Eine kleine Zeitreise

Die Kö und die Clubs - vom Nachtleben an der Edelmeile

Eine kleine Zeitreise: Die Kö und die Clubs - vom Nachtleben an der Edelmeile Eine kleine Zeitreise: Die Kö und die Clubs - vom Nachtleben an der Edelmeile Foto: TONIGHT.de/Ferda Akalin
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Wer das Nachtleben der Kö beschreiben will, braucht dafür nicht viel Zeit. Es gibt nämlich keins. Sobald die Geschäfte schließen, macht sich Einsamkeit breit, ein paar wenige Flaneure gucken sich die Auslagen an und suchen danach in den Nebenstraßen nach einer gastlichen Adresse, um noch einen Kaffee zu trinken oder was zu essen. Aber Spaß, ausgehen ohne Grund? Fehlanzeige, vor allem nach 23 Uhr. Keine Bar, keine Disco - nix. Wären die Bürgersteige nicht so breit, man könnte sie nachts hochklappen.

Das wird sich allerdings am Freitag ändern: Im WZ-Center (Königsallee 27), wo über Jahre das legendäre "Sam's" die Nachtschwärmer lockte wie das Licht die Motten, eröffnet in denselben Räumen das "Jackie O.". Jackie O.? Für die unter 40-Jährigen sei der Name erklärt: Es war einmal eine schöne Amerikanerin, die hieß Jacqueline Bouvier. Sie heiratete John F. Kennedy, er wurde Präsident - aber wenig später ermordet. Seine junge Witwe, genannt Jackie, längst eine Stil-Ikone, lebte eine Weile allein - und heiratete dann zum Entsetzen ihrer Landsleute in den 1970er Jahren einen griechischen Milliardär namens Aristoteles Onassis. Fortan hieß sie Jackie Onassis - abgekürzt Jackie O.

Petros Siamitras eröffnet Jackie O.

Warum das wichtig ist? Weil der neue Gastgeber im Jackie O. ebenfalls Grieche und offenbar ein Fan der - 1994 verstorbenen - Jackie ist. Petros Siamitras heißt der Mann, und er will dem Ex-Sam's mit Hilfe eines Partners neues, schickes Leben einhauchen. Eine Reihe von Düsseldorfer Pistengängern dürfte sein Name bekannt vorkommen, denn Petros stand schon mal im "Ufer 8" und im "Riva" hinter dem Tresen. Nun also an der Kö.

An den neuen Job geht er mit einer Menge Elan und viel Euphorie heran. Beides hat er tatsächlich, sagt Gastro-Berater Markus Eirund, der sowohl das Lokal wie auch den neuen Mann am Schampus-Kühler gut kennt. Eirund glaubt an den Erfolg, obwohl er auch weiß, warum Kö-Gastronomie so schwer ist: Es sind die Preise, sagt der Experte. Manche Vermieter seien vom Einzelhandel verwöhnt und wollten 100 Euro Miete pro Quadratmeter. Das könne kein Wirt bezahlen.

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Das war vor einigen Jahren mal anders. Das Sam's war nicht in diesem Preisstrudel, denn es lag auf der West-Seite der Kö. Dort gab es - außer im WZ-Center, der Adresse des Sam's - kaum Geschäfte, also waren die Mieten moderat. Und der Laden hatte einen genialen Chef: Charlie Büchter. Büchter schaffte es, ein perfekt gemischtes Publikum ins Haus zu holen. Ausreichend Promis, stets sehr viele schöne, junge Frauen und reichlich großzügige Herren, die Erstere bestaunen und Zweitere kennenlernen wollten. Boris Becker, Roberto Blanco, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Filmstars und -sternchen - wer im Sam's sein durfte (und das durfte längst nicht jeder) sah Leute, die er sonst nur aus dem TV oder Kino kannte. Und so mancher Gutbetuchte lernte im Sam's das Zweit- oder Dritt-Modell seiner Ehe-Karriere kennen. Dass manche der Frauen dort mit exakt diesem Plan auf die Pirsch gingen, ist kein Gerücht, sondern Tatsache und war Teil des allabendlichen Programms.

Ganz anders das Checker's schräg gegenüber im alten Kö-Karree. Eine Disco für das eher jüngere Volk, im oberen Stockwerk gelegen und über Jahre Top-Adresse für die nächtlichen Abzappler. Das Checker's war place to be, und als dann noch ruchbar wurde, dort sei Claudia Schiffer entdeckt worden, schwärmten noch mehr junge Damen unterschiedlichen Alters ins Halbdunkle der Dicso. Zuletzt machte sie allerdings vor allem Schlagzeilen durch Schlägereien und Schießereien, Am Ende schloss das Checkers sang- und klanglos. Auch andere Adressen für die Schönen und Reichen der Nacht tauchten plötzlich auf und verglühten, Meteoriten gleich, binnen kurzer Zeit. Ein Café König in der Kesting-Passage war über Monate regelrecht belagert, bis der Reiz verblühte. Und der Monkey's Club, Spross der gleichnamigen Restaurantkette des damaligen Kunstberaters Helge Achenbach, hangelte sich zuletzt nur noch mühsam durch die miesen Bilanzen und ging schließlich unter. Die Nachtresidenz ist dagegen noch immer da - der Club besitzt zwar keine Kö-Adresse und liegt an der Bahnstraße, wird aber zumindest als Teil des engsten Umfelds der Edelmeile wahrgenommen. Die Partys hier sind gut besucht.

Zäh hielt eine kleine Bar neben den Banken über viele Jahre durch: Tino's schaffte es, mit seinem Publikum nicht altbacken, sondern reifer zu werden, musste allerdings Umbauplänen weichen. Aber nicht für immer: Vor wenigen Monaten eröffnete das neue Tino's neben dem Interconti - nur wenige hundert Meter von Jackie O. entfernt.

Neueröffnung auf der Königsallee: Tino's Bar lockt mit Cocktails, Fingerfood und Livemusik Neueröffnung auf der Königsallee Tino's Bar lockt mit Cocktails, Fingerfood und Livemusik Zum Artikel »

Quelle: RP