Köln im Zeichen der Videospiele

Gamescom 2015: Unser Fazit zur Mega-Messe

Köln im Zeichen der Videospiele: Gamescom 2015: Unser Fazit zur Mega-Messe Köln im Zeichen der Videospiele: Gamescom 2015: Unser Fazit zur Mega-Messe Foto: TONIGHT.de / Kai Jürgens

Es ist das Videospiele-Highlight des Jahres und ein Treffen der Gamer-Generationen: Dicht an dicht drängen sich die Spiele-Fans durch die Hallen der Gamescom in Köln. Wir ziehen nach drei Tagen Messe-Action ein erstes Resümee.

Schweißtreibend, überfüllt, überteuert: Drei Adjektive, die nicht unbedingt einen schönen Tag zu garantieren scheinen. Doch auf der Gamescom lernt man über viele Nervfaktoren wie "6,90 Euro für ein Brötchen-großes Stück Pizza" hinwegzusehen. Es sind nichtmal die Spiele, die Jahr für Jahr über 330.000 Besucher auf das Mega-Event ziehen, als vielmehr dieses außergewöhnliche Beisammensein von Gleichgesinnten.

Videospiele-Euphorie in Köln Gamescom 2015: Das sind die Highlights der Messe 114 Fotos

In der einen Ecke treffe ich Retro-Fans, alte Bekannte, die ich seit einem Jahr nicht mehr gesehen habe. Es sind nur kurze Gespräche, hier ein Handschlag, da ein waschechter Knuddler, die Wiedersehensfreude ist groß und nicht gekünstelt. Beim Großteil der unbekannten Gesichter bin ich mir sicher: Mit ihm oder ihr könnte ich mehrere Stunden über Videospiele philosophieren, mich über Filme, TV-Serien und Bücher austauschen.

Voyeuristische Wundertüte

Dann die vielen, vielen schrägen Gestalten, verkleidet als Thrall, Prinzessin Zelda, Mario, als unbekanntes Manga- und Anime-Babe: Tiefe Ausschnitte, winzige Höschen und bunt geschminkte Gesichter ziehen meinen Blick auf sich. Die Vitrinen am Retro-Stand holen meine Vergangenheit mit Super Nintendo, Amiga und Pong-Automat zurück in die Gegenwart. Nebenan spielen Jugendliche Tischtennis - jedoch mit ihrem Kopf als Schläger und einem Lederball. Im düsteren Obergeschoss von Halle 5.2 rennen Menschen mit Lasern über einen Hindernis-Kurs um sich zu "taggen".

Generell ist die Gamescom eine vehement visuelle Messe, eine voyeuristische Wundertüte. Wie bereits angemerkt bezieht sich dies nicht ausschließlich auf die gezeigten Videospiele, die hinter riesigen Bannern, titanischen Wänden und exorbitanten Statuen oft in den Hintergrund gedrängt werden. Am Sony-Stand steht ein waschechter Tie Fighter, am EA Stand ein riesiger AT-AT-Walker, am Tearaway-Stand wurde der Kölner Dom aus Pappe nachgebaut. Edle Flitzer wie der "Porsche 911 Turbo" am Stand von "Need for Speed", oder der Ford GT am "Forza Motorsport 6" Stand lassen meine Augen strahlen, während eine Angestellte mit einem Swiffer-Staubtuch die letzten Flusen vom Vortag wegwischt.

Es sind kuriose Situationen und Aussichten wie diese, welche die Gamescom ausmachen.

Gamescom 2015 | Donnerstag, 6. August 2015 Gamescom 2015 // Do 06.08.15 Messe Köln 57 Fotos

Zwei Kinder, maximal 11 bis 12 Jährchen auf dem Buckel, fragen mich schüchtern nach dem "Dying Light"-Stand - ein Titel, der hierzulande aufgrund seiner Brutalität indiziert ist. Ich zucke die Schultern, wohlwissend, dass der Stand gleich um die Ecke ist. Die beiden Jungs traben in Richtung Nintendo fort und verweilen kurz vor "Super Mario Maker". Ich muss unwillkürlich lächeln und ziehe kopfschüttelnd weiter. 

Die Gamescom bietet mir zwei Parallelwelten an, die Business-Area auf der einen Seite - wohl klimatisiert, mit kostenlosen Schnittchen und freien Getränken - und der Entertainment-Area auf der anderen Seite - vollgepackt mit Gamern jeder Altersklasse, ewig langen Schlangen und pervers überteuerten Preisen für Fressalien und Getränke. Ich kann jedoch kaum sagen, dass ich die eine vor der anderen Seite der Gamescom bevorzugen würde: Natürlich ist es schön als Journalist mal kurz "durchatmen" zu können, doch das können die Jungs und Mädels im Entertainment-Bereich ebenso. Die Gamescom-Zeiten haben micht gelehrt, dass beides zusammen gehört, dass man das eine nicht vor dem anderen priorisieren kann und sollte.

"Der Flohmarkt ruft mit Wurst und Didgeridoo, juhu."

Am Donnerstag schlage ich mich durch Halle 5.1, das "Shopping Eldorado", oder anders: Die Merchandise-Halle. Hier bieten zahlreiche Spiele- und Comic-Shops ihre Waren zum Verkauf an, gleich zu Beginn warten die großen Hersteller-Shops von "Blizzard", "Bethesda" und "Square Enix" auf willige Geldbörsen. Wer will, der kann hier hunderte Euronen auf den Tresen kloppen, um kultige Plastik-Figuren, größere Statuen, T-Shirts, Hoodies, Mauspads, Plüschtiere, Mangas und Animes abzusahnen.

