Mit einer "Moo Moo" hier und einem "Oink Oink" dort

Stardew Valley im Test für PC

Mit einer "Moo Moo" hier und einem "Oink Oink" dort: Stardew Valley im Test für PC Mit einer "Moo Moo" hier und einem "Oink Oink" dort: Stardew Valley im Test für PC Foto: Chucklefish
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Programmiert von einer einzigen Person mit dem charmanten Pseudonym "ConcernedApe", erobert "Stardew Valley" aktuell die Steam-Charts wie kein zweites Spiel. Wir liefern den Test zum etwas anderen "Farm Simulator".

In einer Welt, in der man nur noch lebt, damit man täglich arbeiten geht, wünscht man sich manchmal nichts sehnlicher als eine Flucht aus dem hektischen und monotonen Alltag in ein ruhiges und gemächliches Leben. So lautet auch die Prämisse des Indie-Titels Stardew Valley, einem Ein-Mann-Projekt, irgendwo zwischen Harvest Moon und Terraria, das wie eine Bombe auf Steam eingeschlagen ist und seit seiner Veröffentlichung die Verkaufscharts pulverisiert.

Das Spiel beginnt für euch im Hamsterrad der Konzernwelt. Tagein tagaus starrt ihr jeden Morgen auf den Bildschirm im Büro und fragt euch, ob es nicht mehr im Leben gibt. Doch dann blitzt eine längst vergessene Erinnerung auf! Hastig öffnet ihr die Schublade eures Schreibtisches und findet den Umschlag, den euch euer guter, alter Opa vor seinem Ableben vermacht hat.

Kindheitserinnerungen an Opas riesige und wunderschöne Farm werden wach. Das waren noch unbeschwerte Zeiten! Auf Geheiß von Opa solltet ihr den Umschlag erst im richtigen Moment öffnen, ihr würdet es schon merken. So verstaubte der Umschlag jahrelang in der Schublade, doch jetzt wird euch bewusst: der Tag ist endlich gekommen!

Als der Umschlag seinen Inhalt preisgibt staunt ihr nicht schlecht: es ist die Besitzurkunde von Opas alter Farm! Sofort packt ihr alle Sachen und macht euch auf ins malerische, verschlafene Pelican Town. Dort werdet ihr von Bürgermeister Lewis und Tischlerin Robin schon erwartet und herzlich begrüßt. Und ehe ihr euch verseht, erklären sie euch auch schon das kleine Farmer-Einmaleins und ihr seid nun offiziell selbst ein Farmer. Herzlichen Glückwunsch!

Querbeet

Passende Werkzeuge bekommt ihr direkt gestellt, darunter Feldhacke, Gießkanne, Sichel, Holzaxt und Spitzhacke. Diese sind auch bitter nötig, denn eure Farm bietet einen recht trostlosen Eindruck. Unkraut, Baumstümpfe und Steine soweit das Auge reicht. Nachdem ihr euren Grundbesitz zumindest teilweise auf Vordermann gebracht hat, kann es endlich ans Eingemachte gehen und die ersten Anbauten können ausgesät werden.

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Wenn diese auch noch jeden Morgen von euch bewässert werden, kann der ersten Ernte nichts mehr im Weg stehen. Allerdings wird bis dahin noch ein wenig Zeit ins Land ziehen, die ihr natürlich nicht Däumchen drehend in der Hütte verbringt, denn in Pelican Town gibt es so viel zu tun, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen!

Da wären zunächst einmal die knapp 30 Einwohner eures neuen Heimatdorfes, die allesamt einen eigenen Tagesablauf haben. Eine eurer ersten Aufgaben ist es, bei fast allen vorstellig zu werden. Damit wird direkt angedeutet, dass das Gemeinschaftserlebnis einen beachtlichen Teil der Spielerfahrung ausmacht. Helft ihr euren Mitmenschen bei ihren Ersuchen und schenkt ihr ihnen regelmäßig (insbesondere an ihrem Geburtstag!) passende Geschenke, steigt ihr Wohlwollen euch gegenüber. So werden aus Fremden Freunde und womöglich sogar Ehepartner und gemeinsame Eltern!

Ein besonderes Highlight sind die zahlreichen Feste, bei denen alle Einwohner zu bestimmten Anlässen zusammenkommen und gemeinsam feiern. Wir wollen an dieser Stelle jedoch nicht zu viel verraten und widmen uns lieber den Dingen, denen ihr Tag für Tag nachgehen könnt.

