Buddy-Movie trifft auf Sci-Fi-Opera

Titanfall 2 im Test für PC

Buddy-Movie trifft auf Sci-Fi-Opera: Titanfall 2 im Test für PC Buddy-Movie trifft auf Sci-Fi-Opera: Titanfall 2 im Test für PC Foto: EA

Respawn Entertainment bittet die Titanen erneut zum Tanz: Mit einer atemberaubenden Einzelspieler-Kampagne und einem starken Online-Modus peilt Titanfall 2 die Ego-Shooter-Krone an. Doch abseits vom eigentlich Spiel hat der Titel mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen.

Hach, wat schön: Titanfall 2 merzt so ziemlich alle Kritikpunkte des bereits ganz hervorragenden Erstlings aus und liefert ganz nebenbei eine der imposantesten und denkwürdigsten Einzelspieler-Kampagnen des Jahres ab. Was hier geboten wird muss den Vergleich mit legendären Titeln wie Portal, Metroid Prime und Half Life 2 tatsächlich nicht scheuen – sei es Kreativität, Präzision oder Art-Design, Titanfall 2 stammt wortwörtlich von einem anderen Stern.

Im Gegensatz zum Vorgänger kommen diesmal erheblich mehr Gamer in den Genuss des Spiels: Neben Xbox One- und PC-Zockern dürfen sich beim zweiten Teil endlich auch PlayStation 4 Spieler in den Pilotensessel der riesigen Roboter schwingen. Also alles gut im Land der Titanen?

Leider nicht ganz, denn den größten Stolperstein bekommt der Titel ausgerechnet vom eigenen Publisher Electronic Arts mit auf den Weg gesetzt: Mit der gewählten Veröffentlichung zwischen "Battlefield 1" und "Call of Duty: Infinite Warfare" zieht Titanfall 2 abermals den Kürzeren und wird bereits zum Zeitpunkt dieser Zeilen an vielen Stellen weit ab vom OVP verkauft – aktuell lassen sich bereits bis zu 50 Prozent Rabatt rausholen.

Ob – und wie lange – sich Titanfall 2 online behaupten kann, liegt jetzt am weiteren Marketing und der Integration neuer Inhalte: Insbesondere beim ersten Teil war die Kluft zwischen den Spielern, welche neue Karten per DLC hinzukauften, und denen, die dies nicht taten, deutlich zu spüren. Für Titanfall 2 gelobt EA Besserung: Alle relevanten Inhalte (sprich neue Karten und neue Roboter) sollen zukünftig kostenlos auf eure Festplatte wandern. Daumen hoch!

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Ich liebe einen Roboter

Soldat Jack Cooper ist Mitglied der Miliz, die gegen die fiese IMC (Interstellar Manufacturing Corporation) in den Krieg zieht: Abgestürzt auf dem Planeten Typhon müsst ihr jedoch nicht lange warten, bis ihr aufgrund widriger Umstände befördert werdet. Euer Kommandant segnet im Kampf gegen mehrere Feinde das Zeitliche und ihr müsst euch nun um seinen Titanen kümmern.

BT-7274 ist der Name eures neuen Blechkameraden, der euch im Laufe des Spiels nicht mehr von der Seite weichen wird: Mit einigen lockeren Sprüchen und viel Humor wird das Verhältnis zwischen Cooper und BT hervorragend ausgebaut und bevor ihr es euch verseht, hängt euer Herz tatsächlich an dem riesigen Haufen Techno-Schrott.

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Zugegeben: Einen Oscar wird die Geschichte von Titanfall 2 nicht absahnen, aber sie führt euch ganz hervorragend durch die knapp sechs bis siebenstündige Kampagne. Sowohl Jack Cooper, als auch BT werden hervorragend vertont, und auch die zahlreichen Fieslinge, die auf der langen Reise euren Weg kreuzen, können sich mehr als hören lassen. Unser Favorit ist der halb-deutsch redende „Richter“. Tipp: Unbedingt im englischen Original genießen!

Die Umgebungen sind der Star des Spiels

Der wahre Star von Titanfall 2 sind aber weder BT, noch Jack Cooper, noch die extrem präzise Steuerung, die selbst auf dem Joypad eine wahre Wonne ist und euch geschwind von Mauer zu Mauer rennen, quer über riesige Klippen und bewegliche Plattformen springen, und Soldaten bereits aus weiter Entfernung im vollen Lauf vom Bildschirm ballern lässt.

