K.O. zwischen Early Access und Vollpreis

Street Fighter V im Test für PS4 und PC

K.O. zwischen Early Access und Vollpreis: Street Fighter V im Test für PS4 und PC K.O. zwischen Early Access und Vollpreis: Street Fighter V im Test für PS4 und PC Foto: Capcom

Mit dem fünften Teil der populären Prügelspiel-Serie eröffnet Capcom das nächste Kapitel für alle Beat'em up Fans. Wir zeigen im Test, ob sich der neue Ausflug mit Ryu und Ken ins Trainingslager lohnt.

Erst kürzlich haben wir euch so ziemlich alle Infos zum Start von Street Fighter V geliefert: Capcom will mit dem fünften Teil die recht hohe Einstiegshürde für neue Spieler senken und den Titel über die kommenden Monate und Jahre zum umfassenden Beat'em up Service ausbauen – sei es durch neue Modi, oder neue Kämpfer, die sich neuerdings auch per In-Game-Moneten ("Fight Money") freispielen lassen. Bare Münze hingegen wird als "Zenny" verbucht: Der dazugehörige Shop soll im März seine Pforten öffnen.

Wenig traurig winken wir somit auch zukünftigen "Super"- und "Ultra"-Erweiterung auf Wiedersehen. Wir werden sie kaum vermissen. Mittlerweile konnten wir uns von der Qualität des Spiels ein eigenes Urteil bilden. Und das ist leider nicht so gut, wie zuvor gedacht.

Freizügig, frivol und sexy Street Fighter V - Alternative Kostüme 19 Fotos

Always Online, Always Disco

Fangen wir Vorne an: Die Verbindungsprobleme zum Start von Street Fighter V scheinen langsam aber sicher ausgestanden zu sein. Dennoch haben die Probleme mal wieder ganz hervorragend gezeigt, wie schwachsinnig "Always On"-Features innerhalb moderner Videospiele sein können: Egal in welchem Spiel-Modus ihr gerade unterwegs seid (also auch die lokalen Modi!), beim Abbruch der Verbindung zu den Capcom-Servern werdet ihr unsanft aus dem Spiel geschmissen.

Das ist nicht nur unschön und nervig, sondern wäre vor allem eines gewesen: Vermeidbar. Capcom hätte an dieser Stelle aus den Fehlern der Konkurrenz lernen können, hat sich aber aus irgendwelchen, höchstwahrscheinlich Sicherheitsgründen dagegen entschieden.

Bereits in Sachen Menü-Präsenz zeigt sich, dass das "Capcom Fighters Network" im Fokus der Entwicklung stand und die Butter auf's Street Fighter V Brötchen schmieren soll: Lernt oder amüsiert euch über diverse Replay-Videos, versucht euch in Ranglisten- und Freundschafts-Matches und stalked Spielerprofile. Auf der To-Do-Liste für die kommenden Monate stehen unter anderem ein Zuschauermodus, weitere Slots für die Lobby und tägliche Herausforderungen.

Abgesehen von den Online-Problemen in den ersten Tagen und dem ein oder anderen Verbindungsabbruch, können wir vom Online-Modus selbst nur positiv berichten: Während unserer ersten Ranking-Matches konnten wir keinen Lag feststellen, alles lief smooth und sauber über den Bildschirm. Und einmal mittendrin könnt ihr eine Menge Spaß haben.

Magerer Inhalt für Solisten

Für Einzelspieler jedoch kommt Street Fighter V mit nur extrem wenig Inhalt auf dem virtuellen Bizeps daher: Der Story-Modus ist ein müder Witz, der euch die 16 Kämpfer und ihre Herkunft anhand von kurzen Bild-Einblendungen und voll vertonten Story-Schnippseln näher bringen soll. So stürzt ihr euch mit jedem Kämpfer in zwei bis drei Matches, deren Schwierigkeitsgrad irgendwo zwischen "nicht vorhanden" und "könnte selbst meine Oma" hin und her schwingt.

Rashid kämpft wie ein Wirbelsturm Street Fighter V - Alle Screenshots 97 Fotos

Noch verrückter: Jedes Match wurde auf eine einzige Runde begrenzt, womit so ziemlich jeder Spieler, der irgendwann in seinem Leben schonmal an einem Joystick genuckelt hat, in Rekordgeschwindigkeit durch den Modus jagt. Seltsam: Die Kämpfe könnt ihr nochmal einzeln anwählen, owbohl die Motivation hierzu gen Null tendiert.

Mehr als eine bis zwei Stunden Spielzeit (großzügig gerechnet!) findet ihr im Story-Modus nicht, dafür winken immerhin einige Erfahrungspunkte und die In-Game-Währung „Fight Money“ als Belohnung.

Ein Wort noch zu den gezeichneten Bildern, welche die Handlung begleiten: Hübsch geht anders! Kunst mag subjektiv sein, allerdings wirken viele der portraitierten Kämpfer wie ein müder Abklatsch eines Samstag-Morgens-Cartoons. Da Street Fighter IV mit seiner starken "Tusche"-Optik hochwertig vorgelegt hat, kommen wir nicht umher hier traurig mit dem Kopf zu schütteln. Das war nichts!

Immerhin will Capcom einen vollwertigen Story-Modus, alias die "Cinematic Story Expansion" im Juni nachliefern. Wir sind gespannt, ob diese dann tatsächlich "hochwertiger" daherkommt und den von vielen vermissten Arcade-Modus irgendwie ersetzen kann.

