Phaser, Torpedos, Klingonen und VR-Brillen

Star Trek Bridge Crew im Test für PlayStation 4 / PSVR

Phaser, Torpedos, Klingonen und VR-Brillen: Star Trek Bridge Crew im Test für PlayStation 4 / PSVR Phaser, Torpedos, Klingonen und VR-Brillen: Star Trek Bridge Crew im Test für PlayStation 4 / PSVR Foto: Ubisoft
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Star Trek Bridge Crew (3) - image/jpeg Mit "Star Trek Bridge Crew" schickt uns Ubisoft auf eine Weise ins Weltall, wie wir sie noch nie zuvor erlebt haben. Im Test zeigen wir, warum ihr euch das schnieke VR-Abenteuer mit Online-Fokus nicht entgehen lassen solltet.

Im Dunkel des Alls ist es nur unscheinbarer Punkt, der verloren wirkt - zwischen den Sternen und der Pracht der interstellaren Nebel, zwischen der wilden Schönheit von Gasriesen und den zerklüfteten Oberflächen der Asteroiden. Doch dieser Punkt ist unser Ziel nach einem Notruf. Das charakteristische, regelmäßig ertönende "Ping" der Sensoren erfüllt die Brücke. Und auf dem Display wird aus dem Punkt langsam ein havariertes Raumschiff. Mit Überlebenden an Bord.

Natürlich eilen wir mit unserem Föderationsraumschiff U.S.S. Aegis zur Hilfe und wollen sie an Bord beamen. Plötzlich tauchen weitere Schiffe auf und eröffnen sofort das Feuer. War es eine Falle oder Zufall? Das spielt nun keine Rolle. Die Schilde fahren hoch, doch das dauert etwas. Bei den ersten schweren Treffern sprühen Funken, Rauch steigt auf. Ein Feuer bricht auf der Brücke aus und ein KI-Besatzungsmitglied stirbt durch eine Explosion.

Der Steuermann bringt uns in eine günstigere Position, der taktische Offizier lädt die Torpedos und scannt die Gegner. Der Captain gibt Befehle. Vor allem dem Bordingenieur, der versucht, Energie von Phasern und Antrieb auf die Schilde umzuleiten - während Reparatur-Crews auf ihre Einsätze warten. Um zu bestehen, muss ein Rad ins andere greifen. Auf einer Brücke, die unter der Playstation-VR-Brille (PS4 Pro im Test) einfach nur grandios aussieht.

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Viel Liebe zum Detail

Mit sehr viel Liebe zum Detail haben Ubisoft und die Tochterfirma Red Storm in "Star Trek Bridge Crew" ein Raumschiff aus den neueren Enterprise-Filmen des Abrams-Reboots in der virtuellen Realität erschaffen. Die helle Brücke wird dominiert von Blautönen und vielen Lichtern. Als ich zum ersten Mal eine Station übernehme, blicke ich zunächst um mich, sauge die Atmosphäre auf und fühle mich sehr schnell als Teil des Star-Trek-Universums.

Dafür sorgen auch die originalgetreuen Soundeffekte, die man aus den Filmen kennt. Ob es nun das Ping der Sensoren, das Geräusch des Impulsantriebes oder eines feuernden Phasers ist, ob es der Sound eines Transporters oder der hochfahrenden Schilde ist - alles wirkt vertraut und stimmig und baut die Star-Trek-Illusion auf. Für das Gefühl, auf einer Brücke aus den Filmen zu sitzen, sorgen auch die Statusmeldungen der KI- Besatzungsmitglieder um mich herum. Beachten muss ich sie nicht, aber sie verstärken den Eindruck, dass auf der Brücke viele zusammenarbeiten und ich Teil eines Teams bin.

