Willkommen zurück am Urin-Buffet

Das Dschungelcamp 2017 geht in die erste Runde

Willkommen zurück am Urin-Buffet: Das Dschungelcamp 2017 geht in die erste Runde Willkommen zurück am Urin-Buffet: Das Dschungelcamp 2017 geht in die erste Runde Foto: Pablo Garcia Saldaña

Willkommen im Dschungel! Drei Monate nach der Trennung der Lombardis gibt es nun endlich wieder ein neues Thema, mit dessen Nichtverfolgung sich intellektuelle Kommentarspalten-Poeten in den nächsten Wochen rühmen können. Am Freitagabend startete bei RTL die elfte Staffel „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ und lockte wieder Millionen Zuschauer NICHT vor den Fernseher. Uns zum Beispiel. Wir lesen lieber ein gutes Buch!!!1

Brüste, Botox und ein RTL-Tattoo für Mallorca-Jens: Der große Kandidatencheck für das Dschungelcamp 2017 Brüste, Botox und ein RTL-Tattoo für Mallorca-Jens Der große Kandidatencheck für das Dschungelcamp 2017 Zum Artikel »

Und munter dreht sich das Trash-Karussell

Aber selbst wenn wir eingeschaltet hätten, ganz ironisch natürlich, wären wir unter Umständen ein bisschen enttäuscht worden. Denn was in diesem Jahr im australischen Dschungel an Kandidaten zusammengepfercht worden ist, ist möglicherweise wirklich noch ein kleines bisschen trauriger als sonst. Das liegt vielleicht daran, dass ganze sieben der zwölf Kandidaten keinerlei „Karriere“ vorzuweisen haben, die über das hartnäckige Festklammern am RTL-Trash-Karussell hinausgeht. Die vergnüglichen Momente des „Achja stimmt, was macht der denn eigentlich jetzt?“, die die Auftaktsendung des Camps sonst bestimmt haben, fallen damit einfach weg. Denn wir wissen ja was die machen. Und wenn nicht, gucken wir einfach nochmal schnell bei Instagram nach. Oder bei xHamster. Je nachdem.

So eine Fülle an faktischer Nicht-Prominenz sorgt bei den Kandidaten natürlich schnell für ein eher zweifelhaftes Bewusstsein für die eigenen Qualitäten. Für einen absoluten Brüller sorgte zum Beispiel das Aufeinandertreffen von Botox-Boy Florian Wess (der übrigens nicht mehr Botox-Boy genannt werden möchte, weil er schließlich auch selbstgestrickte Socken von seiner Oma trägt – ein Zusammenhang der sich einem wohl erst nach einem Schuss Hyaluronsäure in die Großhirnrinde erschließt) und BWL-Ken Honey, die sich gegenseitig beschuldigen, einfach nur famous werden zu wollen. Excuse me?!

Von Silikon und anderen Brüsten

Oder Sarah Joelle Jahnel, die aus Mangel an weiteren Qualifikationen immer wieder stolz betont, dass ihre Brüste im Gegensatz zu denen von Kader Loth und Gina-Lisa definitiv nicht aus Silikon sind und die beiden Prachtstücke als Beweis immer wieder in guter alter Micaela-Schäfer-Manier in die Kamera hält. Oder Verbotene-Liebe-Mäuschen Nicole Mieth, die mit der Teilnahme im Dschungelcamp inklusive vorangegangenem Playboy-Shooting endlich den schrecklichen Soap-Stempel ablegen will, um in Zukunft so richtig durchzustarten. Bei der großen ProSieben-Promi-Völkerballmeisterschaft und so.

Neben den interessanten Kandidaten scheinen RTL auch die originellen Ideen ausgegangen zu sein. Überzeugte die letzte Staffel schon in Folge 1 mit einem blutigen Feuerwerk der aufgetischten Tiergedärme, war die erste Dschungelprüfung dieses Mal eher ein buntes Potpourri der Mittelmäßigkeit, das zum allgemeinen Unmut keinen der Geprüften in besondere Zimperlichkeiten versetzte.

Aufgelockert wurde die altbekannte Ödnis aus Kakerlakenhelmen, Killerameisen und Fischabfall-Shakes lediglich durch eine bitterlich weinende Hanka Rackwitz, die am Bein ein wenig blutete. Gab aber ein Pflaster und ein Heile-Heile-Segen von Dr. Bob. Der größte Schocker des Abends war da schon fast Marc Terenzi, von Beruf Stripper, Ex-Mann und fünf- bis zwölffacher Vater, der zugab bei der US-Wahl im November für Donald Trump gestimmt zu haben. Aber dann hier in Deutschland dem Steuerzahler auf der Tasche liegen! Danke Terenzi!!!

Es ist noch Luft nach oben

Aber der Dschungel wäre nicht der Dschungel, wenn es hinter dem langweiligen Schafsurin-Regen nicht auch ein paar Lichtblicke gäbe. Da wären zum Beispiel die Silikon-Schwestern Kader Loth und Gina-Lisa, die sich schon jetzt mit nachdenklichen Dschungel-Weisheiten gegenseitig übertreffen („Ein schwaches Glied? Was ist Glied?“ „Erster Tag und ich fall schon hin!“) und die, sobald die letzten Reste Highlighter abgespachtelt sind, in ihrer erstarrten Schönheit wohl kaum mehr zu unterscheiden sind. Und Mallorca-Jens, der glücklich die bleiche Wampe gen Himmel reckend ankündigt, die Menschen mit seiner „Charmantität“ überzeugen zu wollen und in seinem allgemeinen Versagertum dabei fast putzig ist.

Und natürlich die Aussicht auf das morgige Dschungelduell, in dem Haarwachs-Honey und Botox-Flori dann endlich wie echte Männer klären können, wer denn hier eigentlich am meisten famous werden will. Also, das wäre vielleicht interessant, wenn man denn einschalten würde. Tun wir natürlich nicht, für dieses Unterschichtenfernsehen ist uns unsere Zeit zu schade!! Aber hauptsache Alessio geht’s gut.