Richtig schön schmutzig

Dirt Rally im Test für PlayStation 4 und Xbox One

Richtig schön schmutzig: Dirt Rally im Test für PlayStation 4 und Xbox One Richtig schön schmutzig: Dirt Rally im Test für PlayStation 4 und Xbox One Foto: Codemasters

Bereits seit Jahren wartet die versammelte Rally-Fangemeinde auf einen neuen, virtuellen Heiland, doch abseits von dem eher negativ aufgenommenen Dirt 3 (anno 2011), den Rally-Strecken in Gran Turismo 5 (anno 2010) und dem ohnehin querfeldein spielenden Forza Horizon 2 (anno 2014), sah es zuletzt eher düster aus.

Auch das zuletzt veröffentlichte Sébastien Loeb Rally Evo (29. Januar 2016) brachte kaum Erleichterung: Trotz zahlreicher Inhalte blieb der Titel optisch bieder in Erinnerung und konnnte das Gefühl mit unzähligen PS durch Mutter Natur zu preschen nicht wirklich auf den Spieler übertragen.

Nun also liegt wieder alles an Codemasters, der britischen Entwicklerschmiede aus Birmingham, die bereits einen Haufen an Erfahrung mit sich bringen – immerhin brachten sie bereits 1987 den ATV Simulator für das ZX Spectrum, Commodore 64 und die Amstrad CPC heraus, bis 1998 endlich das erste "Colin McRae Rally" erschien.

Auf Schlammkur Dirt Rally - Screenshots 18 Fotos

18 Jahre später liegt nun Dirt Rally vor uns: Am 27. April 2015 auf PC in die Early Access gestartet, hat sich der Titel seitdem nicht nur audiovisuell, sondern auch in Sachen Inhalt ordentlich herausgeputzt und ist nun neben PC auch für Xbox One und PlayStation 4 erhältlich.

Zurück zu den Wurzeln

Codemasters trennt sich zum Glück vom "Trendsport-Image", welches der Publisher zuletzt mit Dirt 3 und der Gymkhana-Variante aufgebaut hat, und setzt wieder auf mehr Realismus. Bereits binnen der ersten Spielstunden wird klar: Dirt Rally ist bockschwer und kein Spiel für Anfänger. Wer modernen Schnickschnack wie eine Rückspulfunktion zum Beseitigen nerviger Fahrfehler sucht, ist hier an der falschen Adresse.

Doch der neue Purismus findet sich nur in der Spielmechanik wieder, sondern auch in der optischen Aufmachung: Die Menüs sind übersichtlich und frei von frechen "Trendfarben", der Karriere-Modus spart sich nervige PR-Filmchen und auch während der Rennen lenkt euch – außer der Stimme eures Co-Piloten - nichts vom Geschehen ab: Feuerwerk, Hubschrauber und Pyro-Technik auf der Zielgraden überlässt Codemasters der Konkurrenz.

Wer Hilfen wie ABS und Stabilitätskontrolle abschaltet, wird endlich wieder mit einer vollwertigen Fahrphysik konfrontiert, welche extrem auf Realismus getrimmt wurde: Doch selbst mit den eingeschalteten Hilfen dürftet ihr zuerst den ein, oder anderen Abhang herunterfahren, bis sich so etwas wie Sicherheit im Cockpit breitmacht.

Apropos Cockpit: Obwohl Dirt Rally auch aus der Außenansicht ein hervorragendes Bild abgibt, kommen ernsthafte Fahrer wohl kaum um die Ego-Perspektive herum. Wenn Staubwolken und Dreck auf die Windschutzscheibe herabregnen und ihr bei jeder Kurve instinktiv den Kopf nach hinten reckt, darf man Codemasters getrost ein "Mission accomplished!" ausstellen.