Das Spiel lässt mir indes die Wahl: Ich kann es alleine bewältigen, oder ich breche online mit bis zu drei Mitspielern ins All auf. In beiden Fällen kann ich der Captain sein oder eine von drei weiteren Rollen übernehmen: Beim Steuermann, taktischen Offizier oder Bord-Ingenieur dominieren auf der U.S.S. Aegis die Blautöne der virtuellen Touchscreens, die ich mit den Move-Controllern (optional kann man auch den „gewöhnlichen“ Controller benutzen) bediene. Im Spiel selbst sind meine Arme, Hände und Fingern aber stets etwas ungelenk. Scheinbar hat mein Avatar literweise romulanisches Ale oder klingonischen Blutwein genossen. Das sieht nicht nur witzig aus. So unterscheiden sich so von Menschen kontrollierte Figuren deutlich von den KI-Offizieren an Bord.

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Als Kommandant dagegen throne ich auf dem Stuhl des Captains in der Mitte der Brücke. Ich nehme Funksprüche an, nur ich kenne die Missionsziele und ich markiere Ziele auf den Karten. Zudem gebe ich dem Steuermann, dem taktischen Offizier oder dem Ingenieur Anweisungen.

Alleine wird es hektisch und es macht trotzdem Spaß

Spielt man alleine, bewältigen die vom Computer gesteuerten Offiziere und Fähnriche ihre Arbeit meist recht gut. Nur der KI-Steuermann ist bisweilen etwas begriffsstutzig. Wenn er ein Ziel erreicht hat, könnte er daran vorbeifliegen. Tatsächlich fliegt er regelmäßig dagegen.

Im Einzelspieler-Modus bedeutet es, dass ich immer wieder zwischen den Rollen wechsle: vom Captain zum Steuermann, zum taktischen Offizier, zum Captain, zum Bordingenieur, zum Steuermann. Das ist hektisch, das ist anstrengend, aber es macht trotzdem Spaß. Zu großartig ist dieses Gefühl, ein Föderationsraumschiff zu kontrollieren, um mit ihm Havarierte aus Notlagen zu beamen, um an Asteroiden und Anomalien vorbei zu steuern, um Raumschiffe zu scannen -– und um beispielsweise gegen Klingonen anzutreten.

Sogar der berühmte "Kobayashi Maru"-Test ist Teil des Spiels. Wer ihn nicht kennt: Man soll mehr als 300 Überlebende aus einem Föderationsraumschiff, der Kobayashi Maru, beamen, das nach einem Unfall in die Grenz-Zone zum Reich der Klingonen gedriftet ist. Macht man das, werden das eigene Schiff und die Maru angegriffen, weil man den Friedensvertrag verletzt hat. Die Überlebenschancen sind überaus gering.

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Im Multiplayer wird das Spiel dann grandios

So viel Spaß das alles alleine macht, richtig gut und grandios wird "Bridge Crew" erst dann, wenn man online mit drei Mitspielern antritt. Dafür unterstützt das Spiel Cross-Play: Egal, ob mit Playstation VR auf der PS4, ob mit Oculus Rift oder HTC Vive auf dem PC - alle können auf einer Brücke sitzen und zusammenarbeiten.

Und es funktioniert tatsächlich problemlos. So wird die Spielerbasis sehr viel größer als bei engen Systemgrenzen. Zum Glück: Nichts ersetzt die Interaktion mit echten Menschen. Erst recht nicht, wenn der Captain sagt: "So, jäätzt rächs vorbei an de Felsendingen und dann op de Glitzerdingen zuä." Der Captain kommt hörbar aus Köln. "Und du dä in dä rote Juniform. Mach ma‘ Kaffee für die Jungs hä.“ Das kann man nicht programmieren oder simulieren, das kann nur erleben und genießen.

Wenn wir gleichzeitig einer Supernova entkommen, Überlebende retten und uns gegen Gegner zur Wehr setzen, werden alle nervös. So einfach die Konsolen auf der Brücke anfangs wirken, sie bieten viele Möglichkeiten, um zu reagieren. Oder um Fehler zu machen. Und in der Hektik werden Fehler gemacht, die dann alle Spieler zusammen wieder ausbügeln. Es ist eine Erfahrung, die zusammenschweißt und ein besonderes Band zwischen uns virtuellen Offizieren knüpft.

