Ratte, Bär, Wolf und Hase gegen den König der Löwen

Armello im Test für PC und PS4

Ratte, Bär, Wolf und Hase gegen den König der Löwen: Armello im Test für PC und PS4 Ratte, Bär, Wolf und Hase gegen den König der Löwen: Armello im Test für PC und PS4 Foto: League of Geeks

Taktisches Kartenspiel, cleveres Brettspiel und Rollenspiel? Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal! Kein Problem, denn bei "Armello" werden alle drei bedient. Wir liefern den Test zur Indie-Perle für PlayStation 4 und PC.

Gleich vorab ein überschwengliches Lob: Das visuelle Design von "Armello" ist eine Klasse für sich und verzaubert euch mit atemberaubend hübschen Artworks, stilistisch irgendwo zwischen "Ghibli", "Dofus" und "Game of Thrones".

Zum Glück ist das Spiel der australischen Indie-Entwickler Tyshan Carey, Blake Mizzi, Trent Kusters und Jacek Tuschewski, alias "League of Geeks", alles andere als ein Grafik-Blender: Hinter dem dezent an "Die Siedler von Catan" erinnernden Spielfeld verbirgt sich eine außerordentlich gut funktionierende Mischung aus Karten- und Rollenspiel, welches insbesondere mit drei menschlichen Mitspielern zur Höchstform aufläuft.

Virtueller Brettspielausflug Armello - Screenshots 12 Fotos

Der König ist tot, lang lebe der König!

Aber fangen wir vorne an: Das erste Aufeinandertreffen mit der fantastischen Welt von Armello geschieht innerhalb des Prologs, der euch nicht nur die tragische Geschichte, sondern auch die wesentlichen Spielmechaniken im Tutorial-Stil näherbringt. Dabei springt ihr in die Rollen der Helden vierer Klans, darunter der Wolfs-, Ratten-, Bären- und Hasen-Klan. Die charmanten Viecher gehen einer finsteren Bedrohung im Königreich Armello nach, der sogenannten "Fäule", die Freund und Feind gleichermaßen in finstere Kreaturen verwandelt.

Leider hat es auch den guten König von Armello erwischt: Von der "Fäule" in den Wahnsinn getrieben gibt es nur noch eine Chance das Königreich zu retten: Der wahnsinnige König muss sterben... oder durch ein spezielles Ritual von der "Fäule" befreit werden. So, oder so versucht ihr das in der Mitte des Spielfelds gelegene Schloss für euch zu erobern und damit den Sieg zu erringen.

Wer den ca. einstündigen Prolog hinter sich gebracht hat, darf sich entweder alleine auf das Spielfeld stürzen und gegen die K.I. antreten, oder aber ihr versucht euch online gegen andere Spieler. Letzteres funktioniert sogar plattformübergreifend von PC auf PlayStation 4 und andersherum. Keine Sorge: Armello funktioniert erstaunlich gut als Einzelspieler-Erlebnis.

Versierte Spielmechanik

Jedes Tier hat seine eigenen Schwächen und Stärken: Der Wolf ist ein hervorragender Kämpfer, die verschlagene Ratte meist unsichtbar unterwegs und die Bärin eine weise Magierin. Pro Klan stehen euch zwei Charaktere zur Auswahl.

Die zufällig über das Spielfeld verteilten Hexagon-Felder enthalten unterschiedlichstes Terrain, darunter Wälder, Sümpfe (ziehen euch ein Leben ab), Städte, Berge und Dungeons. In der Umgebung absolviert ihr unterschiedliche Quests, erforscht Dungeons (um an Schätze zu kommen) und kloppt euch mit den Mitspielern, falls diese im Weg stehen sollten.

Die Konfrontation mit den anderen Tieren ist jedoch nicht der Fokus des Spiels: Vielmehr versucht ihr möglichst schnell an Geld zu kommen, indem ihr Städte für euren Klan einnehmt, oder möglichst schnell spezielle Ziele abzuhaken. Unter letztere fallen das Sammeln von Runensteinen zur Heilung des Löwenkönigs, oder das Anhäufen von Prestige-Punkten durch das Absolvieren von Quests.

Armello lässt euch die Wahl, wie ihr das Spiel gewinnen wollt: Da der König über jede Spielrunde an Lebensenergie einbüßt, gewinnt nach seinem Tod automatisch der Spieler, der die meisten Prestige-Punkte sammeln konnte. Eine andere Möglichkeit: Ihr selbst sammelt eifrig "Fäule" an, prügelt den König vom Thron und werdet selbst zum Herrscher über Armello. Oder ihr sammmelt eine bestimmte Anzahl an Runensteinen, um den König zu heilen - keine leichte Aufgabe, erscheinen die begehrten Steine doch meist genau am anderen Ende des Spielfelds.