Nein, der wahre Star von Titanfall 2 sind die Umgebungen, bzw. das teils phänomenale Level-Design, welches euch stets neue Herausforderungen beschert und stark mit dem Auffinden einiger sehr spezieller Gadgets und Waffen verzahnt ist. Da wir hier Spoiler-Territorium betreten und euch das Vergnügen nicht verderben wollen, an dieser Stelle nur so viel: Hinter der Kampagne von Titanfall 2 versteckt sich weit mehr, als nur simples Geballer. Weit mehr!

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Verschont werdet ihr dabei zum Glück von nervigen Skill-Bäumen und anderem Mumpitz moderner Rollenspiel-Light-Verknüpfungen: Anstelle dessen freut sich euer Titan BT im Laufe des Abenteuers über stets neue Waffen-Loadouts, die sich per Knopfdruck frei wechseln lassen. So greift ihr zu Flammengranaten, tödlichem Rail-Sniper, einem waschechten Vindicator-MG und zielsuchenden Raketen, während ihr zur Verteidigung wie gewohnt die Geschosse eurer Gegner vor euch magnetisiert und dann mit Schwung zurück zum Absender schickt. Crash. Boom. Bang. Eine Ode an die Ballerkunst!

Eine einzige Kleinigkeit, welche das Spiel unserer Meinung nach noch immer nicht genug fokussiert, ist der schnelle Wechsel zwischen Pilot und Titan – meist sind beide Spielelemente recht rigoros voneinander getrennt. Hier hätten insbesondere die Boss-Kämpfe noch einige Gelegenheiten für überraschende Spielmechaniken geboten – aber auch so bleiben euch die dicken Jungs und Mädels sicher noch für längere Zeit im Gedächnis.

Tanz der Titanen

Zugegeben, an die Qualität der anfänglichen 15 Karten des ersten Teils reichen die 9 Karten von Titanfall 2 nur selten heran. Immerhin sollen – wie bereits erwähnt – alle zukünftigen DLC-Karten kostenlos hinzugefügt werden, was für das Aufrechterhalten der Community nur hilfreich sein kann. Und mit Angel City steht am 3. Dezember (für Vorbesteller bereits am 30. November) bereits eine der populärsten Karten aus dem ersten Teil für Titanfall 2 in den Startlöchern.

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Zu den Highlights der neuen Karten gehören Boomtown (erinnert in allen Belangen direkt an Titanfall 1), Exoplanet (unheimlich komplex, visuell überragend), Eden (die perfekte Balance zwischen Innen- und Außenbereichen), sowie Drydock.

Weniger sehenswert: Complex erinnert dank seiner engen Gänge und Nadelöhre eher an eine Umgebung aus Call of Duty und Crash Site mutiert dank seines vertikalen Layouts zu schnell zum Camper-Paradies.

Mit insgesamt 8 unterschiedlichen Spielmodi, inklusive dem Fan-Favorit „Attrition“ (Team-Deathmatch mit Titanen), seid ihr dabei erstmal gut versorgt.

Fazit

Es fällt schwer einen wirklichen Kritikpunkt an Titanfalls 2 zu finden – vielmehr treibt uns der Gedanke nach „mehr!“ an. Mehr Story-Nachschub. Mehr Karten für den Mehrspieler-Modus. Mehr Titanen.

Das soll wiederum nicht heißen, dass Titfanfall 2 zu wenige Inhalte bieten würde: Alleine die atemberaubende Kampagne ist den vollen Preis mehr als wert. Lasst euch von der Angabe von 6 bis 7 Spielstunden nicht verwirren, denn was hier geboten wird, fängt die kurze Dauer ganz hervorragend ab.

Kurz: Ein Shooter dieser wortwörtlichen Größenordnung ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Die Kinnlade am Boden ballerte ich mich mit meinem neuen Kumpanen BT quer über Typhon und verdrückte am Ende sogar einige Tränchen der Rührung. Jetzt müssen nur die ganzen Die-Hard-Battlefield- und CoD-Spieler mitbekommen, was sie hier verpassen: Den besten Shooter des Jahres!

Titanfall 2 erhält von uns stolze 92 Prozent Batterieladung im Titanentank, 10 von 10 per verrückter Wallruns eingesammelter Pilotenhelme und 5 von 5 erfolgreichen Zeitsprüngen zurück in die goldene Shooter-Zeit. Pflichtkauf!

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