Auch wenn wir uns nie gesehen haben und uns nicht kennen, wir fühlen uns wie eine Mannschaft, werden immer besser und folgen dem Captain. Im Spiel gibt es immer wieder Situationen, in denen er mehrere Optionen hat und uns sagen muss, wie wir als Team vorgehen werden – während wir bei der Kampagne eine neue Heimatwelt für die Vulkanier suchen und dabei diverse Probleme lösen oder Krisen bewältigen müssen.

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Die Enterprise aus den 1960ern ist eine Herausforderung

Noch schwieriger wird es, wenn man statt der Kampagne das „freie“ Spiel mit unterschiedlichsten Missionen wählt – und das mit der Enterprise der Originalserie aus den 1960ern. Statt selbsterklärender Touchscreens sehe ich nur noch bunte, bonbonfarbene Knöpfe, deren Funktion ich einblenden kann. Und das muss ich auch, sonst wäre ich verloren. Es wirkt verwirrend und es benötigt Zeit, damit umgehen zu können.

Es gibt auch keine Displays, sondern nur alles andere als modern wirkende Anzeigen. Ziele markiere ich auch nicht mit einem virtuellen Finger, sondern ich schalte mich durch – von einem Ziel zum nächsten. Es ist komplizierter, die alte Enterprise zu kontrollieren als die moderne Aegis. Auch da haben Ubisoft und die Tochter Red Storm alles getan, um jedes Detail der TV-Serie in der virtuellen Welt einzufangen. Von der Farbgebung bis zur Sitzanordnung scheint es genau die Brücke zu sein, die ich als Kind so oft gesehen habe. Und ich fühle mich in jene Zeit zurückversetzt, als Star Trek jung, bunt, poppig und ein Produkt der 1960er samt der Visionen jener Zeit war.

Natürlich ist nicht alles perfekt in "Bridge Crew". Es ist zwar kleinlich, aber so grandios die Soundeffekte sind, mir fehlt die Musik aus den Filmen und aus der Serie. Auch die eine oder andere Textur wirkt bisweilen verwaschen. Das fällt indes nur selten auf. Zu sehr bin ich damit beschäftigt, meine Aufgaben zu bewältigen oder per Tastendruck zur Außenansicht zu wechseln. Dann blicke ich von oben auf mein Schiff, das mit Impuls durch die Galaxis rast. Vorbei an glühenden Sonnen, bunten Nebeln und Planeten. Das sieht immer wieder aufs Neue beeindruckend aus und zieht etwas in mir mit auf die Reise zu den Sternen.

Ich fand es darum nicht schlimm, dass ich an meinen Platz auf der Brücke gebunden war. Nie hatte ich das Bedürfnis während einer Mission aufzustehen und durchs Schiff zu laufen. Dafür müsste es auch Phasen geben, in denen ich von meinen Aufgaben entbunden wäre. Im laufenden Spiel vor allem auch mit anderen Online-Playern würde das nicht funktionieren. Zudem verhindert der feste Sitzplatz auch, dass sich die VR-„Seekrankheit“ einschleicht. „Bridge Crew“ kann ich stundenlang spielen, ohne dass mir unter der VR-Brille auch nur einmal übel wird.

Fazit

Das Spiel zeigt, wozu die virtuelle Realität in Stande ist. Die Atmosphäre, das Gefühl Teil einer Mannschaft zu sein und die soziale Dynamik – das habe ich selten so intensiv erlebt. Dazu kommen Star-Trek-Flair und die Hoffnung, noch lange nicht das Ende des Spiels erlebt zu haben. Es gibt noch so viele Möglichkeiten für Abenteuer zwischen den Sternen und für neue Schiffe aus dem großen Enterprise-Universum.

Wir geben „Star Trek Bridge Crew“ 9 von 11 Sensoren-Pings, 44 von 48 Barren goldgepresstes Latinum, 89 von 100 Dilithium-Kristallen und 118 von 125 Klingonischer Opern.

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