Fantastisches Rollenspiel mit Makeln

Final Fantasy XV im Test für PlayStation 4

Fantastisches Rollenspiel mit Makeln: Final Fantasy XV im Test für PlayStation 4 Fantastisches Rollenspiel mit Makeln: Final Fantasy XV im Test für PlayStation 4 Foto: Square Enix
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Der neue Meilenstein aus dem Hause Square Enix ist da und bricht mit aktuell über fünf Millionen verkauften Einheiten schon jetzt Rekorde. Rund zehn Jahre dauerte die Entwicklungszeit. Das Ergebnis macht Spaß, hat aber einige Probleme.

Zugegeben: Final Fantasy XV war keine zehn Jahre in der Mache. Rund die Hälfte davon sollte es ein komplett anderes Spiel werden – Final Fantasy Versus XIII – und in der Welt der drei Vorgängerteile von Final Fantasy XIII spielen. Da die Trilogie bei den Fans aber nicht sonderlich auf Liebe traf, sich das Release Datum mehrfach verschob und schlussendlich der Hauptverantwortliche die Segel strich, entschied man sich bei Square Enix, einen neuen Weg einzuschlagen. Kurzerhand wurde aus einem fast fertigen Spiel ein neues gezimmert. Das merkt man leider – Charme hat es aber dennoch.

Chocobos und fliegende Autos Final Fantasy XV - Screenshots 29 Fotos

Mitten in die Welt von Eos

Spieler, die vorher den dazugehörigen Film "Kingsglaive: Final Fantasy XV" nicht gesehen haben, wirft das Spiel ohne viele Erläuterungen zur Handlung ins kalte Wasser. Als Protagonist Prinz Noctis Lucis Caelum verlasst ihr mit den besten Freunden Prompto, Ignis und Gladiolus, die Mitglieder der Königsgarde sind, die Hauptstadt Lucis. Es gilt, eine politische Hochzeit mit dem Orakel Lunafreya einzugehen.

Aus der Vermählung erhofft sich König Regis die angespannte Situation zwischen seinem Königreich und dem Niflheimer Imperium zu entschärfen – weit gefehlt. Kaum verlässt die Gruppe um den Helden die Königsstadt, wird diese vom Imperium attackiert und der König ermordet. Mit Racheschwur gegen Niflheim startet das Spiel und entlässt euch in die offene Welt.

Bewährter Spielablauf ade

Liebhaber einer frei begehbaren Welt können sich über eine große Anzahl an Nebenmissionen, Jagdaufgaben oder einfach der Möglichkeit, an alten Spielautomaten zu spielen, erfreuen. Soll heißen: Das Abenteuer ist zunächst nicht mehr so linear wie es noch in den Vorgängern war. Für den Großteil der Fans eine gute Sache.

Allerdings sei das Augenmerk auf "zunächst" gerichtet. Denn genre-unüblich dürft ihr euch beim neuesten Ableger der Serie nur zu Beginn über eine offene Spielwelt freuen. Diese wird euch nach rund der Hälfte des Spiels aus der Hand gerissen. In herkömmlichen Rollenspielen schaltet ihr nach und nach mehr Gebiete frei und könnt anschließend die offene Welt betreten – eine 180 Grad-Drehung also.

Final Fantasy XV (4) - image/jpeg

Grafischer Vorreiter auf den Konsolen

Solange ihr die Welt von Eos aber frei erkunden könnt, ist es ein optisches Feuerwerk für die Augen. Die Gebiete sind sehr detailliert und vor allem abwechslungsreich entworfen. Ihr schreitet durch Wälder, einen großen See, sumpfiges Areal und ein besonderes Highlight: einen riesigen Meteorkrater, nach dessen Erklimmen ein traumhafter Anblick über die Landschaft winkt.

