Vom Megatrend zum Massenmainstream

Auf der Suche nach dem Hipster

Vom Megatrend zum Massenmainstream: Auf der Suche nach dem Hipster Vom Megatrend zum Massenmainstream: Auf der Suche nach dem Hipster Foto: Shutterstock

Der Hipster war bisher wohl einer der größten Trends unseres Jahrzehnts. Angefangen als provokanter Titel einer Art urbanen Subkultur hat er sich mit der Zeit zu einer abfälligen Floskel für vermeintlich alternative Mainstream-Blogger entwickelt. Inzwischen ist der Hipster das kulturanthropologische Äquivalent zum Hugo (die Holunder-Plörre, ihr erinnert euch): Ausgelutscht, abgedroschen und total 2012. Wie es dazu kommen konnte, was danach kommt und ob der Hipster doch noch eine Chance hat, lest ihr hier.

hipster platzhalter paar - image/jpeg

"Undercut und Jutebeutel, ich trinke Club-Mate oder gibt’s den Cafe Latte auch mit Sojamilch?" – Kraftklub (2012)

Hipster. Vor ein paar Jahren war das das Wort, das man benutzte, wenn man über unangepasste, junge, kreative Menschen sprach, die so innovative Dinge taten, wie vegane Foodblogs schreiben, Secondhand-Klamotten "upcyceln" und sich Dreiecke auf die Unterarme tätowieren lassen. In dem Begriff steckte ein Hauch Abfälligkeit über die faule "Generation Y", die lieber Filmwissenschaft studiert, als den väterlichen Schlosserbetrieb zu übernehmen, ein gewisses Kopfschütteln über so viel schöngeistige Naivität, aber auch eine gewisse Bewunderung der Unangepasstheit und des Innovationsgeistes dieser ungewöhnlichen, bärtigen Mittzwanziger.

Inzwischen sind Bärte überall, riesige Hornbrillen gibt es als Fensterglas-Version bei Primark zu kaufen und Dreicks-Tattoos zum Aufkleben in Kaugummis. Vegane Restaurants vermehren sich geradezu Bubbletea-esk und wer lieber zuhause kocht, kann sich seine glutenfreien Foodblog-Produkte mittlerweile in jedem Aldi kaufen. Der Hipster ist zu einer leeren Worthülse verkommen, weil das, was ihn früher ausgemacht hat, heute einfach nur noch stinknormale Mainstream-Trends sind. Das Wort an sich wird, wenn überhaupt, nur noch ironisch oder von öffentlich-rechtlichen Altherrensendern verwendet, die wieder versuchen, hip und jugendlich zu sein. Und dass Smoothies eigentlich gar nicht so wahnsinnig gesund sind, sollte sich ja auch rumgesprochen haben.

Veggie-Time: 10 Fakten über den vegetarischen Lifestyle Veggie-Time 10 Fakten über den vegetarischen Lifestyle Zum Artikel »

Nach dem Hipster ist vor dem Yuccie

Aber gibt es die Leute nicht immer noch? Die Visionäre, die Vorreiter, die Innovateure? Die Nachhaltigkeitsfetischisten, die haufenweise Start-Ups gründen, ihren eigenen Gin destillieren und zwischendurch einfach mal zwei Wochen durch Bali backpacken, um die richtige Work-Life-Balance zu halten? Natürlich gibt es die! Und glücklicherweise hat ein besonders Spitzfindiger von ihnen auch gleich ein passendes neues Wort erfunden: Den Yuccie (Young Urban Creative).

Modische Schätze und coole Outfits: Die besten Secondhand-Shops in Düsseldorf Modische Schätze und coole Outfits Die besten Secondhand-Shops in Düsseldorf Zum Artikel »

Der Yuccie ist quasi der erwachsene, gut situierte Bruder des Hipsters. Statt Flohmarkt-Hosen trägt er Acne-Jeans, die genauso aussehen, aber 12 Mal so viel kosten und statt Vollbart trägt er einen "ironischen Schnurrbart" (was auch immer das heißen mag). Während der Hipster eher der Mediendesign-Student war, der mittwochabends auf Indie-Partys seinen Jutebeutel geschwungen und das Bafög in Vodka-Mate investiert hat, macht der Yuccie als Communications Manager in einer Kreativagentur jede Menge Kohle, die er dann für personalisierten Gourmet-Gin und minimalistische Beton-Möbel in seinem Kreuzberger Loft ausgibt.

Es lebe das Klischee

Was die beiden verbindet sind die Klischees, aus denen sie konstruiert sind. Man könnte also sagen: Der Hipster an sich, wer auch immer er sein mag, ist mit Sicherheit noch am Leben und mümmelt seine Süßkartoffelfritten - der Begriff als Beschreibung einer Kultur allerdings liegt schon seit geraumer Zeit im Sterben und sollte endlich begraben werden. Und der Yuccie vielleicht einfach gleich mit. Dann können wir nämlich vielleicht endlich aufhören, alles und jeden andauernd kategorisieren und eine ganze Generation unter einen einzigen Begriff stellen zu wollen und stattdessen auf unsere Vielfalt anstoßen – ob mit Mate, Tanquery 10 oder Capri Sonne - das darf dann auch gerne jeder selbst entscheiden!