Selfie-Boom hält weiter an

So gelingt das Selfie - Zehn goldene Regeln

Selfie-Boom hält weiter an: So gelingt das Selfie - Zehn goldene Regeln Selfie-Boom hält weiter an: So gelingt das Selfie - Zehn goldene Regeln Foto: TONIGHT.de/Nico Rübsteck
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Handy raus, Kamera auf mich richten, das schönste Grinsen aufsetzen und... fertig ist das Selbstporträt. Neudeutsch "Selfie". Habe ich genau so gemacht, ist ja eigentlich keine Wissenschaft. Eigentlich, denn so schnell wie ich "Löschen" gedrückt habe, da würde ich wohl selbst die Reaktionszeit von Usain Bolt nach dem Startschuss unterbieten. Grauenhaft. Selbstkritik muss sein.

Also ran an den Computer und die richtigen Tipps holen. Kollegen und Kolleginnen nannten mir den oben geschilderten Ablauf. Das Ergebnis ist bekannt, in Selbstzweifel verfalle ich aber nicht, im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit meinem Äußeren. Also Google, was hast du für mich? Vien & Subotic - image/jpeg Tonight-Fotograf Vien hat das mit dem Selfie schon raus. Hier lichtet er sich mit BVB-Star Neven Subotic ab.

Wie soll es anders sein – der Suchdienst hat knapp 59 Millionen Treffer beim Suchwort "Selfie". Muss reichen. Und tatsächlich: es gibt sogar eine Studie. Genauer gesagt, einen Algorithmus. Einer, der anhand von Merkmalen bewertet, ob das Selfie gelungen (10 Punkte) oder eher - so wie meins - schlimm ist (1 Punkt). Ich dachte zwar immer, Algorithmen werden für komplexe Themen wie Bewertung der Aktienmärkte benutzt, aber gut, so kann man sie halt auch "zweckentfremden". Als Datenbank dienen übrigens rund 2 Millionen Selfies aus Flickr und deren Beliebtheit.

Falls jetzt hier schon Einwände kommen, das sei wohl wenig wissenschaftlich, dem darf ich hiermit mitteilen, dass es sich bei oben beschriebenem Algorithmus um ein Produkt der Eliteuniversität MIT in Cambridge, USA, handelt. Wissenschaftlicher geht wohl kaum noch ;-).

Um eine Bewertung kümmere ich mich später, vielleicht, wenn ich meine Kollegen noch überzeugt habe, mit auf das Selfie zu kommen. Scheint ja zu helfen, schließich wurde der Tweet von Ellen DeGeneres von der Oscar-Nacht über drei Millionen Mal retweetet. Also geteilt.

Also macht's vielleicht die Masse? Oder Prominenz? Bei drei verfügbaren Kollegen, die zwar über einen nicht zu leugnenen Bekanntheitsgrad in der Düsseldorfer Partyszene verfügen, sind die beiden Kriterien also eher schwierig zu erfüllen. Weiter im Text. Tatsächlich ist das Internet voll mit Ratschlägen und Tipps, wie mein Selfie zum Hit wird, trotz meiner zum Teil unkontrollierten Gesichtsmimik. Wer die Probleme kennt, hier 10 Regeln für das gelungene Selfie.

1.) Das richtige Equipment

Klar, eine Spiegelreflex oder eine Digitalkamera trägt man im Alltag nur selten mit sich herum. So geht es jedenfalls mir. Mein täglicher Begleiter ist hingegen mein Mobiltelefon. heutzutage zum Teil schon besser ausgestattet als meine eigentliche Kamera, die vielleicht zwei Jahre auf dem Buckel hat. Aber gut, technischer Fortschritt ist jetzt wieder ein anderes Thema. Also: mit dem Handy muss es funktionieren. Denn trotz der ganzen Arbeit und Wissenschaft, die hinter einem Selfie steckt, soll, oder muss es viel eher, spontan aussehen. Klar, eine der leichtesten Übungen...

2.) Das richtige Programm

Belichtung, Sättigung, Kontrast – können wir getrost links liegen lassen. Denn es gibt ja Apps, die so etwas für uns übernehmen. Chip-Online etwa verteilt Bestnoten für Instagram, Snapseed oder Camera 360 Ultimate. Na gut, wenn's denn hilft. Ab in den Play-Store und schnell eine der Gratis-Apps gedownloaded. Soviel zum Thema Spontanität. Selfie Exchange Attic - image/jpeg Ronny Hendrichs hat den Ablauf eines Selfies mal als Außenstehender dokumentiert.

3.) Der richtige Hintergrund

Gemäß der Studie lenkt ein hektischer Hintergrund eher ab. Also liebe Leute, vielleicht nicht direkt vor einen QR-Code auf einem Plakat, oder einer viel befahrenen Straße stellen. 'ne Picknickdecke, der eigene Garten, oder notfalls eine weiße Wand sind da schon praktischer. Schließlich soll sich die Aufmerksamkeit der Betrachter auf mich richten, nicht auf den Hintergrund. Übrigens: Tiere bringen keine ernsthafte Sympathiesteigerung. Weg mit Hund und Katze, heute geht es nur um euch!