Allgemein sind 360-Grad Blicke auf höher gelegenen Orten immer eine Betrachtung wert. Das Spiel gehört derzeit zu den schönsten Titeln, die die aktuelle Konsolengeneration zu bieten hat. Square Enix ist sich dessen wohl bewusst und ermutigt euch sogar zum Erkunden – viele Items und Schätze sind über die gesamte Spielwelt versteckt.

Final Fantasy XV (9) - image/jpeg

Es gibt was auf die Ohren

Die Spielreihe Final Fantasy ist über einen weiten Zeitraum mit einem Namen verbunden – Nobuo Uematsu. Die musikalische Untermalung von Teil eins bis elf gehen auf sein Konto. Seit seinem Rückzug 2004 gab es keinen so ohrwurmhaften Soundtrack mehr wie davor. Trotzdem ist der Klang von Final Fantasy 15 eine absolutes Highlight für die Ohren. Das Markenzeichen der Reihe ist die Musik, und das lässt sich Square Enix nicht nehmen.

Aber auch Uematsu zollt den Entwicklern im Spiel seinen Tribut. Über das Spiel verteilt kann man bei Händlern die Soundtracks der vergangenen Spiele erwerben und im Autoradio hören. Ein musikalisches Fest, dass alleine dafür sorgt, auf den Schnellreisemodus zu verzichten und lieber etwas länger in Nostalgie zu schwelgen. Ein kleines Detail, das aber viele von euch erfreuen wird. Fanservice par excellence!

Reisen mit Einschränkungen

Damit ihr bei einer solch großen Welt zumindest eine grobe Orientierung bekommt, könnt ihr in den Dörfern und Städten mit den Händlern sprechen. Dadurch werden wichtige Punkte wie Lagerstellen oder nahegelegene Dörfer in der Karte eingezeichnet. Das Erreichen ist zu Fuß aber sehr langatmig. Abhilfe schafft euer privates Auto, ein nobler "Regalia".

Leider schränkt euch das Spiel beim Autofahren sehr ein. Die Unterscheidung zwischen automatischer und manueller Steuerung ist zwar eine gute Sache, das eigene Steuern beschränkt sich aber aufs Gas geben und Bremsen. Lenken ist nur möglich, wenn auch wirklich eine Straße in die gewählte Richtung verläuft. Übers Gras rasen, einen Zaun durchbrechen oder mutwillig gegen Menschen fahren, wie beispielsweise bei der GTA-Reihe, ist nicht möglich.

Zudem müsst ihr nach einer Weile sogar zum Tanken anhalten. Das macht den Regalia überspitzt betrachtet überflüssig. Eine bessere Möglichkeit zum beinahe uneingeschränkten Rasen gibt es aber dennoch: Chocobos, die beliebten gelben Reitvögel der Rollenspielserie. Diese schaltet ihr recht schnell im Spielverlauf frei und könnt sie an Mietstationen gegen Gil erwerben. Dadurch ist es euch möglich, die Vielzahl an optionalen Dungeons zu entdecken, die euch nach Bewältigung mit Verbesserungen für die Waffe von Noctis belohnen.

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Modernes Kampfsystem mit Makeln

Das Erkunden ist aber nur ein Teil von Final Fantasy XV, der andere Kernpunkt ist das Kämpfen. Das ist zum Leid vieler treuer Fans inzwischen ziemlich weit vom Ursprung entfernt. Die klassischen Titel der Rollenspielreihe zeichneten ein rundenbasierendes Kampfsystem aus. So gab es zum Beispiel Zeit zur genauen Planung einer Taktik. Das ist spätestens seit Final Fantasy 13 vorbei.

Beim aktuellen Teil setzt Square Enix auf ein ganz neues System. Eure Hauptfigur kann bis zu vier verschiedene Waffen tragen, die bei jeweiliger Benutzung aber nur eine Taste benötigen. So kommt leider schnell das stupide Gefühl von Tastenhämmern ohne viel nachzudenken auf einen zu.

