Welche Kultur braucht Düsseldorf?

"Ich wünsche mir Überraschungen"

Welche Kultur braucht Düsseldorf?: "Ich wünsche mir Überraschungen" Welche Kultur braucht Düsseldorf?: "Ich wünsche mir Überraschungen" Foto: RP/Hans-Jürgen Bauer
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Jochen Molck ist der Geschäftsführer des Kulturzentrums Zakk und fordert mehr Lebendigkeit fern des Düsseldorfer Zentrums.

Düsseldorf ist eine reiche Stadt, wir haben ein reiches Kulturangebot, oft mit langer Tradition. Das ist erst einmal eine gute Ausgangsbasis. Beim genaueren Hinsehen allerdings ergeben sich schon einige Fragen: Die Einwohnerzahl wächst beständig, auch die auswärtigen Gäste werden mehr, aber die Besucherzahlen von Oper, Theater und Museen stagnieren oder sinken sogar, es sei denn, es steht gerade wieder eine große Blockbuster-Ausstellung an.

Warum ist das so? Das Gros des Kulturangebotes konzentriert sich in der Innenstadt, aber wie sieht es in den Stadtteilen aus? Wo sind unsere kulturell lebendigen Stadtteile, so wie in Leipzig oder Köln? Eine ganze Reihe neuer BürgerInnen ist hinzugekommen, auch Menschen aus anderen Ländern, auch Geflüchtete. Finden sie sich im Kulturangebot der Stadt wieder, bietet es ihnen etwas? Last but not least, die Stadt wächst, aber der Kulturetat sinkt.

Kultur für alle möglich machen

Bei vielen Kulturveranstaltungen treffe ich überwiegend auf ein gut gebildetes, eher wohlhabendes, meist auch älteres Publikum, wogegen überhaupt nichts zu sagen ist, doch wo bleiben die anderen? Kulturwissenschaftliche Studien bestätigen, dass es eine kleine Gruppe von Intensivnutzer/Innen gibt, aber rund die Hälfte der Bevölkerung "ihre" Kultureinrichtungen selten bis gar nicht nutzen. Welche Schwellen sollten, müssen wir da abbauen, um "Kultur für alle" möglich zu machen?

Cover Me Bad Festival - Studio 54.0 | Samstag, 19. November 2016 Cover Me Bad Festival - Studio 54.0 // Sa 19.11.16 zakk 89 Fotos

Ich wünsche mir für Düsseldorf eine Kulturlandschaft, die etwas bunter ist, etwas vielfältiger, etwas ungeschliffener mit mehr Überraschungen, mit starken Szenen, die sich gegenseitig anregen. Ich vermisse in unserer Stadt die ungewohnten Räume für spannende ästhetische Experimente. Diese Räume müssen keine Museen sein, keine Kulturtempel, keine aufwendigen Gebäude, sondern wirkliche Frei-Räume, gerne auch temporärer Natur. Ein paar mehr Musikclubs, Open-Air-Festivals, Kunstvereine, kleine Galerien, mehr Subkulturen, Orte für migrantische Kulturen, mehr freie Szene, mehr kulturelle Lebendigkeit im öffentlichen Raum. Mehr Humus, auf dem Kultur gedeihen kann, auch Teilhabe, Offenheit und Neugier beim Publikum.

Bei der freien Szene wurden Gelder gekürzt

Dafür ist ein echtes Umdenken erforderlich, sowohl bei den Akteuren, als auch bei der Kulturpolitik und der -verwaltung. Der für 2017 beschlossene Kulturetat deutet leider nicht in diese Richtung, da wurde bei der freien Szene gekürzt, um bei den großen Kulturinstitutionen draufzusatteln. Weiter so wie bisher. Ich gehe nicht davon aus, dass wir Kulturleute so andere Politikbereiche davon überzeugen insgesamt mehr Geld für Kultur in Düsseldorf auszugeben.

Vielleicht ist es gut, dass es bald einen (Kultur-Entwicklungs-)Plan gibt, der hoffentlich etwas mehr Orientierung bietet bei tagesaktuellen Fragen und längerfristigen Vorhaben der Kulturpolitik. Es ist gut, dass wir in einer reichen Stadt leben, die sich solche Gedankenspiele leisten kann, und es ist gut, dass bald Weihnachten ist und man sich noch etwas wünschen darf.

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Quelle: RP