"Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"

Wer sind diese Leute, die kein Dschungelcamp gucken?

"Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!": Wer sind diese Leute, die kein Dschungelcamp gucken? "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!": Wer sind diese Leute, die kein Dschungelcamp gucken? Foto: Pablo Garcia Saldaña
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Bis zu acht Millionen Zuschauer schalten jeden Tag das Dschungelcamp ein. Doch es gibt auch Menschen, die mit der C-Promi-Versuchsanordnung nichts anfangen können – eine Typologie.

Der Moralische

Er ist durch ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Privatfernsehen geprägt. Deshalb hält er es grundsätzlich für falsch, dass Menschen zum Zwecke der Unterhaltung im Fernsehen vorgeführt werden. Auch dann, wenn es keine denkbeschränkten Singles sind, die noch bei der Mutti wohnen, sondern Prominente, die wissen, worauf sie sich einlassen, und auch noch angemessen dafür entschädigt werden. Für den Moralischen ist das Dschungelcamp das Guantanamo des Unterhaltungsfernsehens.

Was er stattdessen macht Mit Freunden einen veganen Wein trinken

Der Herzlose

Er zeichnet sich gegenüber seinen Mitmenschen nicht gerade durch Empathie aus. Besonders wenig Mitgefühl hat er für abgehalfterte Prominente im australischen Dschungel. Ihm geht es an sämtlichen Körperteilen vorbei, dass Jenny Elvers sich mit beißenden Krabben plagt. Dass Menderes sein Innerstes nach außen kehrt und dann am nächsten Tag noch einen drauflegt. Dass Sophia Wollersheim das Selbstbewusstsein gefehlt hat, um sich nicht die Brüste machen zu lassen. Langweilig! Geschieht denen doch recht! Wir haben alle unser Päckchen zu tragen!

Was er stattdessen macht Nach einer Rambo-Wiederholung suchen

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Der Ironiefreie

Dieser Mensch hat einfach Pech gehabt. Ironie ist ein Verständnis von Humor, das man sich nicht antrainieren kann wie Schwimmen oder Fahrradfahren. Man entwickelt es in seiner Jugend oder eben nicht - ganz unabhängig von Intelligenz und Bildung. Der Graben zwischen denen, die Ironie verstehen, und denen, die es nicht tun, ist der größte, den die Schöpfung gezogen hat. Und wer auf der falschen Seite steht, an dem geht eben völlig vorbei, dass sich das Dschungelcamp auch auf der Meta-Ebene abspielt, dass das Dschungelcamp auch Witze übers Dschungelcamp macht. Dass sich dieses Format nur bedingt ernst nimmt.

Was er stattdessen macht Herzlich über den Gag im Uli-Stein-Kalender lachen

Der Anspruchsvolle

Dieser erfolgreiche Arzt, Innenarchitekt oder Kunsthändler sieht das Dschungelcamp als Teil des staatlichen Konzepts "Brot & Spiele für den Pöbel”. Den Fernseher schaltet er ohnehin nur noch ein, um die Tagesschau zu gucken oder die Theateraufführung bei 3sat. RTL hat er auf 89 programmiert. Oder doch 117? Jedenfalls würde er sich eher jeden Zehnagel einzeln ziehen, als nur zwei Minuten Kakerlaken zu gucken. Sollte es jemand aus seinem Umfeld tun, beendet er sofort die Freundschaft.

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Der Relevanz-Vermisser

Für ihn ist es ein Unding, dass andere in Zeiten der Flüchtlingskrise so einen Trash gucken. Wenn da zwölf irrelevante Würstchen im Dschungel hocken, dann begreift er einfach nicht, welchen Sinn es hat, sich das anzuschauen. Schließlich gilt es, die Welt zu retten. Das Recht auf Zerstreuung spricht er nicht nur sich, sondern auch seinen Mitmenschen ab. Dass es aber auch helfen kann, nicht ständig die Schwerheit der Welt zu spüren, wird er nie einsehen.

Was er stattdessen macht Den Politik-Teil der "Zeit" lesen

Der Unterbegabte

Er ist der einzige Vertreter der Nicht-Gucker, dessen Ablehnung auf einem Mangel an geistigen Fähigkeiten beruht. Der Unterbegabte hält das Dschungelcamp für genauso niveaulos wie den "Bachelor” und "Schwiegertochter gesucht”, aber nur, weil er nicht in der Lage ist, die Unterschiede zu erkennen (witzige Autoren, Doppelbödigkeit, Liebe zum eigenen Format). Meist schreibt er Niveau sowieso "niewo”. Oder wie Dschungelcamp-Autor Micky Beisenherz kürzlich feststellte: "Es sind vor allem Menschen wie ,teleharry', ,Karottenkopf' oder ,Aloha Nacktbar', die unser Niveau bitter im Internet kritisieren." Stößt er bei Facebook auf einen Artikel zum Dschungelcamp, postet er bevorzugt das Bild von einem Sack Reis. Witzig.

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Quelle: RP