Immer wieder überraschend: Leute geben ihr Geld am liebsten für Sachen aus, die sie nicht sehen können. Besonders beliebt: Wundertüten. Kollege Ludwig sahnt eine olle Tasse, eine Naruto-DVD (Folgen 89 bis 92) einen Pin und ein Schlüsselband für 15 Euro ab, ich selbst habe bei den zufälligen "Heroes of the Storm" Miniatur-Figuren mehr Glück: Drei Päckchen liefern mir für 30 Euro drei unterschiedliche Helden, darunter Nova, Nazeebo und Kerrigan. Glück gehabt!

MAD MAX Gamescom Event  | Mittwoch, 5. August 2015 MAD MAX Gamescom Event // Mi 05.08.15 Odonien 101 Fotos

Die Halle ist komplett überrannt, die Menschen drängen sich durch die Gänge und blockieren beim Betrachten von riesigen Anime-Brüsten gerne die komplette Masse hinter ihnen. Zum Glück gibt es zwischen den Hallen die Freigelände: Hier wird geraucht, gefuttert und entspannt. Tausende Messe-Besucher sitzen erschöpft auf dem Boden, oder hocken auf den wenigen Wiesenflächen der Messe. Sehr schön: Dieses Jahr sind mehr Zugangswege geöffnet, nervige Blockaden und Umleitungen sind eher selten. Da ich die meisten Geheimgänge mittlerweile auswendig kenne, komme ich fix wie nie zuvor von A nach B. 

Dennoch schmerzen sämtliche Gelenke und Muskeln nach drei Tagen Gamescom: Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich neidisch auf die Jungs und Mädels gucke, die mit Skateboard und Miniroller durch die Gänge fahren. Nächstes Jahr. Vielleicht.

Business. Just Business.

Am Freitag muss ich den Großteil des Tages im Business-Bereich verbringen: Termin reiht sich an Termin. Meist unterteilt in Präsentationen im "halbe Stunden Takt", reiht sich eine Vorstellung an die nächste. Öfters wird man in ein "Kino" geführt, kleine Räume mit riesigen Bildschirmen und einigen mal mehr, mal weniger bequemen Sitzmöglichkeiten.

In den seltensten Fällen sind die Räume sogar thematisch gestaltet, wie etwa die extrem coole 1968er Bar zu Mafia 3, inklusive alter Ledersofas, unzähliger Leuchtreklame-Schildern und jazziger Atmosphäre.

Von Fallout 4 bis FIFA 16 Gamescom 2015: Der erste Rundgang 24 Fotos

Schade: Viele der Präsentationen funktionieren nach dem "Wir spielen einen Film ab"-Gusto. Besser läuft es allen voran bei den Indie-Studios, hier sitzt man gleich den Entwicklern gegenüber und kann mit einigen wirklich cleveren Leuten über Gott und die Welt - und vielleicht auch mal das jeweilige Videospiel - plaudern. Die Atmosphäre bei den Indies ist generell lockerer, als bei den großen Publishern: Kein Wunder, ist der Andrang hier doch wesentlich höher, die Vorträge einstudiert und dank der mangelnden Zeit kaum modifizierbar. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.

Das anwesende Publikum ist international: Japaner, Chinesen, Koreaner, Engländer, Amerikaner, Italiener, Polen und Spanier versuchen sich an Bratwurst mit Kartoffelsalat und deutschen Gepflogenheiten, gesprochen wird jedoch meist englisch. Die Gamescom zeigt, welche Bedeutung sich das Event weltweit über die Jahre erspielt hat.

Die Highlights der Gamescom

Nach meiner Rückkehr in die Redaktion lautet die Frage Numero Uno: "Was war dein Spiel der Messe?" Ich komme nicht umher mit einem Achselzucken zu antworten. Besser wäre die Frage "Welche Spiele konntest du anspielen?", denn die Wahl von Highlights fällt mir bei über 50 angespielten Videospielen nicht unbedingt einfach. 

Ungleich simpler zu bestätigen sind die Publikumslieblinge: "Star Wars Battlefront" sahnte bei den "Gamescom Awards" gleich mehrere Preise ab und stand praktisch überall auf dem Podiumsplatz für das "Spiel der Gamescom" - entsprechend überrannt war auch der Stand. Hinzukommen die Neuankündigungen von "Mafia 3" und dem neuen World of Warcraft Add-on "Legion", welches am Donnerstag um 18 Uhr unter dem berauschenden Jubeln, Kreischen und Klatschen von unzähligen Blizzard-Fans angekündigt wurde.

Doch das ist nur Cherry-Picking bei einem Baum voller süßer Kirschen: Alleine in den nächsten Monaten bis ins obligatorische Weihnachtsgeschäft erscheinen mehr Spiele, als ich hier aufzählen kann, darunter superbe Highlights wie "Fallout 4", "FIFA 16", "Metal Gear Solid V: The Phantom Pain", "Assassin's Creed Syndicate", "Need for Speed" und "Super Mario Maker". 

Neu hingegen ist die Ausbeute NACH Weihnachten: Im ersten und zweiten Quartal 2016 geben sich Titel wie "Uncharted 4", "Dark Souls 3", "The Division", "Doom", "Battleborn" und "Street Fighter V" die Klinke in die Hand. Wer da nicht aufpasst, kann sich tatsächlich für ewig in virtuellen Welten verlieren.

Kurz: Es war nie so schön ein Spieler zu sein. Und bei allen Negativ-Trends und bösen Reden, wer bei diesen Zukunftsaussichten weiter schwarzmalen will, dem ist nicht zu helfen.

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