Vom Sofa in den Schützengraben

Battlefield 1 im Test für PlayStation 4

Vom Sofa in den Schützengraben: Battlefield 1 im Test für PlayStation 4 Vom Sofa in den Schützengraben: Battlefield 1 im Test für PlayStation 4 Foto: EA
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Battlefield ist zurück. Diesmal geht es nicht, wie es der Konkurrent Call of Duty macht, weiter in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit. Ganze 100 Jahre reisen wir in die Zeit des Ersten Weltkrieges zurück. Das unverbrauchte Szenario bietet dem schwedischen Entwickler DICE viele Möglichkeiten ein neues Spielerlebnis zu erschaffen. Im Test klären wir, ob das funktioniert hat.

Nach einigen Jahren der Abstinenz widmet sich die Battlefield-Reihe wieder einem Weltkriegsszenario. Endlich, wie wir finden. In Battlefield 1 reisen wir in die Zeit des vielleicht grausamsten Krieges der Geschichte. Auf der einen Seite Gefechte mit damals modernster Waffentechnik (Flammenwerfen, Giftgas und Panzer) und auf der anderen Seite rohe Brutalität und Mann gegen Mann Kämpfe auf dem Schlachtfeld und in den Schützengräben.

Pferde, Panzer, Luftschiffe und Züge Battlefield 1 - Screenshots 12 Fotos

Rund 17 Millionen Menschen, hauptsächlich deutsche, französische und russische Soldaten ließen von 1914-1918 ihr Leben. Harter Tobak für ein Videospiel. Zudem eine schwierige Aufgabe für die Entwickler das Kriegsgeschehen authentisch abzubilden.

Geschichten, die der Krieg schreibt

Battlefield 1 ist das ausgesprochen gut gelungen. Besonders die neuen Kriegsgeschichten, die in diesem Jahr die Einzelspielerkampagne des Spiels darstellen, sind für einen Ego-Shooter ausgezeichnet umgesetzt. Schon komisch wenn man überlegt, dass aus dem reinen Multiplayershooter Battlefield 1942 nun ein Spiel geworden ist, das auch durch die Kampagne beeindrucken kann.

Das hat unterschiedliche Gründe: Zum einen sind die Geschichten sehr kurzweilig. Nach durchschnittlich ein bis zwei Stunden habt ihr eine der packenden Geschichten beendet. Diese sind mit Cinematics und gescrippteten Sequenzen gespickt und vermitteln eine ausgesprochen dichte Atmosphäre. Selbstverständlich findet sich auch der eine oder andere typische "Battlefield"-Moment wieder.

Ein kleiner Schönheitsfehler aus meiner Sicht: Ihr dürft in den fünf Missionen lediglich in die Haut alliierter Mächte schlüpfen. So kämpft ihr euch zum Beispiel in einem britischen Panzer durch die Front, tragt Luftkämpfe über London aus, oder unterstützt Lawrence von Arabien.

In der Vergangenheit gab es stets Kritik am Einzelspielermodus der Battlefield-Reihe. Zu austauschbar, schlecht geschriebene Charaktere und plumpe Action, so die Vorwürfe. Entwickler DICE scheint aus der Kritik gelernt zu haben und liefert von vorne bis hinten runde Geschichten ab. Teils bewegend und durch das brutale und rohe Szenario stellenweise sogar ergreifend.

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Der Online-Modus bleibt der Kern des Spiels

Klar, egal wie gut oder lange die Solo-Kampagne für Beschäftigung am Pad oder der Tastatur sorgt, das Herzstück von Battlefield 1 ist und bleibt der Multiplayer-Modus. Doch auch hier gibt es eine spannende Neuerung.

Der "Operationen"-Modus beispielsweise bringt echtes Kriegsgefühl auf die Online-Schlachtfelder. In der Mixtur aus "Rush" (Ziele zerstören) und "Eroberung" (Flaggen erobern) kämpfen eine angreifende und verteidigende Fraktion um die Vorherrschaft eines Gebietes. Wird dieses von den Angreifern eingenommen, geht es nahtlos über in den nächsten Sektor.

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Was sich in der Theorie wenig spektakulär anhört, wird erst beim Spielen zu einem Highlight. Mit Trillerpfeifen, Pferden, und Geschrei preschen die Angreifer immer weiter vor. Mittendrin fühlt ihr euch zeitweise wirklich wie bei einem Sturm auf einen feindlichen Stützpunkt. Mit Kameraden die links und rechts mit euch gemeinsam nach Ruhm und Ehre streben. Für eine "Operation" solltet ihr jedoch Zeit mitbringen, denn die Gefechte können teils bis zu einer Stunde andauern - der typische "Eroberungs"-Modus ist da zeitlich weniger aufwendig.

Ein weiteres und dazu mein ganz persönliches Highlight: Die Operationen werden zu Beginn der Partie mit kurzen Intro-Sequenzen in den geschichtlich korrekten Kontext gesetzt. So bekommen wir zum Beispiel einen kurzen Einblick in den Gebirgskrieg, also die Schlachten der Italiener gegen das Königreich Österreich-Ungarn, inklusive des finalen Kampfs an der Adria. Ist der letzte Schuss gefallen gibt es obendrein noch ein Outro. Gewinnt die realgeschichtliche Verlierermacht, bekommt ihr sogar ein kurzes "Was wäre wenn"-Szenario serviert – sehr cool!