Last but not least dürft ihr euch alleine im Trainings-Modus und im Survival-Modus austoben. Auch letzterer ist wenig spannend und dürfte euch nicht allzu lange bei Laune halten.

Moves Like Jagger

Kommen wir endlich zum Kern des Spiels, und spätestens hier dürfen alle Street Figher Fans aufatmen: Die Kämpfe sind eine Wonne, die Steuerung geht hervorragend von der Hand und die neuen Moves, insbesondere das V-System, sorgen für neue Akzente. Die Focus-Attacke aus Street Fighter IV wurde derweil komplett gestrichen.

Street Fighter V Ken (11) - image/jpeg

Anfänger freuen sich über die Entschlackung der Eingabe-Kommandos: Der Großteil der Kämpfer wird nun per Viertel- und Halbkreis zum Abfeuern diverser Special Moves überredet. Wer dazulernen will: "Shotokan" ist der Fachbegriff für diese Form der Steuerung. Unter den Shotokan-Kämpfern befinden sich überraschend auch einstige "Charger"-Helden ("Links gedrückt halten, Rechts + Schlag") wie Nash und Vega, sowie Neuzugänge wie Laura und Rashid.

Per "High Kick + High Punch" lasst ihr mächtige V-Trigger vom Stapel, die eure durch ausgeteilten Schaden aufgeladene V-Leiste entleeren. Alternativ greift ihr per "Medium Kick + Medium Punch" zum V-Skill: Ryu pariert auf diese Weise Projektile, Ken stürmt auf den Gegner zu und Dhalsim schwebt meditierend in der Luft, um von dort die nächste Attacke vorzubereiten.

Kurios: Im anfänglichen Tutorial werden euch einige dieser neuen Moves näher gebracht, auf die Info wann der Kampf vorbei ist ("Wenn die Lebensleiste des Gegners leer ist") hätten wohl aber selbst die größten Anfänger verzichten können.

Spektakuläre Kämpfe vor mauen Kulissen

Visuell ist Street Fighter V ein zweischneidiges Schwert: Unter anderem vermissen wir die coolen „Tusche“-Effekte des Vorgängers, beinharte Frauenrechtler nerven die abermals überproportionierten Ladys im Kader (Chun Li, Cammy, Laura, R. Mika) und die extrem miesen Artworks im Story-Modus haben wir schon erwähnt.

Immerhin zeigt sich der Titel im laufenden Kampf von seiner Prachtseite: Animationen, Effekte und Helden-Design liefern prächtig ab. Einzig flackernde Schatten – ein typisches Problem der Engine – nerven einige Technik-Fetischisten auf der PlayStation 4. PC'ler hingegen freuen sich über einen Batzen von Grafik-Optionen und die Möglichkeit den Titel sauber in 4K-Auflösung auf den Monitor zu bringen.

Schade: Nur 10 Stages, von denen nur wenige die Genialität alter Capcom-Klassiker versprühen, sind für den Start ziemlich mau. Immerhin bieten Stages wie die "Bustling Side Street" in China, sowie der hübsche "Forgotten Waterfall", das japanisch angehauchte "Kanzuki Estate" und das "Hillside Plaza" in Brasilien ein wenig Unterhaltung für die Augen, während die eher blasse "Union Station" in London und die mit tanzenden Bären versehene "Underground Arena" visuell unspektakulär auf den hintersten Plätzen landen.

Wahre Profis zocken ohnehin nur in der Trainings-Stage: Hier lenkt euch kein Hintergrundgedöns vom Frame-Zählen ab.

In Sachen Sound hat Street Fighter IV damals groß aufgefahren: Das Boy-Band'esque "Indestructible" klingt uns noch immer in den Ohren. Solche Ohrwürmer konnten wir in unserer Zeit mit Teil 5 noch nicht ausmachen: Die rockige Menü-Musik ist ok, mehr aber auch nicht, die Character-Themes wenig kreativ, dafür umso rockiger neu zusammengemischt.

Keine Sorge, Ohrenbluten muss niemand fürchten, aber 'nen Grammy gibt es dafür sicher nicht. Hier zwei Kostproben:

Fazit

Dafür dass Sony die PlayStation 4 dank der Konsolenexklusivität von Street Fighter V zur "Go-To-Platform" für Beat'em up Fans gestalten will, kommt der Titel ziemlich halbgar daher. Dabei muss sich Capcom vor allem den Vorwurf gefallen lassen, dass ihnen die Konkurrenz in vielen Teilen mittlerweile weit voraus ist.

Leider genießen mechanisch hochwertige Spiele wie "Guilty Gear Xrd Sign" und "BlazBlue: Chrono Phantasma Extend", oder für Solisten mit Solo-Content nur so vollgepackte Titel wie "Mortal Kombat X" und "Injustice: Gods Among Us" längst nicht die Popularität von Ryu, Ken, Chun Li und Zangief. Sollte Capcom in Zukunft weiter so schludern – wovon wir dank der vielen, bereits angekündigten Inhalte für Street Fighter V (erstmal) nicht ausgehen – könnte sich dies bald ändern.

Bis dahin bleibt uns leider nur zu sagen: Für den Vollpreis bietet Street Fighter V (noch!) nicht genug, um den Kauf zu rechtfertigen. Selbst wer den Titel online rauf- und runterzocken will, sollte sich noch etwas gedulden bis das Kämpferfeld weiter angewachsen und die ersten Balancing-Patches aufgespielt wurden.

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