Fremdschämen leicht gemacht

So herrlich peinlich kann Facebook sein

Fremdschämen leicht gemacht: So herrlich peinlich kann Facebook sein Fremdschämen leicht gemacht: So herrlich peinlich kann Facebook sein Foto: Shutterstock

Facebook ist gefährlich und das Internet vergisst nie – das wird heutzutage schon Grundschülern im Rahmen der medialen Früherziehung vermittelt. Und das ist auch vernünftig, denn was passiert, wenn man erwachsene Leute unvorbereitet auf soziale Netzwerke loslässt, kann man Tag für Tag auf der eigenen Timeline erleben. Da wird gepostet, geteilt und kommentiert – und dass von Mutters Nachbar über den eigenen Chef bis hin zu irgendwelchen flüchtigen Bekanntschaften aus vergangenen Zeiten (also uns anderen) jeder die eigenen geistigen Ergüsse mitlesen kann, wird dabei gepflegt außer Acht gelassen.

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Zugegeben, auch wir haben das mit Facebook am Anfang alles noch nicht so richtig verstanden und wenn wir jetzt alle mal ganz weit in unserer Timeline zurückscrollen, wird wohl uns allen ab und zu die Schamesröte ins Gesicht steigen (ich zum Beispiel habe laut Facebook am 21. Oktober 2010 das Sat1 Quiznight-Rätsel nicht herausbekommen, was mich scheinbar in eine derartige innere Unruhe versetzt hat, dass ich dieses Versagen meiner kompletten Facebook-Freundeschar (die damals vermutlich 6 Personen umfasste) mitteilen musste. Der Post erhielt 0 Likes. Wahrscheinlich zu Recht. Die meisten von uns haben allerdings aus ihren Fehlern gelernt und inzwischen verstanden, dass Facebook weder unser Tagebuch ist, noch ein Medium, um öffentliche "Brieffreundschaften" zu pflegen. Manche aber auch nicht. Und so entstehen dann Perlen, wie diese:

"Teile das, wenn du deine Schwester liebst. 99 Prozent trauen sich nicht!!11"

Dass das mit den Kettenbriefen irgendwie alles nicht so ganz koscher sein kann, habe ich schon in der dritten Klasse geahnt, als mein Schwarm mich trotz Weitergabe des Briefes an sechs meiner Freundinnen nicht bei Vollmond angerufen hat. Andere sind da scheinbar weniger schlau gewesen und teilen auch in ihren Dreißigern noch munter mit süßen Teddys bebilderte Liebesbekundungen an ihre Familienmitglieder in Comic Sans. Ich mag meine Schwester auch, aber ich gehöre leider zu den 99 Prozent, die sich nicht trauen. Sorry, Elisa!

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"Wie manche Leute einen verletzten und es ihnen total egal ist… -.-"

Deine Freundin hat sich das gleiche Oberteil gekauft wie du, ohne dich vorher zu fragen? Wie wärs mit einem passiv-aggressiven und dennoch geheimnisvoll-dramatischen Facebook-Post? So wird sich dein Konflikt zwar nicht lösen, aber wenn du Glück hast, kommentieren deine WAHREN Freunde (also die, die sich ihre eigenen Sachen kaufen) den Status mit besorgten Nachfragen und mitleidiger Zustimmung („was denn los süße? :/“) und du kannst noch ein bisschen mehr Drama machen („ist was persönliches, sry…“). Und wir können das alles mitlesen und vor lauter Fremdschämen wohlig schaudern.

 

"Schatz, der Abend mit dir war wunderschön!!! Ich liebe dich mein Engel, bist mein 1&alles :**** <33333"

Desto vehementer eine Beziehung bei Facebook zur Schau gestellt wird, desto kurzlebiger ist sie normalerweise. Die Pärchen, die sich gegenseitig kleine Liebesbotschaften in die Chronik posten, kann man deswegen eigentlich schon zur bevorstehenden Trennung beglückwünschen. Oder man lässt es und liest händereibend mit, wie es mit der Liebe nach und nach den Bach runtergeht.

"trinkt: viel zu viel Alkohol hier: Kathas Partykeller"

Feiern macht Spaß und im Überschwang der Gefühle kommt einem die Party manchmal legendärer vor, als sie wirklich ist. Dass das verschwommene Foto vom mit Korn-, Bier- und Fantaflaschen übersäten Vorglüh-Küchentisch in Eiche Rustikal eher nach traurigen Schnapsleichen als nach lustigen Partymäusen aussieht, fällt einem dann oft erst am nächsten Morgen auf. Oder gar nicht. In dem Fall hat der Chef dann besser kein Facebook. Oder war selbst mit dabei.

 

"mit Mimi McMaunz hier: auf der Couch :)"

Ich lege mich hiermit offiziell fest: Ein Profil für sein Haustier anzulegen und zu pflegen ist das Peinlichste, was man bei Facebook tun kann. Dieses Haustier dann auch noch in die eigenen Statusupdates zu integrieren und – schlimmer noch – andersherum, setzt dem Ganzen dann endgültig die Krone auf und die von geretteten Straßenkatzen vollgeschissene Messi-Wohnung ist nur noch einen Wimpernschlag entfernt. Also seid vorsichtig und nehmt die Freundschaftsanfrage von Mimi McMaunz auf keinen Fall an!! Es gibt Dinge, in die will man nicht hineingezogen werden.

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