werden die Sitten merklich rauer. Das freundliche Flaggenschwingen des Halbstarken hinter einem verwandelt sich zunehmend in ein unkoordiniertes Fuchteln und der wohlige Geruch nach warmem Bier wird langsam aber sicher zu einem Geruch nach warmem Bier, Pisse und Schweiß. Und dann passiert es. Das Tor für Deutschland. Die Schlacht beginnt. Ein Meer aus Fahnen und Armen, man selbst mittendrin, halt Action pur - ob man will oder nicht ;-).

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