Bereits diese offene Spielweise macht einen großen Teil des Reizes von Armello aus: Während der Partien könnt ihr euer Ziel nicht nur wechseln, sondern seid häufig aufgrund "ungünstiger Umstände" dazu gezwungen, nochmal umzudenken und euren ursprünglichen Plan umzuschmeißen.

Gezogen wird übrigens - ganz Tabletop-like - in Runden nacheinander: Wer an der Reihe ist, kann seine Figur eine bestimmte Reichweite an Feldern bewegen und diverse Aktionen vollführen. Wer auf den nächsten Zug wartet, der schaut entweder den Mitspielern über die Schultern, oder rüstet Gegenstände aus und verteilt Talente. Der Clou am Rundensystem ist der Tageszeitenwechsel, der einigen Kreaturen und Helden tagsüber und nachts verschiedene Boni gewährt.

Ein Tüte Buntes

Die Interaktion mit der Spielwelt und anderen Spielern erfolgt durch Karten und Würfel: Letztere fallen "physikalisch" korrekt auf das Spielfeld und werden vor allem in Kampf genutzt. Die über 120 Karten hingegen sind die Butter auf dem Brot von Armello: Gezogen wird aus unterschiedlichen Stapeln wie "Items" (Gegenstände), "Spells" (Zaubersprüche) und "Trickery" (Gaunerei). Gegenstände wandern meist direkt in eurer Ausrüstung, Zaubersprüche werden auf Gegner und Felder gewirkt und "Gaunerei"-Karten schaffen euch diverse Vorteile und lassen euch kurzfristige Allianzen mit anderen Mitspielern eingehen.

Wer einen ersten Überblick über die Karten von Armello sucht, wird übrigens im offiziellen Wiki fündig.

Ich habe diesen Beitrag ja schon mit einem Loblied zur visuellen Güte der Artworks begonnen, da wird es an dieser Stelle Zeit weiter zu singen: Jede einzelne Karte ist ein fabulös animiertes Kunstwerk und lässt eure Augen vor Entzückung weinen. Und wo wir gerade bei Äußerlichkeiten sind: Armello sieht nicht nur toll aus, es hört sich auch gut an! Der Soundtrack von Michael Allen, der weltweit anerkannten Künstlerin Lisa Gerrard sowie Jacek Tuschewski geht sofort ins Ohr und ist gekommen um zu bleiben.

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Fazit

Zugegeben, ich bin großer Brettspielfan und habe dementsprechend einen direkten Draht zu "Armello". Aber auch ganz davon abgsehen komme ich nicht umher das Spiel wirklich jedem zu empfehlen, der dringend mal wieder etwas Abwechslung vom steten "Open-World / Ego-Shooter und Bombast-Action"-Alltag in der Welt der Videospiele sucht.

Denn eines ist sicher: Armello ist einzigartig, audiovisuell erste Sahne und bereits jetzt eines meiner Indie-Highlights des Jahres 2015. Da die Community dank der Verteilung auf gleich zwei Systeme (PC und PS4) so schnell nicht aussterben wird, hoffe ich sehr darauf auch in Zukunft noch einiges zu Armello zu hören.

Bis dahin kann ich euch nur empfehlen: Kauft es euch, trommelt drei gute Freunde zusammen und genießt eines der schönsten Gamer-Erlebnisse des Jahres!

Armello erhält 9 von 10 perfekten Würfelwürfen, 4 von 5 Runensteinen und 89 Prozent Ghibli-Charme.

Hinter diesem Link findet ihr "Armello" auf Steam.

PlayStation-Daddler finden "Armello" hier im PSN.

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Knappfo-Box:

  • Titel: Armello
  • Hersteller & Publisher: League of Geeks
  • Kosten: ca. 20 Euro, 10 Euro für den Soundtrack
  • Plattform: PlayStation 4, PC (via Steam)
  • Genre-Einordnung: Virtuelles Brettspiel
  • Vergleichbar mit: Yoshi's Island, Yoshi's Story, New Super Mario Bros. U
  • Perspektive: 2D
  • Worum geht’s?: Springen, Level erforschen, Geschicklichkeit
  • Spieleranzahl: 1 bis 2 Spieler
  • Eingewöhungszeit: 20 Minuten
  • Langzeitmotivation: Hoch, Spieldauer für ein Match ca. eineinhalb bis zwei Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: Mittel
  • Sprache: Deutsch, Englisch
  • Kaufen?Ja!

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