Al Capone, Dämonen und Blaubeerkuchen

"Blues and Bullets Episode 1" im Test für PC

Al Capone, Dämonen und Blaubeerkuchen: "Blues and Bullets Episode 1" im Test für PC Al Capone, Dämonen und Blaubeerkuchen: "Blues and Bullets Episode 1" im Test für PC Foto: A Crowd of Monsters

Visuell stark an "Sin City" angelehnt und allen voran auf Schwarz-Weiß-Töne setzend, kommt das Episoden-Abenteuer "Blues and Bullets" als äußerst düsterer "Noir"-Vertreter auf die Festplatte. Wir liefern den Test.

Seitdem Telltale das Genre der "Grafik-Adventures" aus der Mottenkiste gekramt und mit Titeln wie "The Walking Dead" und "The Wolf Among Us" wieder populär gemacht haben, sprießen und gedeihen die Konkurrenten allen voran auf Steam. Dabei wird langsam aber sicher ein neuer Genre-Obergriff nötig, denn mit dem klassischen "Point'n'Click" haben die modernen Ausgeburten nur noch wenig gemeinsam. 

Vielmehr vermischt die neue Garde der Grafik-Adventures gekonnt Ansätze aus den Dialog- und Handlungsoptionen von "Visual Novels" mit Quick-Time-Events und spielmechanischen Leihgaben wie Shoot'em'up Sequenzen und diversen Rätseln. So entpuppt sich auch "Blues and Bullets" mehr als visuelle Novelle, während der spielmechanische Gehalt im Laufe der ersten Episode erstaunlich weite und überraschende Kreise zieht. 

"Noch eine Portion Blaubeerkuchen?" Blues and Bullets - Screenshots 17 Fotos

Doch fangen wir vorne an: Worum geht's? 

In Santa Esperanza regiert nicht nur das Verbrechen, nein, auch das Verschwinden von jungen Kindern macht der Stadt und seinen Einwohnern zu schaffen. Eliot Ness war einst Polizist und Anführer der legendären "Unbestechlichen", und legte sich dabei mit niemand geringerem als Al Capone persönlich an.

Zahlreiche Jahre später ist Ness im Ruhestand und merklich gealtert: Er führt das Lokal "Blues and Bullets" und serviert einen ganz hervorragenden Blaubeerkuchen, den aber kein Gast so recht zu schätzen weiß. In den Dienst zurückgeholt wird Ness ausgerechnet von seinem alten Erzfeind Al Capone, dessen Stieftochter ebenfalls verschwunden ist. 

"Blues and Bullets" ist vor allem eines: Düster und brutal, überraschend brutal sogar. In den Gesprächen habt ihr meistens vier Antwortmöglichkeiten, die ihr mit Y-X-B-A aktivieren könnt - mit den Konsequenzen müsst ihr fortan auch leben können. Während ich anfangs noch öfters über einige miese Animationen, ruckelnde Zwischensequenzen und den ein oder anderen, nicht ganz perfekten Synchronsprecher stolpere, zieht mich der Titel dank der düsteren und spannenden Geschichte schnell in seinen Bann.

Blues and Bullets (3) - image/jpeg

Überraschend clever, überraschend brutal

Zugegeben: Der Anfang ist etwas trocken, die Spielmechanik bekannt. Bis ich herausgefunden habe, dass Protagonist Eliot Ness nicht nur langsam schleichen, sondern auch langsam rennen kann ("B" gedrückt halten), ist das halbe Abenteuer bereits herum. Dennoch bleibe ich dran, denn die Geschichte ist tatsächlich mehr als nur gut, sie ist ganz hervorragend. Überraschung: Meine Ausdauer wird belohnt, denn nach dem Auftakt im "Blues and Bullets"-Restaurant geht es rasant weiter. 

Sogar eine Shooting-Sequenz hat es in die erste Episode geschafft, mechanisch zwar kein vollwertiger "Shooter", aber durchaus ansprechend mit Deckungswechsel, Waffenwechsel und Nachlade-Animationen präsentiert. Beim Zielen auf rote Fässer explodieren diese und reißen gleich mehrere von Capones Schützlingen mit in den Tod.

Währenddessen spielt die Geschichte mit den Zeiten: Vom Sprung in die Vergangenheit zurück in die Zukunft, die Charaktere werden langsam eingeführt und wachsen mit jeder Szene. Die Synchronsprecher machen grundsätzlich einen guten Job, nur einige Sätze wollen einfach nicht 100prozentig sitzen. Man merkt dem Spiel an, dass es kein "Profi"-Produkt, als vielmehr eine liebevoll gemachte Indie-Produktion ist.