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So wird aus Eiern Mayonnaise

An erster Stelle stehen natürlich Anbau, Pflege und Ernte diverser Gemüse-, Frucht- und Blumensorten. Die Saat dafür könnt ihr bei Pierre, dem Gemischtwarenhändler eures Vertrauens, erwerben. Je nach Jahreszeit wartet er mit einem anderem Sortiment auf, aus gutem Grund: Pflanzen sind saisonal gebunden. Wer also z.B. Ende Frühling sein ganzes Vermögen in Kartoffelsaat investiert, der wird am ersten Sommertag ein böses Erwachen erfahren, wenn sämtliche Pflanzen plötzlich verdorrt sind.

Neben Grünzeug, könnt ihr natürlich auch Vieh halten, unter anderem Hühner, Kühe und Schafe. Diese erweitern eure Produktpalette um Eier, Milch und Wolle. Wer sich dann noch des kleinen, aber feinen Craftingsystems bedient, hat die Möglichkeit Apparaturen zu bauen, die aus Milch Käse, aus Eiern Mayonnaise und aus Trauben leckere Marmelade oder Wein zaubern.

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Wer Crafting sagt, muss auch Ressourcen sagen, namentlich vor allem Holz, Steine und Metalle. Während sich Holz und Steine sogar noch auf eurem Hof finden lassen, müsst ihr für Metallerze die örtliche Mine besuchen. Diese ist über 100 Stockwerke tief und funktioniert nach einem ziemlich simplen Prinzip: auf jeder Etage warten Steine und oft auch Erze darauf, von euch abgebaut zu werden.

Genauso warten aber auch Schleimblobs, Fledermäuse und andere Fieslinge auf euch, um euch das Leben schwer zu machen! Das Kampfsystem wirkt ehrlich gesagt ein wenig hölzern. Bis auf einen Standardangriff und einen Block gibt es hier nichts zu erwähnen.
Hin und wieder findet ihr auch diverse Edelsteine, die ihr bei Gunther, dem Museumsleiter, spenden könnt, damit diese ausgestellt werden. In regelmäßigen Abständen belohnt er euch dafür mit Pflanzensamen und Einrichtungsgegenständen für euer Haus.

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Angeln ist die einzige Art von Philosophie, von der man satt werden kann

Immer noch nicht genug zu tun? Dann heißt es für euch "Petri Heil!", denn Fischer Willy versucht seit Jahren verzweifelt die lokale Anglerszene am Leben zu halten. Deshalb spendiert er euch direkt eine rudimentäre Angel und führt euch in die Angelkunst ein, die sich als eine Art Mini-Game entpuppt.

Habt ihr einen Fisch am Haken, taucht eine Leiste auf, auf der der Fisch auf- und abspringt. Ihr müsst versuchen mit geschickten Mausklicks den Fisch so lange innerhalb eines grünen Balkens zu halten, bis er an Land gezogen ist. Das ist gerade zu Beginn nicht einfach, aber mit zunehmender Übung werdet ihr im Handumdrehen zum Angelmeister. Zu fangen gibt es nämlich allerlei. Je nach Jahreszeit und Gewässer (Meer, Teich, Fluss) könnt ihr unterschiedliche Fische und Krustentiere ergattern und nebenbei auch noch den einen oder anderen Schatz heben.

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Alles, was ihr im Spiel erntet, abbaut, fangt oder produziert kann zu Geld gemacht werden. Dieses könnt ihr wiederrum in neue Pflanzen, Tiere, Ausrüstung, Werkzeugupgrades, Farmgebäude oder Hauserweiterungen investieren.

Ganz schön anstrengend

Die Vorstellung vom einfach gestrickten und entspannten Leben als Farmer entpuppt sich also recht schnell als Mythos, denn wie ihr seht, gibt es wirklich verdammt viel zu tun. Leider gibt es in dieser Hinsicht auch noch zwei Kleinigkeiten, die euch ein wenig einschränken und gute Planung erforderlich machen: Zeit und Energie.

Jedes Mal, wenn ihr Holz hackt, Blumen gießt und euer Schwert schwingt, verbraucht ihr Energiepunkte. Ihr wacht jeden Morgen mit einer begrenzten Anzahl an Energie auf und wenn diese flöten geht, drohen euch negative Statuseffekte.

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Der Energiebalken lässt sich jedoch wieder auffüllen und dafür müsst ihr glücklicherweise nicht ständig eure Freunde bei Facebook nerven. Gemüse, Früchte und Fische liefern nämlich einen gewissen Energienachschub, insbesondere wenn aus ihnen in der Küche, die ihr erst freischalten müsst, schmackhafte Mahlzeiten zubereitet werden.

