Das Label Wunderwerk

Korrekte Mode aus Flingern

Das Label Wunderwerk: Korrekte Mode aus Flingern Das Label Wunderwerk: Korrekte Mode aus Flingern Foto: Andreas Bretz
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Die Modeindustrie setzt stärker auf nachhaltiges Arbeiten. Der grüne Glamour erobert nicht nur die Laufstege, sondern auch die Düsseldorfer Modeläden. Einer der Vorreiter ist Heiko Wunder mit dem Label "Wunderwerk".

Mit Hexerei hat sein Wunderwerk nichts zu tun, sondern mit Kontrolle: Heiko Wunder prüft jeden Faden, jeden Knopf, jede Farbe, jedes Stück Stoff. Denn er will beweisen, dass Ökomode nicht hässlich und teuer ist, nicht trist und farblos, sondern cool und stylish und wichtig obendrein. Zusammen mit Tim Brückmann hat der Düsseldorfer Unternehmer 2012 die Firma Rheinstoff gegründet und ist angetreten, ökologisch korrekte Mode unter dem Label Wunderwerk zu entwerfen, zu produzieren und zu vermarkten. "Wer heute Avantgarde sein will in der Modebranche, muss Fragen des 21. Jahrhunderts beantworten - und dazu gehört der Umgang mit knappen Ressourcen wie Wasser oder Energie", erklärt der 43-Jährige.

Wunder, der als geschäftsführender Gesellschafter Entwicklung, Design und Produkt verantwortet, während Brückmann sich in der gleichen Position um den Vertrieb kümmert, ist überzeugt davon, dass es in der Zukunft ausschließlich Eco- und Organic-Fashion geben wird.

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Mitten im Stadtteil Flingern, in einer ehemaligen Garage, einem Fotostudio und diversen Lagerräumen erstrecken sich inzwischen auf mehr als 500 Quadratmetern das Atelier, in dem die Kollektionen entstehen, der Showroom und der alle halbe Jahre größer werdende Mode-Laden. "Wir machen in erster Linie Mode für Frauen und Männer, dass sie auch ökologisch und nachhaltig ist, ist für uns eine Selbstverständlichkeit", sagt der 43-jährige Heiko Wunder.

Sein Anspruch ist es, eine Kollektion zu akzeptablen Preislagen anzubieten. Dabei deckt er die gesamte Palette der sogenannten Casual Wear ab: T-Shirt, Sweatshirt, Pullover aus peruanischer Alpaca-Wolle, Mäntel aus schottischer Shetland-Wolle, Hemden, Kleider, Jacketts und Jeans. Den grünen Anspruch lässt Heiko Wunder dabei aber nicht aus den Augen. So setzt er beispielsweise keine erdölbasierten Produkte, mit Ausnahme von geringen Mengen Elasthan, ein. Für die Knöpfe werden ausschließlich natürliche Materialien verwendet wie die Steinnuss, die in deutschen Betrieben veredelt wird oder ein Knopf aus Zink-Druck-Guss.

Sogar das Labeling, das oft gern vergessen wird, ist bei einer Wunderwerk-Jeans aus natürlicher Baumwolle oder recyceltem Papier. Während beim Bleichen und Färben einer normalen Jeans knapp 100 bis 160 Liter Wasser verbraucht werden, sind es bei Wunderwerk nach eigenen Angaben zehn Liter. Produziert wird in Europa, vor allem in Portugal, Griechenland und Italien. "Um das beste und ökologischste Ergebnis zu erzielen, suchen und prüfen wir alle Produktionsstätten und Nähbetriebe selbst mehrmals pro Jahr", sagt der Chef.

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Dass immer mehr Menschen bewusster einkaufen wollen, hat Heiko Wunder lange beobachten können. Der gelernte Industriekaufmann startete seine Karriere 1994 bei Steilmann, war in führenden Positionen bei Esprit und Tom Tailor und zuletzt bei Vanilia. "Ich war viel in Fernost unterwegs und habe gesehen, wie dort produziert wird." So wie sein Partner spielte er stets während der beruflichen Laufbahn mit dem Gedanken, faire Mode zu produzieren. Zufällig trafen sich die beiden ehemaligen Schulfreunde wieder und taten sich 2012 zusammen.

Das Geschäft mit öko-fairer Mode scheint zu florieren. Bereits 2014 habe Wunderwerk, so Wunder, mit 1,2 Millionen Euro dreimal so viel Umsatz gemacht wie geplant. Das entspricht dem Trend - wonach der Umsatz bei Herstellung und Handel konventioneller Mode in Deutschland seit 2000 um etwa zwei Prozent jährlich schrumpft. Im gleichen Zeitraum wächst - wie der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) mitteilt - der Modemarkt um fünf Prozent.

So konsequent wie bei der Herstellung sind die Düsseldorfer auch beim Ladenbau: Neben Metall und alten Bakelit-Elementen werden vor allem "authentische Materialien" verwendet, sagt Heiko Wunder.

Quelle: RP