Warten auf die Revolution

"Homefront: The Revolution" im Test für PlayStation 4

Warten auf die Revolution: "Homefront: The Revolution" im Test für PlayStation 4 Warten auf die Revolution: "Homefront: The Revolution" im Test für PlayStation 4 Foto: Deep Silver
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Im Jahr 2011 hat THQ mit dem Titel Homefront ein gänzlich neues Szenario entwickelt, dass bisher noch Unbefleckt war. Ein fiktiver Kampf um die Freiheit in den Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Nord-Koreanische Besatzungsmacht. Der Shooter wurde von Presse und Spielern gleichermaßen positiv aufgenommen, beste Voraussetzungen für eine Fortsetzung. Wie die geworden ist, verrät unser Test.

Es war eine lange und beschwerliche Reise bis das neue "Homefront: The Revolution" in den Regalen der Händler stand. 2011 gab THQ den Auftrag an Crytek, einen Nachfolger des recht erfolgreichen ersten Teils zu entwickeln. Nachdem der Publisher Insolvenz anmelden musste kaufte das deutsche Unternehmen die Namensrechte selbst und ließ es von Crytek Nottingham weiterentwickeln. Nachdem auch Crytek mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und das Studio schloss, nahm sich der deutsche Publisher Koch Media/Deep Silver der Sache an. Viele Mitarbeiter des ehemaligen Crytek-Studios wechselten zum neu eröffneten Dambusters Studio in Nottingham.

Wie sagt man so schön: Viele Köche verderben den Brei. Verdorben ist "Homefront: The Revolution" nicht, doch merkt man dem Spiel den Entwicklungsprozess an. Die Probleme des Titels liegen vornehmlich auf der technischen Seite, diese können aber möglicherweise durch Patches noch nachträglich behoben werden. Aber dazu später mehr.

Wir sind das Volk!

Wie bereits der erste Teil der Serie ist es vor allem das interessante Szenario, dass aufhorchen lässt. Diesmal hat ein koreanischer Technologie-Konzern (KVA) für die Machtübernahme in den USA gesorgt. Folglich ist es an euch, die Vereinigten Staaten wieder zu befreien.

Dafür nehmt ihr zu Beginn des Spiels den Kontakt mit dem Untergrund auf. Ihr bekommt eine Waffe, etwas Munition und Verpflegung und begebt euch dann auf eure ersten Missionen. Danach werdet ihr von der Leine gelassen und könnt euch im besetzten Philadelphia frei bewegen – sofern die Koreanischen Truppen es zulassen. Sehr praktisch: Zur Hilfe kommt dabei auch ein Motorrad, dass uns die teils mühseligen Wege enorm verkürzt (inklusive cooler Stunts).

Homefront - image/jpeg

Um Gebiete von der Besatzungsmacht zu befreien, müsst ihr nicht nur Haupt- und Nebenmissionen, sondern auch einige optionale Ziele erfüllen: Stützpunkte und Sendemasten dienen der Erkundung und Eroberung. Das alles funktioniert ganz nach dem aus der Far-Cry-Serie bekannten Spielprinzip. Nebenbei erinnern die Kletterein in luftige Höhen, an Häusern und Masten hinauf, mehr als dezent an Techland's Zombie-Parcour "Dying Light". Aber besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht... oder so ähnlich. 

War. What is it good for?

Da euch die Nebenmissionen und optionalen Ziele erst einmal nur langsam vorankommen lassen, solltet ihr euch auf die Hauptgeschichte konzentrieren. Diese reißt uns im Großen und Ganzen zwar nicht vom Hocker, hat aber durchaus einige nennenwerte Momente.

Als Neu-Revoluzer Ethan Brady ist es eure Hauptaufgabe die Stadt von den Besatzern zu befreien – zumindest bis Guerillia-Führer Benjamin Walker angeschossen und entführt wird. Er ist der Protagonist des ersten Homefronts und somit eine Art Held der Revolution. Natürlich lernen wir noch weitere Charaktere im Laufe unserer Zeit in Philadelphia kennen. Diese sind zum Teil etwas klischeebehaftet: Ein Draufgänger, ein Arzt, eine leicht reizbare Dame und ein hilfsbereiten Mitstreiter.