Dabei sind die Synchronsprecher übrigens alles andere, als Amateure: Insbesondere Doug Cockle (Eliot Ness) kennt ihr als Stimme von "Geralt von Rivia" (The Witcher 3) und "Victor Vran", und auch Tom Clarke Hill (Milton) hat bereits in unzähligen Videospielen "mitgeredet", darunter "Alien: Isolation", "Batman: Arkham Knight", "Remember Me" und "Killzone". 

Grafisch tun sich in "Blues and Bullets" zwei Welten auf: Der Schwarz-Weiß-Stil mit den roten Farbtupfern gefällt und verbirgt gekonnt die Texturschwächen. Die Charaktermodelle können sich sehen lassen, zeigen im Detail aber den doch recht großen Abstand zur mittlerweile fast gewohnten Gesichtsqualität eines "Heavy Rain" oder "Beyond: Two Souls" - wie gesagt, ihr habt es hier mit einem Indie-Titel zu tun und solltet eure Erwartungen etwas bändigen. Weniger entschuldbar sind die technischen Schwächen, wie das starke Ruckeln einiger Zwischensequenzen: Das reißt unnötig aus dem Spielfluß heraus!

In Sachen "Steam-Features" ist übrigens alles mit an Bord: Sowohl Steam-Achievements, als auch Trading Cards haben es an Bord von "Blue and Bullets" geschafft.

Blues and Bullets Episode 1 (9) - image/jpeg

Rituelle Morde

Nach einiger Spielzeit liegt es an euch euren ersten Mordfall selbst aufzuklären: In einer düsteren Wohnung werden Hinweise gesammelt und auf einem "Murder Investigation Board" zusammengetragen. Das ist mechanisch eher mau, doch bei der Suche nach weiteren Hinweisen und dem Zusammensetzen der Puzzle-Teile zu einer Geschichte wird mir dennoch nicht langweilig. 

Nach gut 4 bis 5 Stunden ist die erste Episode abgehakt und der Hunger nach "mehr" entsprechend groß: Genre-üblich wird die Episode mit einem Cliffhanger abgeschlossen, der extrem neugierig auf den Fortgang der Geschichte macht.

Mit einem Preis von 4,99 Euro für die erste Episode und 19,99 Euro für alle fünf Episoden ist "Blues and Bullets" um einiges günstiger als die Konkurrenz, braucht sich inhaltlich aber nicht zu verstecken.

Fazit

"Blues and Bullets" ist ein eindrucksvolles Erstlingswerk der spanischen Entwicklerschmiede "A Crowd of Monsters", welches sich nicht vor der großen Konkurrenz verstecken braucht: Die Handlung im "Noir"-Stil packt euch nach kurzer Eingewöhnung bei den Haaren und die Synchronsprecher liefern bis auf einige Ausnahmen hervorragende Arbeit (allen voran Doug Cockle als Eliot Ness).

Über kleine technische Probleme, wie das Ruckeln und in den Zwischensequenzen und einige "harte" Charakteranimationen kann man bei der Güte der Geschichte durchaus hinwegsehen. Letztendlich reicht dies für eine Kauf-Empfehlung unsererseits, allen voran natürlich für Genre-Fans, aber auch alle, die es noch werden wollen. 

"Blues and Bullets" erhält von uns 4 von 5 Revolver-Patronen, 8 von 10 rituellen Kodex-Zeichen und 81 Prozent Alkoholgehalt im Atem des Ermittlers.

Hinter diesem Link findet ihr "Blues and Bullets" auf Steam, zur offiziellen Homepage geht's hier lang.

Knappfo-Box:

  • Titel: Blues and Bullets (Episode 1)
  • Hersteller & Publisher: A Crowd of Monsters
  • Kosten: 4,99 Euro für Episode 1, 19,99 Euro für die komplette Season
  • Plattform: PC / Steam
  • Genre-Einordnung: Grafik-Adventure / Visual Novel
  • Vergleichbar mit: The Wolf Among Us, The Detail, Life is Strange
  • Perspektive: 3D
  • Worum geht’s?: Reden, Ballern, Mordfall aufklären
  • Spieleranzahl: 1 Spieler
  • Eingewöhungszeit: 20 Minuten
  • Langzeitmotivation: Gering (obwohl ein "Bubble Head"-Modus freigespielt werden kann!)
  • Schwierigkeitsgrad: Leicht
  • Sprache: Englisch (Ton), Deutsch (Untertitel)
  • Kaufen?: Jup!

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