Etwas dynamischer macht den Kampf die Tatsache, dass Ausweichen ein wichtiges Element geworden ist. Der richtige Knopfdruck im passenden Moment kann sogar für einen Komboangriff sorgen. Das Kampfsystem sieht wirklich gut aus und wirkt viel moderner und schneller als bisher, hat aber mit den Ursprüngen nicht mehr viel zu tun und funktioniert arg vereinfacht. Dazu hat die Kamera oft Probleme, den schnellen Bewegungen zu folgen.

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Fotografieren und Kochen

Durch die gewonnene Erfahrung in den Kämpfen sammelt ihr rollenspieltypisch Erfahrungspunkte, die in satten zehn Talentbäumen verteilt werden dürfen. Eine mehr als komplexe Tiefe bei der Entwicklung der Charaktere ist also gegeben. Die erkämpften Punkte werden allerdings erst bei einer Übernachtung angerechnet. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten. Übernachtet ihr mit der Truppe in einem Zelt, passiert nichts, in einem Wohnwagen gibt es erhöhte Erfahrung und in einem Hotel werden die Punkte sogar verdoppelt.

Darüber hinaus hat jeder eurer Mitstreiter ein Spezialtalent. Während Noctis angeln kann, findet Gladiolus nach Kämpfen bessere Items und Prompto fotografiert während des gesamten Spiels und ermöglicht euch das Teilen der Schnappschüsse über das Playstation Network. Ignis besitzt die interessanteste Spezialfähigkeit – er ist Koch. Durch seine Speisen erhält die Truppe verschiedene Boni, beispielsweise erhöhte Angriffskraft oder mehr Trefferpunkte. Neue Gerichte lernt er bei Händlern sowie durch das Entdecken unbekannter Zutaten.

Verschenktes Potential bei der Handlung

Beim wichtigsten Punkt eines jeden Final Fantasy – der Story - hat der aktuellste Ableger leider wieder Probleme. Trotz verschiedener Wendungen, stimmiger musikalischer Untermalung und epischen Bosskämpfen kommt beim Plot keine mitreißende Spannung auf. Ab der zweiten Spielhälfte wird man regelrecht von Ort zu Ort gehetzt.

Dazu ist die Geschichte vergleichsweise recht kurz. Löst ihr jedes Geheimnis, alle Nebenquest und die Haupthandlung, kommt man auf rund 50 Stunden Spielzeit, nur mit dem Plot auf knapp 25 Stunden. Das ist keine Katastrophe, aber Potential für mehr wäre da gewesen. Zukünftige DLCs werden dafür wahrscheinlich Abhilfe schaffen.

Fazit

Final Fantasy 15 ist nach der langen Entwicklung leider nicht das erhoffte Meisterwerk geworden, welches viele erhofft haben - besonders langjährige Fans wie ich. Dennoch ist es ein gutes Rollenspiel, das neben den genannten Schwächen alle Elemente liefert, die ich vom Genre erwarte.

Trotz der eher mäßigen Story hatte ich viele Stunden wirklich Spaß mit dem Titel. Die Welt von Eos ist wunderschön und wartet nur darauf, erkundet zu werden. Das neue Kampfsystem bleibt Geschmackssache, meins ist es leider nicht – modern und dynamischer ist es aber auf alle Fälle. Und dann ist da ja noch das coole Autoradio mit seinen zahlreichen, musikalischen Flashbacks an alte Serienteile.

Das Spiel fühlt sich an wie ein Final Fantasy und das ist das Wichtigste. Wenn der nächste Teil von Grund auf so entwickelt und nicht mittendrin durcheinander geworfen wird, bin ich optimistisch, dass uns endlich wieder etwas Großes erwartet.

Final Fantasy 15 erhält von uns 8 von 10 Kochzutaten, 8000 von 10000 Erfahrungspunkten und einen 82 Prozent vollen Autotank.

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