Leider gibt es auch noch einen zweiten limitierenden Faktor, die Tageszeit. Der Tag beginnt für euch um sechs Uhr morgens und die Zeit vergeht rasend schnell. Es hilft nicht gerade, dass man sich recht langsam fortbewegt. Deshalb sollte man sich zu Tagesbeginn genau überlegen, was man vor hat zu erledigen. Sonst kann es durchaus schnell passieren, dass ihr den ganzen Tag mit Herumlaufen "verschwendet".

Der weise Ted Mosby sagte bekanntermaßen einmal: "Nach zwei Uhr morgens passiert nichts Gutes", und so ist es auch, denn Punkt zwei Uhr fallt ihr in den Schlaf. Solltet ihr bis dahin nicht den Weg ins Bett gefunden haben, werdet ihr aufgegabelt und in die Arztpraxis gebracht, die euch den Besuch natürlich in Rechnung stellt. 

Wer suchtet der findet

Dass die Zeit wie im Flug vergeht entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn das tut sie auch im echten Leben, sobald man das Spiel einmal gestartet hat. Das Suchtpotenzial, das hier binnen kürzester Zeit entstehen kann ist erstaunlich und erschreckend zugleich. Leider kann der Spielfortschritt nur automatisch nach dem Schlafengehen gespeichert werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Aus dem von Civilization bekannten Mantra "Nur noch diese eine Runde!" wird hier "Nur noch dieser eine Tag!".

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Vielleicht das Schönste aber an Stardew Valley ist, dass es euch trotz seiner vielen Features zu nichts zwingt. Es ist euch überlassen, wie ihr euer Farmerleben gestaltet. Niemand wird für sein eigenes Spieltempo bestraft, auch wenn man sicherlich etwas länger was vom Spiel hat, wenn man nicht stur auf Profitgier und maximale Effizienz getrimmt ist.

Die Spieldauer zu beziffern ist wahrlich nicht einfach und variiert nach persönlichem Spielstil. Man kann hier locker für über 50 Stunden beschäftigt werden und ertappt sich immer wieder nach stundenlangen Spielsitzungen mit blutunterlaufenden Augen dabei, wie man bei Ankunft der ersten Sonnenstrahlen die Vorhänge im Zimmer zuzieht und sich schwört endlich ins Bett zu gehen. 

Gleich ist es wirklich soweit. Nur noch dieser eine Tag, nur noch kurz ein paar Tomaten anbauen und die Kühe melken. Ok, das ist jetzt wirklich der allerletzte Tag. Nur noch kurz die Spitzhacke upgraden, damit ich schneller Erze abbauen kann. Ok, ok, allerallerletzter Tag jetzt, nur noch ein paar Bäume fällen, damit ich genug Holz für den Hausausbau habe. So, jetzt aber ab ins Bett! Wobei, ich könnte doch noch kurz…

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Fazit

Es fällt unheimlich schwer sich dem Bann von Stardew Valley zu entziehen und auch wir müssen zugeben, dass es uns äußerst schnell ans Herz gewachsen ist. Es kann wirklich nicht oft genug herausgehoben werden, welch ein grandioses Spiel Entwickler ConcernedApe hier eigenhändig auf die Beine gestellt hat. Und als wäre das noch nicht genug, ist auch schon ein Update mit einem Mehrspielermodus für bis zu vier Personen in Arbeit!

Wir könnten noch Seiten über Seiten schreiben, aber erstens haben wir keine Zeit dafür, weil wir noch wichtige Dinge zu ernte-... äh, erledigen haben, und zweitens ersetzt nichts das Gefühl, selbst den Alltagsstress mal für einen Moment hinter sich zu lassen und in die wunderbare Welt von Stardew Valley abzutauchen und sich seinem magischen Sog hinzugeben.

Wer sich an der charmanten Pixeloptik nicht stört, der wird momentan für 13,99 Euro auf Steam, alternativ auch über GOG kaum etwas herzerwärmenderes finden. Einziger Wermutstropfen: das Spiel ist bisher komplett auf Englisch. Das sollte aber kein K.O.-Kriterium sein, denn wirklich viel Text lesen und verstehen müsst ihr nicht.

Stardew Valley erntet von uns 4 von 5 goldenen Kürbissen, 9 von 10 Freundschaftspunkten und 87 von 100 Prozent auf der „Na-gut-ich-habe-gelogen-als-ich-meinte-das-wäre-der-allerletzte-Tag“-Skala!

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