Schlammbad

Brutal ist nicht nur das Verhalten der Karossen auf den diversen Untergründen, sondern auch die Zeitstrafen: Wer von der Strecke segelt, kassiert gerne mal bis zu 15 Sekunden auf die Streckenzeit. In der Rally Cross Variante müsst ihr zudem einmal pro Etappe eine längere Joker-Runde fahren, ansonsten fallen auch hier Minus-Sekunden an. Selbst für Reparaturen nach dem Rennen gibt es nur ein enges Zeitkontingent: Ein Grund mehr auf die werte Karre zu achten und besser einmal zu viel, als zu wenig abzubremsen.

Nicht ganz so realistisch kommt das Schadensmodell daher: Visuell werden abfallende Karosserie-Teile, Beulen und Dreck hervorragend dargestellt, doch mechanisch bieten sie nur geringe Auswirkungen auf das Fahrverhalten der gewählten Karre. Auch der ein oder andere Crash würde in der Realität wohl auf einen Totalschaden hinauslaufen, während wir bei Dirt Rally munter weiterfahren dürfen.

Die Königsklasse betretet ihr übrigens mit angeschlossenem Force-Feedback-Lenkrad und Pedalen: Hier rast der Titel in ganz neue Spaß- und Realismus-Sphären. Einzig die starre Adaption der Lenkrad-Bewegungen in der Cockpit-Perspektive können ablenken: Wer beim Lenken umgreift und gerne wie auf einem Piratenschiff herumrudert, findet die auf 180 Grad ausgelegten Bewegungen im Spiel eventuell unpassend. Immerhin lässt sich das Lenkrad in den Optionen komplett ausblenden.

Mit Griechenland, Wales, Monaco, Deutschland, Finnland und Schweden bietet euch Dirt Rally gleich sechs unterschiedliche Streckenhintergründe und unzählige Streckenuntergründe: Von losem Kies über Schnee bis hin zu Matsch dürft ihr eure Karre so richtig einsauen.

Abseits der "normalen" Rally gibt es zudem noch die bereits genannten Rally Cross Rennen, in denen ihr zusammen mit anderen Fahrzeugen auf die Piste geht. Last but not least dürft ihr am legendären Pikes Peak Rennen teilnehmen und die fast 20 Kilometer lange Bergstrecke beständig nach oben rasen. The Sky's the Limit!

Technisch präsentiert sich das Spektakel sowohl auf Xbox One als auch auf PlayStation 4 sauber, wobei die PS4-Version abermals in einigen Teilbereichen die Nase vorn hat. Konsolenexklusiv gibt es darüberhinaus 7 neue Karossen, neue Video Guides, den "Vintage Pikes Peak" auf Schotter, sowie einige Colin McRae Skins. Käufer der "Legend"-Edition freuen sich darüberhinaus über die beiliegende "Colin McRae – Rally Legend" Blu-ray.

Fazit

Dirt Rally pumpt pures Benzin in euren Blutkreislauf: Dank der nicht vorhandenen Rückspulfunktion ist jeder Fehler auf der Strecke bereits das potentielle Aus für die Bestzeit. Das lässt das Adrenalin ordentlich in Fahrt kommen.

Technisch thront der Titel auf hohem Level, spielmechanisch auf dem höchsten: Die Lenkung der Boliden ist perfekt auf den Punkt getroffen und lässt dank zahlreicher Bastel-Optionen die Herzen von Rally- und Realismus-Fans höher schlagen.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Sog-Wirkung der Karriere, welche ohne nervige "Trendsport"-Spirentzkes über die Mattscheibe flackert. Negativ ist einzig der anfangs doch eher geringe Verdienst durch die Rennen und das lange Ansparen der nötigen Gelder für neue Karossen. Auf der anderen Seite: Je länger ihr dran bleibt, desto höher fällt der Lohn aus. Wer das erste Mal fehlerfrei über einen Kurs rast, wird sicher vom absoluten Freudentraumel überwältigt.

Kurz: Rally-Fans müssen nicht länger träumen! Es wird Zeit aufzuwachen!

Dirt Rally erhält von uns 90 Prozent Schotteranteil auf der Straße, 9 von 10 erfolgreich gewechselten Radaufhängungen und 4 von 5 rasanten Serpintenfahrten im lauschigen Griechenland.

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