Nioh (PS4) im Test

An Englishman in Japan

Nioh (PS4) im Test: An Englishman in Japan Nioh (PS4) im Test: An Englishman in Japan Foto: Sony Interactive Entertainment
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Mit Nioh präsentiert Team Ninja einen konsolenexklusiven Titel, der besonders Fans von Dark Souls und Bloodbourne ansprechen soll. Mit einem ambitionierten Kampfsystem und einer Geschichte zwischen Fantasie und historischen Fakten will sich das Rollenspiel von der Konkurrenz abheben. In unserem Test klärt unser Spiele-Experte Michael Grünewald, ob das gelungen ist!

Ich weiß nicht ob es beabsichtigt ist, aber der Einstieg in das Spiel im Tower von London holt mich als Westeuropäer besser ab, als so manch anderes japanisches Rollenspiel. Ebenso mein alter Ego William: ein grauhaariger Engländer, der mich stark an Geralt aus der Witcher-Reihe erinnert. Doch schnell ändert sich das Terrain und ihr findet euch im feudalen Japan des 17. Jahrhunderts wieder. Als schwertschwingender Held kämpft ihr gegen Dämonen, Banditen und alles, was sich euch in den Weg stellen möchte.

Wie aus den „Souls“-Spielen gewohnt, ist das kein Zuckerschlecken! Besonders zu Beginn des Spiels ist jeder Feind, der sich euch gegenüberstellt. Eine Herausforderung! Denn passt ihr einmal nicht auf, dann segnet ihr schnell das Zeitliche. Daher lautet die Devise: ausweichen, wegrollen und blocken. Beherrscht ihr diese grundliegenden Defensivtaktiken, dann könnt ihr euch darum kümmern, euren Feinden den Garaus zu machen.

Flexibler Schwertschwinger

Die Kampfmechanik des Spiels ist gleichzeitig das Sahnestück von Nioh. Abgesehen von den vielen unterschiedlichen Waffentypen könnt ihr unterschiedliche Kampfstellungen einnehmen. Zum einen die hohe Position, in der ihr großen Schaden anrichtet, aber weniger mobil seid, der mittleren Stellung, die euch etwas agiler agieren lässt und die tiefe Stellung, die für blitzschnelle Kombinationen und schnelle Beine sorgt. Je nach Gegner- und Waffentyp lohnt sich der Wechsel – zumal dieser fließend und jederzeit auszuführen ist.

Für einen gelungenen Angriff eignen sich zudem die integrierten Fernkampfwaffen wie Bögen oder Musketen. Ein gezielter Schuss kann euch einen entscheidenden Vorteil im Gefecht liefern. Selbstverständlich könnt ihr auch allerhand Zubehör wie Bomben, Steine oder Tränke für eure Gunst einsetzen.

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Hund, Katze, Maus

Wie bereits erwähnt, bedient sich Nioh japanischer Fabeln und Fantasien. Daher werdet ihr mit Sicherheit den einen oder andern „WTF?!“-Moment erleben. Fliegende Geisterkatzen, Gestaltenwandler, Dämonen und Ninjas ergeben in der Kombination ein teilweise etwas kurioses Gesamtbild. Doch während die Geschichte des Spiels zu Beginn noch etwas merkwürdig daherkommt, klärt sich einiges im Verlaufe der rund 80 Stunden Spielzeit.

Interessant: euer Alter Ego besitzt einen Schutz-Geist. Dieser kommt in Form eines Fuchses, Stieres oder in vielen anderen Gestalten. Diese Geister sorgen für permanente Buffs und einem individuellen Spezialmodus, der zuerst aufgeladen werden muss und dann seine ganze Kraft freisetzt. Auch hier lohnt im Verlaufe des Spiels der eine oder andere Wechsel, je nachdem welche Art von Gegner euch gegenübersteht.

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Samurai oder Haudrauf?

Ein wichtiger Bestandteil des Spiels ist zudem das Charaktersystem. Genau wie in Bloodbourne und Co. sammelt ihr auch in Nioh Erfahrung durch jeden Kill und lasst diese fallen, sobald ihr selbst das Zeitliche segnet. Schafft ihr es aber zu einem der Schreine, die gleichzeitig Speicherpunkte sind, könnt ihr euren Charakter aufwerten. Hier verbessert ihr eure Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit und vieles mehr… Zudem meistert ihr im Verlaufe des Spiels unterschiedliche Waffenarten und könnt folglich neue Attacken und Bewegungen freischalten. Auch hier könnt ihr unterschiedliche Synergien mit euren Skills und anderen Talenten finden. Dieses ziemlich komplexe Charaktersystem ist zwar auf den ersten Blick etwas kompliziert, belohnt euch aber, wenn ihr einmal dahinter gestiegen seid.

Ein weiterer Faktor der euer Spiel beeinflusst, ist die Ausrüstung, die ihr bei euch tragt. Nicht nur Katana oder Speer entscheiden über euren Kampfstil, sondern auch welche Rüstung ihr tragt. Kleidet ihr euch von oben bis unten in Schwerer Rüstung, seid ihr zwar entsprechend resistent gegen feindliche Angriffe, gleichzeitig kommt euch aber die Beweglichkeit abhanden. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sorgt dafür, dass er den richtigen Ausgleich zwischen Gewicht und Verteidigung findet.

Je größer sie sind, desto tiefer können sie fallen

Ein entscheidender Faktor in Action-Rollenspielen wie Nioh sind Bosskämpfe. Bloodbourne und Dark Souls haben Spielern in der Vergangenheit eindrucksvoll beigebracht, Ehrfurcht und Respekt vor den noch kommenden Bossen zu haben. So auch Nioh. Zwar erreichen diese schweißtreibenden Duelle nicht ganz die Qualität der Konkurrenz, dennoch wird euch hier alles abverlangt. Frustresistenz ist hier eine Grundvoraussetzung. Umso befriedigender ist es allerdings, wenn die Bestie erlegt und die Beute eingesackt ist. Genau diese Momente machen Spiele wie Nioh zu einem Erlebnis.

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Fazit

Nioh ist kein Spiel für Casual Gamer – doch das sollte von vornherein klar sein. Vor allem, wenn man sich die Vorbilder des Spiels von Team Ninja anschaut. Trotz der Ähnlichkeit zu Dark Souls und Co. hat Nioh einen eigenständigen Charakter. Die coole Kampfmechanik, die etwas abgedreht Story und das Setting zeichnen das Spiel definitiv aus. Allgemein haben die Entwickler nahezu alles richtig gemacht und aus meiner Sicht auch den richtigen Schwierigkeitsgrad getroffen. Anspruchsvoll ja, chronisch frustrierend, nein. Wer sauber spielt, wird wie ein heißes Samurai-Schwert durch die Butter gleiten. Fans von Action-Rollenspielen sollten unbedingt zuschlagen, doch auch für weniger erfahrene Spieler lohnt sich ein Blick auf Nioh - spätestens wenn der nächste Sale im Playstation Network ansteht.

Nioh erhält von uns 89 von 100 erlegte Dämonen, 9 von 10 gemeisterte Kampftechniken und 5 von 5 geschärfte Katanas.

 

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