Rheinkirmes 2017 in Düsseldorf

Der Füchschen-König

Rheinkirmes 2017 in Düsseldorf: Der Füchschen-König Rheinkirmes 2017 in Düsseldorf: Der Füchschen-König Foto: Andreas Endermann
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Karnevalsprinz, Lebemann, Brauereichef: Mit Peter König kehrt ein Mann der Kirmes den Rücken, der dazu gehörte wie das Riesenrad. Warum verabschiedet sich König nun von der Veranstaltung?

Es passiert nicht oft, dass Peter König die Worte fehlen. Als er das Video aufnahm, in dem er um Verständnis für seine Kirmesabsage warb, ist es offenbar geschehen. Der Brauereichef mit dem grau gewordenen Vollbart rattert seltsam steif seine Mitteilung in die Kamera, die tätowierten Arme liegen brav verschränkt auf der Schreibtischplatte.

Eine ungewöhnlich verkrampfte Pose für diesen Mann, der am Rosenmontag schon vom Prinzenwagen jubelte. Immer wieder ist der kurze Film geschnitten, König musste offenbar mehrfach ansetzen, als er erklären wollte, dass er wegen der gestiegenen Terrorgefahr die Verantwortung für Mitarbeiter und Gäste nicht mehr tragen will.

Kirmes ohne Füchschen-Zelt Video-Botschaft von Peter König Kirmes ohne Füchschen-Zelt

Es war ein schwerer Auftritt. Und es ist einer, der Weggefährten rätseln lässt: Liegt es wirklich nur an der Angst vor Terror oder gibt es andere Gründe? Und warum hat er seine Entscheidung im Alleingang, ohne Absprache mit den Organisatoren veröffentlicht?

Heftige Kritik

König muss gewusst haben, dass die Kritik heftig werden würde. Schließlich trägt seine Entscheidung in ohnehin schweren Tagen zur Verunsicherung bei - und durchkreuzt den Optimismus, mit dem Wirte und Schausteller auf die schrecklichen Ereignisse in anderen Städten zu reagieren versuchen, schon weil sie Angst haben, sonst ihre Besucher zu verlieren.

Auch wenn es keinen Anlass gibt, an seiner Begründung für die Absage zu zweifeln: Es deutet einiges darauf hin, dass sie nicht aus dem Nichts kam. Zuletzt war es jedenfalls auffallend ruhig um den sonst so schillernden Wirt geworden. Zum 50. Geburtstag schmiss er im Januar keine große Party, sondern verschwand in den Urlaub. Wenige Tage später ereilte ihn ein Schicksalsschlag: der Tod von Mutter Rosmarie, die mit Vater Peter das Lokal geführt hatte, bis es der Junior 1995 übernahm, hat ihn tief getroffen.

Schon fürs vergangene Jahr hatte König seinen Kirmes-Auftritt abgesagt. Im Frühjahr 2016 bestellte er die Medien dafür zu einem seltsamen Termin in seine Brauerei an der Ratinger Straße: Fast eine Stunde führte König die Journalisten damals über die Baustelle für die neue Brauanlage, ohne dass ein Grund ersichtlich wurde. Als alle schon gehen wollten, ließ er sie in einem Hinterzimmer der Wirtschaft Platz nehmen - und gab bekannt, dass er wegen Brau-Engpässen auf den Rheinwiesen fehlen werde.

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Es wirkte damals, als habe er erst zeigen wollen, dass der Grund nicht vorgeschoben ist, bevor er die Nachricht verkündet. Am Ende beschwor er, dass er im kommenden Jahr zurückkehren werde. Einige Szenekenner wollen sich sicher sein, dass König auch damals schon wegen der Sicherheit Bedenken hatte. Er hatte ja auch schon 2011 gefehlt, damals wegen der höheren Auflagen nach dem Unglück bei der Loveparade.

Kirmes als Werbemaßnahme

Bei dem Pressetermin erzählte König jedenfalls damals auch sehr offen davon, welchen Aufwand die Riesenparty auf den Rheinwiesen für ihn und seine dann doch nicht so große Brauerei bedeutet. Rund 180 Mitarbeiter, ein Aufbau für lediglich zehn Tage, am Ende steht mit Pech ein Verlust - die Kirmes sei nur als Werbemaßnahme interessant. Darüber hinaus stellte der mächtige Durst der Kirmesgäste den Wirt auch in guten Jahren vor Probleme, teilweise konnte er andere Kunden nicht beliefern.

Mit dem Füchschen-Wirt verabschiedet sich nicht irgendein Brauerei-Manager. Er ist eine der prägenden Figuren der Kirmes. Auch, weil er gezeigt hat, dass man mit einer neuen Idee Erfolg haben kann, wenn man Gespür fürs Publikum hat und unternehmerischen Mut. Aus dem Brauereiwagen, mit dem die Eltern vor 28 Jahren erstmals dabei waren, machte er ein glitzerndes Partyzelt mit Disco-Kugel, das so hip war, dass die jungen Menschen sich gern in die Warteschlange einreihten. Die Zelte der Konkurrenz mit ihren ewigen Cover-Rock-Bands wirkten plötzlich so sexy wie ein Junggesellenabschied vom Land.

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Zuletzt richtete König sogar einen VIP-Bereich ein für all jene, die gerne ein paar Euro mehr zahlten, damit sie unter sich bleiben. Dort schwirrte der durchtrainierte Wirt selbst herum und begrüßte all jene, die er zumindest flüchtig kennt - das ist gefühlt die halbe Stadt. Für das Füchschen ist König eine so wichtige Werbefigur wie die Füchse mit den frechen Sprüchen, die er auf die Plakate drucken lässt.

Kirmeswirt, das war eine Aufgabe, die wie gemacht schien für König, der ja auch schon das Winterbrauchtum erobert hatte. 2001 war er Karnevalsprinz, später Präsident der Prinzengarde Rot-Weiß. Immer noch ist er bekannt dafür, mit spektakulären Kostümen die Blicke auf sich zu ziehen. Er liebte die große Bühne: 2013 lud er in seine Wohnung zu einer Pressekonferenz, um die Verlobung mit seinem Lebensgefährten zu verkünden. Die Beziehung zerbrach zwei Jahre später.

Viele, die ihn lange kennen, berichten aber auch von einer anderen Seite: König gilt als sensibel, auch dünnhäutig, einer, der sich schwer verstellen kann, wenn es nicht gut läuft. Sein Amt als Präsident des Karnevalscomitees gab er 2006 nach nur zwei Jahren auf. Er begründete das mit seiner Arbeitsbelastung, soll aber auch unter den Konflikten zwischen den jecken Funktionären gelitten haben. Auch die viele Kritik, die das Amt mit sich bringt, soll er schlecht verkraftet haben. König ist auch bekannt dafür, sich gelegentlich plötzlich eine Auszeit zu nehmen, er liebt Reisen, oft nach Ibiza.

Das Versprechen von der Kirmes-Rückkehr konnte er nicht einhalten - und entschied sich diesmal dafür, die Nachricht per Video zu verkünden. Die Debatte verfolgt er offenbar rege. Bei Facebook hat ihm ein Freund an die Pinnwand geschrieben, dass er die Entscheidung gut finde, auch wenn sich "andere die Mäuler zerreißen". König, der ja eigentlich nichts mehr zu der Sache sagen wollte, bedankt sich in einem Kommentar für die aufmunternden Worte. "Das tut gut."

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Quelle: RP