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Elite-Klassen, wilde Pferde und gepanzerte Züge

Die Spielmechanik des Spiels ist im Vergleich zum Vorgänger weitestgehend unverändert geblieben. Die üblichen Spielmodi, sowie Klassen und Fraktionen sind dem Zeitalter und dem Krieg entsprechend angepasst: Der Sturmsoldat beispielsweise darf sich nun mit Antipanzer-Kanone und Co. als Fahrzeugjäger betätigen und der endlich zurück in den Battlefield-Dienst versetzte Sanitäter greift auf starke Einzelschuss-Gewehre zurück.

Neu mit dabei sind drei Elite-Klassen, die sich auf jeder Karte an bestimmten Stellen übernehmen lassen und den Spielablauf zugunsten eures Teams komplett herumdrehen können: So bringt ihr mit einem Flammenwerfer Tod und Verderben in die Schützengräben, oder seid als stark gepanzerter Maschinengewehr-Soldat praktisch unbesiegbar - lediglich Gasgranaten hilfen gegen den fiesen Gesellen weiter. Der dritte im Bunde ist der Panzerjäger, der mit seinem riesigen Tankgewehr aus weiter Entfernung ganze Fahrzeuge mit wenigen gut platzierten Schüssen außer Gefecht setzen kann.

Schön: Die Fahr- und Flugzeuge in Battlefield 1 lassen sich erheblich eingängiger steuern, als in den Vorgängern. Insbesondere im Luftkampf zwischen Bombern und Angriffsflugzeugen profitieren so auch Neulinge von der Freiheit "über den Wolken".

Außerdem bieten viele Karten zusätzliche Unterstützung für das Team, welches am Verlieren ist: Die "Behemoths" sind riesige Kriegsmaschinen, welche von den Spielern nicht nur bemannt, sondern auch gelenkt werden können. So schwingt ihr euch mit sechs Mann in einen auf Schienen fahrenden Panzerzug, kreist über dem Schlachtfeld in einem riesigen Zeppelin, oder wagt euch an Bord eines gigantischen Kriegsschiffes.

In Sachen Waffen gibt es wieder eine große Auswahl, wobei Nahkampfwaffen erstaunlich in den Fokus rücken: Mit einem Bayonett könnt ihr kurzzeitig über das Schlachtfeld stürmen, mit Messer, Schaufel, Axt oder Knüppel werden stets einzigartige Nahkampf-Animationen ausgelöst. Last but not least lasst ihr vom Pferd herab den Säbel schwingen.

Lange vermisst und endlich wieder mit an Bord: Gebäude lassen sich zu Schutt und Asche verarbeiten! Wer mit einem Panzer durch eine Siedlung fährt, hinterlässt dabei eine Schneise der Zerstörung. Nur bestimmte Knotenpunkte lassen sich nicht zerstören - das kann manchmal zur Verwirrung führen, wenn ihr an einer unzerstörbaren Gebäudesäule hängenbleibt.

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Audiovisueller Leckerbissen

Battlefield 1 entfaltet die ganze Kraft der Frostbite Engine: Sowohl die Einzelspielermissionen, als auch die Online-Schlachten sehen unglaublich spektakulär aus. Der Schmutz der Schützengräben, Explosionen und Animationen - all dies wird bildgewaltig auf den Fernseher gezaubert. Selbst die Waffen verschmutzen im Laufe einer Partie.

Das gleiche Niveau hält das Spiel auch in Bezug auf den Sound. Bombastische Explosionen und scharfe Feuergefechte vermitteln das Gefühl der Unsicherheit wenn ihr euch ohne Deckung auf dem Schlachtfeld bewegt. Die Geräuschkulisse gehörte bereits in den Vorgängern zur absoluten Spitzenklasse und setzt hier einen weiteren Meilenstein - mit einer Surround-Anlage ausgerüstet fühlt ihr euch mittendrin und zuckt zusammen, wenn euch die Kugeln um den Kopf schwirren.

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Fazit

Wow, was für ein Shooter! Sowohl die Kampagne, als auch der Multiplayermodus von Battlefield 1 haben mich von den Socken gehauen. Vor allem Ersterer ist reif, geht ernsthaft mit der Thematik des Krieges um und spielt sich ausgezeichnet. Der Multiplayermodus hat sich wieder einmal konsequent weiterentwickelt und macht eine Punktlandung.

Die Bedenken, ob der Erste Weltkrieg problemlos in ein Videospiel eingebunden werden kann, haben sich gänzlich zerstreut. Schade nur, dass einige wichtige Streitmächte erst per DLC nachgeliefert werden sollen. Aber wer weiß, vielleicht spendiert DICE beim neuen Content auch noch ein paar Häppchen für Liebhaber des Singleplayer-Modus obendrauf - wir würden uns freuen!

Alles in allem aber eine klare Kaufempfehlung unsererseits, sowohl für alte Battlefield-Hasen, als auch Neulinge.

Battlefield 1 bekommt von uns 9 von 10 Tapferkeitsmedaillen, 91 von 100 Volltreffern und 19 von 20 ausgehobenen Schützengräben.

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