Während wir in den Zwischensequenzen mehr über unsere Mitstreiter erfahren, bleibt der Feind die komplette Spielzeit über recht blass und unbeleuchtet. Das Spiel versteht es gut, die Besatzungsmacht als "das Unbekannte" darzustellen. Es gibt keinen Widersacher, der eine tiefere Persönlichkeit entwickelt, somit werden die Nordkoreanischen Truppen eine undurchschaubare Gewalt.

Kreative Ballermänner

Zwar ist das Arsenal von "Homefront: The Revolution" recht beschränkt, dennoch ist es gelungen. An den Waffenstationen können wir Verbesserungen wie ein neues Visier für unsere Waffe kaufen, oder uns mit neuer Munition versorgen.

Einen coolen Twist gibt es auch noch: Denn die Waffen lassen sich komplett verändern. Aus der Pistole wird somit in kurzer Zeit eine Maschinenpistole, oder wir bauen unsere Sniper zu einem Sturmgewehr um. Somit bieten die Waffen einen taktischen Mehrwert und können situativ und individuell angepasst werden.

Was aber noch viel mehr Spaß macht, sind die Gadgets. Computer hacken, Sachen in die Luft jagen und Gegner in die Luft sprengen sind plausible Methoden, um den Koreanern den Garaus zu machen. Doch ein Gadget macht besonders Spaß: das Funk-Auto. Dieses könnt ihr zum Beispiel mit Sprengstoff kombinieren und fahrt anschließend in eine Gruppe von Gegnern - was so ein kleines Auto doch alles bewirken kann!

Homefront 3 - image/jpeg

Als Guerilla-Kämpfer solltet ihr schauen, dass ihr eure Gadgets gut und oft einsetzt. Die offene Konfrontation mit der KVA kann sehr mühselig sein und nicht selten im verfrühten Ableben münden. Das vermittelt das richtige Gefühl für dieses Szenario, denn ihr solltet sprichwörtlich im Untergrund bleiben und aus dem Dunklen agieren.

Technischer Eintopf

Wie bereits erwähnt hat "Homefront: The Revolution" eine schwierige Produktion hinter sich. Die vielen Änderungen bei der Entwicklung des Spiels schlagen sich dementsprechend auch auf das fertige Produkt nieder.

Der Shooter sieht zwar durch die CryEngine mehr als ordentlich aus und überzeugt durch gute Lichteffekte, hat aber in der von uns getesteten PS4-Version gehörige Performanceprobleme. Die Framerate geht besonders in Situationen in denen viel auf dem Bildschirm passiert in den Keller.

Ständige Ruckler mindern den Spaß Homefront ungemein. Zudem haben wir festgestellt, dass es trotz Day-One-Patch Probleme mit Bugs und Fehlern im Spiel gibt. Feinde spawnen teilweise in unmittelbarer Nähe neu oder verschwinden in den Feuergefechten, nur um dann einige Sekunden später wieder aufzutauchen.

Leider sind diesen technischen Schwächen so eklatant, dass "Homefront: The Revolution" zum Zeitpunkt des Erscheinens kaum spielbar ist. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler weiter mit Hochdruck an Lösungsversuchen arbeiten.

Homefront 2 - image/jpeg

Fazit

"Homefront: The Revolution" hat es mit Sicherheit nicht einfach gehabt. Dennoch ist das Spiel zum jetzigen Zeitpunkt leider technisch derart verkorkst, dass wir es kaum weiter empfehlen können.

Schade, denn eigentlich bringt der Shooter alles mit, um wirklich unterhaltsam zu sein: Ein interessantes Szenario, einige gute Ideen, eine funktionierende Spielmechanik und eine große, stimmige Welt. Auch die Hauptgeschichte des Titels erfindet das Rad nicht neu, lebt aber von der gut inszenierten Bedrohung der Besatzungsmacht in den USA.

Kurz: Alle Interessenten warten mit dem Kauf besser noch ein wenig ab und werfen einen Blick auf die zukünftige Patch-Geschichte seitens der Entwickler. 

"Homefront: The Revolution" bekommt von uns daher 66 Prozent Guerilla-Feeling, 6 ½ von 10 abgeschossenen Drohnen und 3 von 5 befreite Stadtteile von Philadelphia.

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