Game of Thrones: A Telltale Games Series im Test

Kapitel 1: Iron from Ice

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Mit der Versoftung von Game of Thrones wagen sich die kalifornischen Entwickler von Telltale Games an ihr bislang wohl ehrgeizigstes Projekt. Wir haben uns durch das erste Kapitel der auf sechs Teile angelegten Staffel gekämpft und verraten, ob sich der virtuelle Besuch in Westeros lohnt.

Gleich zu Beginn will ich die wichtigsten Punkte gleich klarstellen: Auch die Adaption von Game of Thrones ist Telltale-typisch weniger Spiel, als vielmehr "Visual Novel". Neben einigen Quicktime-Events ("Drücke links, drücke rechts, halte die rechte Schultertaste gedrückt und bestätige mit A") und den mal mehr, mal weniger entscheidenden Dialog-Optionen, mit denen Ihr Euch die Geschichte laut Telltale selbst zusammenschustern könnt, hält Euch auch das erste Kapitel "Iron from Ice" allen voran durch die fabulös fabrizierte, gute zwei Stunden andauernde Handlung bei Laune.

Womit wir gleich zum großen, großen, oh soooo großen ABER kommen: Wer Game of Thrones tatsächlich noch nicht gesehen, bzw. gelesen hat, der sollte einen großen Bogen um dieses Spiel machen!

Die Handlung setzt praktisch mitten in der übergeordneten Handlung an und spoilert Euch eines der wohl heftigsten Ereignisse binnen weniger Minuten nach Spielstart. Will heißen: Wer nicht mindestens das dritte Buch, oder die dritte TV-Staffel zu Ende gesehen hat, der lässt das Spiel besser links liegen und kümmert sich erst mal darum die Hauptgeschichte durchzuackern.

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Das erst kürzlich von uns getestete Tales from the Borderlands hat ein ganz ähnliches Problem: Ohne ausführliche Kenntnis des übergeordneten Fantasy-Kosmos verpuffen viele Gags im Nichts und viele bekannte Figuren rennen vor die "Hä? Wer ist das?"-Mauer. Nicht falsch verstehen: Beide Titel sind ganz hervorragender Fan-Service, für Neu-Einsteiger aber nur äußerst schwer – wenn überhaupt – zugänglich.

Bei der Qualität und Sicherheit, welche Telltale aktuell in ihrem schriftstellerischen Können und der Auswahl der Synchronsprecher beweist, würde ich mir fast wünschen, dass sich die Kalifornier an einem eigens kreierten Universum versuchen.

Zurück zu den Forresters, dem Hause tapferer Nordmänner, welche in den Büchern und der TV-Serie nur angerissen, im Spiel jedoch fokussiert werden. Um den Spielverlauf spannend zu halten und die extreme Weite von Westeros entsprechend abbilden zu können, bedienen sich Telltale Games auch hier dem Kniff zwischen verschiedenen Charakteren hin- und her zu wechseln. Ohne allzu viel in die Details zu gehen (Spoiler und so, "hust"), verdient Ihr Euch zu Beginn als Knappe von Lord Forrester die Sporen, versucht Euch als junger Lord und stattet in Form der charmanten Mira Forrester als Zofe von Margaery Tyrell sogar King's Landing (Königsmund) einen Besuch ab.

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Vielmehr will ich Euch an dieser Stelle gar nicht verraten, außer dass die Geschichte gewohnt spannend inszeniert und mit zahlreichen überraschenden Wendungen versehen ist. Kurz: Game of Thrones Fans kommen kaum um das Spiel herum, erweitert es die bekannte Geschichte doch um eine stark ausformulierte und genial präsentierte Komponente.

Visuell zeigt sich die erste Folge in bester und gewohnter Telltale-Qualität: Mal abgesehen von einigen steifen Animationen passt der Comic-Look erstaunlich gut und stellt selbst bekannte Charaktere hervorragend dar. Unglaublich gut ist die Vertonung, welche auf aus der Serie bekannte Stars wie Peter Dinklage (Tyrion Lannister) zurückgreift. Leider schlichen sich in meine erste Runde einige Soundbugs ins Spiel, doch ich gehe fest davon aus, dass Telltale diesbezüglich mit einem baldigen Patch Aushilfe leisten wird.

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Schade: Auch in Game of Thrones setzt Telltale Games weiter auf recht brutale Schock- und Ekel-Szenen. Natürlich sind die Bücher und die TV-Serie in dieser Hinsicht keine Heiligen, aber bei dem Hintergrund der Spiele-Geschichte von Telltale („The Walking Dead“) fühlen sich viele dieser Szenen ein wenig auf Skandal gebürstet an. Oder kurz: Es hätte durchaus auch ohne abgehackte Gliedmaßen und die Behandlung offener Wunden mit Maden funktioniert!