4.) Die richtige Kleidung

Was ziehe ich an? Die Frage, die sich wohl jede Frau mindestens dreimal täglich stellt. Bei mir ist's da was einfacher, ich nehme das Shirt, das gerade oben im Kleiderschrank liegt. In dem Fall ein schwarzes Longsleeve. Und schon verloren! Warum? Na, weil nach der Studie Farben die Beliebtheit steigern. Warme Farben allen voran, dicht gefolgt von knalligen. Also Rottöne, Pink oder Gelb kommt gut an. Schwarz hingegen ist eher so.... naja. Hüllen wir den Mantel des Schweigens drüber. Aber es gibt noch einen Ausweg: Viel Haut ist top! Bilder in Unterwäsche, Minirock, oder im Bikini helfen ungemein. Gilt vermutlich eher für die weibliche Fraktion, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich im Minirock, oder Bikini in irgendeiner Form die Qualität des Selfies aufbessere. Vielleicht bekomme ich den ein oder anderen Mitleids-Like, aber das ist ja nicht Sinn und Zweck.

5.) Die richtigen Gedanken

Klar, stay focused und so. ABER BITTE NICHT AUF DIE KAMERA. Viel zu schnell ist die "Spontanität" weg und man sieht schnell so aus, als wolle man den Betrachter am liebsten gleich mit Haut und Haaren verspeisen. Ungewollt, ich versprech's! Eigentlich bin ich ziemlich friedlebend. Also hier der wichtige Tipp: denkt an einen schönen Moment in eurem Leben, an eure Partner oder, was weiß ich, was euch halt so glücklich macht. Durchatmen, es ist Halbzeit im Projekt: "Perfektes Selfie". Jennifer Aniston hat es auf jeden Fall raus mit ihrem Friseur. 1384897982 - image/jpeg

6.) Die richtige Pose

Poser sind out! Das nur vorweg. Also lasst den Bizeps im T-Shirt und macht auch sonst keine Überdinger. Schließlich ist man durch den ausgestreckten Arm, der das Handy hält, doch relativ eingeschränkt. Hier gilt: weniger ist mehr! Achso, die Haare sollten schon gemacht sein. Ich hab's heute vergessen, aber pssst, sagen wir einfach es ist der "Gerade-Aufgestanden-Look". Ist ja auch modern.

7.) Die richtige Perpektive

Bitte, bitte, bitte keine Bilder von unten. Das verzerrt die Perpektive und lässt selbst den letzten Strich in der Landschaft zumindest etwas fülliger wirken. Außerdem richtet sich dann auch noch der Blick nach unten, es herrscht akute Doppelkinngefahr! Glaubt mir, es war ein Grund für das Betätigen des "Löschen"-Buttons meinerseits. Genug über die No-Gos, haltet das Handy ausgestreckt und leicht nach oben. Etwas über Schulterhöhe reicht dabei schon. Keine Überdinger bitte. Unser Fotograf es hier schon etwas zu gut gemeint: Tonight_nachtresidenz-duesseldorf-the-return-of-dj-antoine-750602 - image/jpeg In dem Fall hat unser Fotograf ganz offensichtlich die Tipps noch nicht gelesen.

8.) Die richtige Haltung

Bauch raus, Brust rein. So bitte nicht! Ich rede aus eigener Erfahrung. Solltet ihr das Foto also im Stehen schießen, Haltung bewahren. In diesem Fall grade machen! Nicht zu gerade, denn sonst wirkt ihr schon wie ein Brett, das Foto wirkt gestellt und rutscht ganz rapide ab im Selfie-Ranking. Viel wichtiger ist die Kopfhaltung, wie ein Bericht in der Huffington Post zeigt. Kopf leicht nach oben (Vermeidung des Doppelkinns), Blick über die Schulter, den Hals strecken, damit es keine Schatten gibt und dann noch den Selbstauslöser drücken. Wer es dann hinkriegt, dass das Foto nicht gestellt wirkt, der darf weiterlesen. An die, die nun eine Halsstarre haben: Viel Ruhe und Wärme an der schmerzenden Stelle hilft. Aus dem Selfie-Rennen müsst ihr aber aussteigen.

9.) Die richtige Mimik

Die Königsdisziplin. Der 100-Meter-Sprint unter den Laufwettbewerben, die Champions-League der Selfies – einfach das schwierigste. Lächeln ist Trumpf, nicht zu aufgesetzt, aber doch sympatisch. Reicht schon. Klingt simpel, aber glaubt mir, ist es definitiv nicht. Achso: Das Duckface, oder auch Schmollmund, das ist Rihanna vorbehalten. Die Sängerin beherrscht das Schmollen und sieht dabei sexy aus. Überlasst ihr dieses Terrain. Getreu dem Motto: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

10.) Der Feinschliff

Das Foto ist im Kasten, ihr soweit zufrieden? Top! Doch wie uns schon Sendungen wie "Germany's Next Topmodel" immer wieder aufs neue zeigen. Ohne die richtigen Effekte wird das nichts. Mit Photoshop bekommt man aus der unscheinbarsten Kirchenmaus noch ein brauchbares Fotomodel. Also Leute, ran an die Effekt, die euch die Apps so bieten. Überbelichtung geht immer, das zeigte Beyonce vor kurzem, Kontraste steigern noch einmal die warmen Farben (die ihr hoffentlich tragt). Auch Rote Augen können nachgebessert werden! IMAG0416 - image/jpeg Wir üben dann noch mal ein bisschen weiter...

Damit ist's auch schon geschafft. Schon ist gut... Die Aussage: "Ist ja keine Wissenschaft", kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Aber gut, wenn das MIT schon einen Algorithmus schreibt, muss es schon etwas komplexer sein. Das TONIGHT.de-Team kann jedenfalls unfallfrei weiterarbeiten, ist aber trotz zahlreicher Versuche und aller Tipps nicht vollends zufrieden ;-).